Aspekte der Entwicklungssoziologie pp 606-625 | Cite as
Empirische Sozialforschung in Einem Entwicklungsland
Von den Erfahrungen eines Soziologen in Äthiopien
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Zusammenfassung
Schwierigkeiten gibt es, wo immer man ein größeres Projekt empirischer Sozialforschung beginnt. Doch der Sozialforscher, dem Einwohnerverzeichnisse jedes Dorfes, Steuerstatistiken, statistische Landes- und Bundesämter zur Verfügung stehen, denkt nicht an die besonderen Schwierigkeiten, die solche Erhebungen in anderen Ländern erschweren.
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Anmerkungen
- Dieser Aufsatz ist eine erweiterte Übersetzung eines Vortrages vor dem „Third Meeting of Social Research Fieldworkers“, veranstaltet von dem „Institute of Ethiopian Studies“ und dem „Department of Sociology and Anthropology“ der Haile Selassie I University (Abgekürzt: HSIU) in Addis Abeba am 6. und 7. Juni 1969.Google Scholar
- 1.Siegfried Pausewang und Milas, Population Research Project. Report on Pilot Study and Research Proposal, Addis Abeba 1968, unveröff. Ms.; S. Pausewang und Miles, A Pilot Study on Fertility and Family Planning in Ethiopia (erscheint demnächst in der Zeitschrift des Population Council, New York).Google Scholar
- 2.Man denke zum Beispiel an die Berichterstattung über die Ablehnung des Mini-Rollces in Afrika: so als ginge es hier um eine Frage der moralischen Entrüstung über die Nacktheit in Ländern, in denen man Frauen völlig nackt sehen kann. Wenn auch einige Afrikaner, die sich zivilisiert und darum besser vorkommen, diese Anti-Mini-Ausbrüche so verstehen, so dürfte das einen europäischen Beobachter nicht dazu verleiten, die handfesten ökonomischen, politischen und kulturellen Argumente hinter dieser Ablehnung zu übersehen. Daß man in einem Land, in dem vielleicht 90 Prozent der Bevölkerung sich keinen Arztbesuch und keine Schuhe leisten können, nicht wünscht, westlichen Modezyklen zu folgen und der ausländischen Modetextilindustrie den Markt zu öffnen, sollte wohl auch der verstehen können, der zu Hause mit Recht die Anti-Mini-Moralisten als altmodische Spinner ansieht.Google Scholar
- 3.Neben den extremen Lösungen totaler Freiheit der Wissenschaft und totaler Kontrolle durch den Staat wurde u. a. vorgeschlagen (und in einigen Ländern praktiziert), die Wissenschaftler zu verpflichten, ihre Forschungsergebnisse dem Gastland zur Verfügung zu stellen. Auch dagegen wehren sich vor allem junge Wissenschaftler verbittert. Forschungsgebiete als ökonomische Ressourcen anzusehen und Forschungskonzessionen nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen zu verkaufen, so daß der Ankaufpreis der Ware Forschungsgebiet von vornherein in das Forschungsbudget einbezogen (und von den Stipendien gedeckt) werden müßte, ist m. W. noch in keinem Entwicklungsland ausprobiert worden.Google Scholar
- 4.Der Verfasser hatte keinerlei solche Schwierigkeiten. Als Angehöriger des Lehrkörpers der Universität in Addis Abeba war er in seiner Arbeit, die sich auf wenige hundert Befragte erstreckte, völlig unbehindert.Google Scholar
- ökonomische Ressourcen anzusehen und Forschungskonzessionen nach marktwirtschaftlichenGoogle Scholar
- 5.Imperial Ethiopian Government (Abkürz.: Imp. Eth. Govt.), Central Statistical Office (Abkürz.: CSO), Ethiopia. Statistical Abstracts: 1963/64 (1965), 1965/66 (1967), 1967 /68 (1969).Google Scholar
- 6.Imp. Eth. Govt., CSO, Report on a Survey of Harrar, Addis Ababa, März 1967, S. 17 (und gleichlautend in den Berichten über andere Städte in Äthiopien).Google Scholar
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- 9.Siehe „Thirty Years of Modern Education“, Arbeitspapiere des „Subcommittee on Student Unrest at HSIU of the Inter-Faculty Committee on Student-Staff-Administration Relations“, Addis Ababa 1968 (vervielf. Ms.).Google Scholar
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- 12.Diese Beschreibung der Kleinstadtbevölkerung stützt sich hauptsächlich auf Beobachtungen in Akaki, einer typischen kleinen Industriestadt 20 km südlich von Addis, die innerhalb von 16 Jahren von 2000 auf etwa 30 000 Einwohner anwuchs (Schätzungen variieren von 20 000 bis 35 000). Andere Kleinstädte in Äthiopien mögen weniger homogen und weniger von Arbeitern geprägt sein; doch scheint mir das Beispiel zutreffend zu sein für die idealtypische Beschreibung der Bevölkerungsteile im Übergang zwischen traditioneller und modernisierter Lebensform, die hauptsächlich die Kleinstadtbevölkerung ausmachen.Google Scholar
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- 17.Ein anderes Beispiel berichtet Sidney Head, der drei verschiedene Zahlen über den jähr-lichen Import von Radioapparaten nach Äthiopien erhielt: Sidney W. Head, The Beginnings of Broadcast Audience Research in Ethiopia, in: Journal of Ethiopian Studies 6 (1968), S. 77–92.Google Scholar
- 18.Der Informant muß aus verständlichen Gründen ungenannt bleiben.Google Scholar
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- 20.CSO, Towns in Ethiopia (s. Anm. 7), und mündliche Informationen aus dem Central Statistical Office.Google Scholar
- 21.CSO, Towns in Ethiopia, a.a.O., S. II/III.Google Scholar
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- 27.S. W. Head, Audience Research, a.a.O., S. 77–92.Google Scholar
- 28.Ebd., S. 91.Google Scholar
- 29.Donald Levine beschreibt diesen Charakterzug der Amharen in seinem einflußreichen Buch, führt ihn aber bedauerlicherweise nicht auf seine sozio-ökonomische Grundlage, das Landbesitzsystem, zurück (das er als Anthropologe gar nicht in Betracht zieht), sondern beschreibt ihn lediglich als Resultat der äthiopischen „Kultur“. Donald Levine, Wax and Gold. Tradition and Innovation in Ethiopian Culture, Chicago und London 1965.Google Scholar
- 30.Mündliche Information aus dem CSO.Google Scholar
- 31.Siehe hierzu S. Pausewang, Students in a Developing Society. Social and Psychological Situation of Ethiopian Students, vervielf. Ms., Addis Ababa 1968; Übersetzung erscheint demnächst in: „Das Argument“, Berlin.Google Scholar
- 32.Municipality: Census (s. Anm. 8), Part II: Sample Survey, S. 20–22.Google Scholar
- 33.ECA, Note on Fertility, in: CSO, Report on a Survey of Harar, a.a.O., S. 17.Google Scholar
- 34.S. Pausewang und Milas, Population Research Project, a.a.O.Google Scholar
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- 36.Rede Haile Selassies zur Stiftung der Revidierten Verfassung am 4. November 1955.Google Scholar
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