Empirische Sozialforschung in Einem Entwicklungsland

Von den Erfahrungen eines Soziologen in Äthiopien
  • Siegfried Pausewang
Part of the Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie book series (KZSS, volume 13)

Zusammenfassung

Schwierigkeiten gibt es, wo immer man ein größeres Projekt empirischer Sozialforschung beginnt. Doch der Sozialforscher, dem Einwohnerverzeichnisse jedes Dorfes, Steuerstatistiken, statistische Landes- und Bundesämter zur Verfügung stehen, denkt nicht an die besonderen Schwierigkeiten, die solche Erhebungen in anderen Ländern erschweren.

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Anmerkungen

  1. Dieser Aufsatz ist eine erweiterte Übersetzung eines Vortrages vor dem „Third Meeting of Social Research Fieldworkers“, veranstaltet von dem „Institute of Ethiopian Studies“ und dem „Department of Sociology and Anthropology“ der Haile Selassie I University (Abgekürzt: HSIU) in Addis Abeba am 6. und 7. Juni 1969.Google Scholar
  2. 1.
    Siegfried Pausewang und Milas, Population Research Project. Report on Pilot Study and Research Proposal, Addis Abeba 1968, unveröff. Ms.; S. Pausewang und Miles, A Pilot Study on Fertility and Family Planning in Ethiopia (erscheint demnächst in der Zeitschrift des Population Council, New York).Google Scholar
  3. 2.
    Man denke zum Beispiel an die Berichterstattung über die Ablehnung des Mini-Rollces in Afrika: so als ginge es hier um eine Frage der moralischen Entrüstung über die Nacktheit in Ländern, in denen man Frauen völlig nackt sehen kann. Wenn auch einige Afrikaner, die sich zivilisiert und darum besser vorkommen, diese Anti-Mini-Ausbrüche so verstehen, so dürfte das einen europäischen Beobachter nicht dazu verleiten, die handfesten ökonomischen, politischen und kulturellen Argumente hinter dieser Ablehnung zu übersehen. Daß man in einem Land, in dem vielleicht 90 Prozent der Bevölkerung sich keinen Arztbesuch und keine Schuhe leisten können, nicht wünscht, westlichen Modezyklen zu folgen und der ausländischen Modetextilindustrie den Markt zu öffnen, sollte wohl auch der verstehen können, der zu Hause mit Recht die Anti-Mini-Moralisten als altmodische Spinner ansieht.Google Scholar
  4. 3.
    Neben den extremen Lösungen totaler Freiheit der Wissenschaft und totaler Kontrolle durch den Staat wurde u. a. vorgeschlagen (und in einigen Ländern praktiziert), die Wissenschaftler zu verpflichten, ihre Forschungsergebnisse dem Gastland zur Verfügung zu stellen. Auch dagegen wehren sich vor allem junge Wissenschaftler verbittert. Forschungsgebiete als ökonomische Ressourcen anzusehen und Forschungskonzessionen nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen zu verkaufen, so daß der Ankaufpreis der Ware Forschungsgebiet von vornherein in das Forschungsbudget einbezogen (und von den Stipendien gedeckt) werden müßte, ist m. W. noch in keinem Entwicklungsland ausprobiert worden.Google Scholar
  5. 4.
    Der Verfasser hatte keinerlei solche Schwierigkeiten. Als Angehöriger des Lehrkörpers der Universität in Addis Abeba war er in seiner Arbeit, die sich auf wenige hundert Befragte erstreckte, völlig unbehindert.Google Scholar
  6. ökonomische Ressourcen anzusehen und Forschungskonzessionen nach marktwirtschaftlichenGoogle Scholar
  7. 5.
    Imperial Ethiopian Government (Abkürz.: Imp. Eth. Govt.), Central Statistical Office (Abkürz.: CSO), Ethiopia. Statistical Abstracts: 1963/64 (1965), 1965/66 (1967), 1967 /68 (1969).Google Scholar
  8. 6.
    Imp. Eth. Govt., CSO, Report on a Survey of Harrar, Addis Ababa, März 1967, S. 17 (und gleichlautend in den Berichten über andere Städte in Äthiopien).Google Scholar
  9. 7.
    Imp. Eth. Govt., CSO, Survey of Major Towns in Ethiopia, Statistical Bulletin 1, Addis Ababa, Dezember 1968.Google Scholar
  10. 8.
    Municipality of Addis Ababa, Report on Census of Population, 10./11. September 1961, Addis Ababa 1963, ferner CSO, Towns in Ethiopia (s. Anm. 7 ), S. 11.Google Scholar
  11. 9.
    Siehe „Thirty Years of Modern Education“, Arbeitspapiere des „Subcommittee on Student Unrest at HSIU of the Inter-Faculty Committee on Student-Staff-Administration Relations“, Addis Ababa 1968 (vervielf. Ms.).Google Scholar
  12. 10.
    Information aus dem Ministerium für Erziehung und Künste in Addis Abeba.Google Scholar
  13. 11.
    George A. Lipsky, Ethiopia. Its People, Its Society, Its Culture, New Haven 1962.Google Scholar
  14. 12.
    Diese Beschreibung der Kleinstadtbevölkerung stützt sich hauptsächlich auf Beobachtungen in Akaki, einer typischen kleinen Industriestadt 20 km südlich von Addis, die innerhalb von 16 Jahren von 2000 auf etwa 30 000 Einwohner anwuchs (Schätzungen variieren von 20 000 bis 35 000). Andere Kleinstädte in Äthiopien mögen weniger homogen und weniger von Arbeitern geprägt sein; doch scheint mir das Beispiel zutreffend zu sein für die idealtypische Beschreibung der Bevölkerungsteile im Übergang zwischen traditioneller und modernisierter Lebensform, die hauptsächlich die Kleinstadtbevölkerung ausmachen.Google Scholar
  15. 13.
    CSO, Statistical Abstracts 1967/68.Google Scholar
  16. 14.
    Mes fin Wolde Mariam, An Estimate of the Population of Ethiopia, in: Ethiopia Observer 5 (1961), S. 136 und 140.Google Scholar
  17. 15.
    SIDA, Hrsg., Lediga U-landsuppdrag m.m., Stockholm, Nr. 4/1969, 15. März 1969, S. 13, und Nr. 6/1969, 15. April 1969, S. 17.Google Scholar
  18. 16.
    CSO, Statistical Abstracts 1967/68 (und vorhergehende Jahrgänge).Google Scholar
  19. 17.
    Ein anderes Beispiel berichtet Sidney Head, der drei verschiedene Zahlen über den jähr-lichen Import von Radioapparaten nach Äthiopien erhielt: Sidney W. Head, The Beginnings of Broadcast Audience Research in Ethiopia, in: Journal of Ethiopian Studies 6 (1968), S. 77–92.Google Scholar
  20. 18.
    Der Informant muß aus verständlichen Gründen ungenannt bleiben.Google Scholar
  21. 19.
    University College of Addis Ababa (und Municipality of A. A. und Economic Commission for Africa), Social Survey of Addis Ababa, 1960.Google Scholar
  22. 20.
    CSO, Towns in Ethiopia (s. Anm. 7), und mündliche Informationen aus dem Central Statistical Office.Google Scholar
  23. 21.
    CSO, Towns in Ethiopia, a.a.O., S. II/III.Google Scholar
  24. 22.
    Sinngemäße Wiedergabe aus dem Gedächtnis der Diskussion des stellvertretenden Oberbürgermeisters von Addis Abeba mit Architekturstudenten über Probleme der Stadtplanung in Addis, Frühjahr 1968 in der Engineering Faculty der Universität.Google Scholar
  25. 23.
    Imp. Eth. Govt., CSO, Report on a Survey of Wollege Province, Addis Ababa 1967, S. I—III.Google Scholar
  26. 24.
    Imp. Eth. Govt., CSO, National Sample Survey, 2° Round. Forms and Instructions, Addis Ababa, November 1968, Statistical Manual 4, S. 1–3.Google Scholar
  27. 25.
    H. S. Mann, Land Tenure in Chore (Shoa). Monographs in Land Tenure, Nr. 2, Addis Ababa—Nairobi 1965.Google Scholar
  28. 26.
    Imp. Eth. Govt., Ministry of Land Reform and Administration, Report on Land Tenure Survey of Tigre Province, Addis Ababa, January 1969, und das., Report on Land Tenure Survey of Welega Province, Februar 1968, S. I—III.Google Scholar
  29. 27.
    S. W. Head, Audience Research, a.a.O., S. 77–92.Google Scholar
  30. 28.
    Ebd., S. 91.Google Scholar
  31. 29.
    Donald Levine beschreibt diesen Charakterzug der Amharen in seinem einflußreichen Buch, führt ihn aber bedauerlicherweise nicht auf seine sozio-ökonomische Grundlage, das Landbesitzsystem, zurück (das er als Anthropologe gar nicht in Betracht zieht), sondern beschreibt ihn lediglich als Resultat der äthiopischen „Kultur“. Donald Levine, Wax and Gold. Tradition and Innovation in Ethiopian Culture, Chicago und London 1965.Google Scholar
  32. 30.
    Mündliche Information aus dem CSO.Google Scholar
  33. 31.
    Siehe hierzu S. Pausewang, Students in a Developing Society. Social and Psychological Situation of Ethiopian Students, vervielf. Ms., Addis Ababa 1968; Übersetzung erscheint demnächst in: „Das Argument“, Berlin.Google Scholar
  34. 32.
    Municipality: Census (s. Anm. 8), Part II: Sample Survey, S. 20–22.Google Scholar
  35. 33.
    ECA, Note on Fertility, in: CSO, Report on a Survey of Harar, a.a.O., S. 17.Google Scholar
  36. 34.
    S. Pausewang und Milas, Population Research Project, a.a.O.Google Scholar
  37. 35.
    R. Giel, Some Patterns of Thinking in Ethiopian Students, Vortrag vor der „Second Conference of Social Research Fieldworkers in North Eastern Africa“, Addis Ababa, März 1968 (vervielf. Ms.) und R. Giel, Some Patterns of Thinking and Feeling in 50 Neurotic Ethiopian Students, Addis Ababa 1968 (vervielf. Ms.).Google Scholar
  38. 36.
    Rede Haile Selassies zur Stiftung der Revidierten Verfassung am 4. November 1955.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Köln und Opladen 1969

Authors and Affiliations

  • Siegfried Pausewang
    • 1
  1. 1.z. Z. Addis AbebaEthiopia

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