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Wirtschaftswachstum

  • Reiner Kümmel
  • Dietmar Lindenberger
Chapter

Zusammenfassung

In der Lehrbuchökonomie ist eines Produktionsfaktors ökonomisches Gewicht – fachökonomisch: seine Produktionselastizität – gleich seinem Anteil an der Summe aller Faktorkosten. Gemäß diesem Kostenanteil-Theorem besäßen die Produktionsfaktoren etwa die folgenden Gewichte: menschliche Arbeit 70 %, (Real-) Kapital 25 % und Energie nur 5 % , sofern sie überhaupt als echter Produktionsfaktor anerkannt wird. Mit dieser Faktorgewichtung können allerdings die Konjunktureinbrüche und -erholungen im Gefolge der Ölpreisschocks der 1970er- und frühen 1980er-Jahre wie auch der ersten Weltwirtschaftskrise des 21. Jahrhunderts nicht verstanden werden. Hinzu kommt, dass das für Industrieländer berechnete Wachstum der Wertschöpfung tief unter dem empirisch beobachteten liegt. Die große Differenz führt die orthodoxe Volkswirtschaftslehre auf etwas zurück, dessen physische Bestandteile man nicht kennt und das man „technischen Fortschritt“nennt. Berechnet man den Gleichgewichtszustand, in dem eine Volkswirtschaft voraussetzungsgemäß arbeitet, aus der Optimierung von Gewinn oder Wohlfahrt unter Berücksichtigung der technologischen Beschränkungen, denen die Kombinationen von Kapital, Arbeit und Energie unterworfen sind, findet man, dass das Kostenanteil-Theorem ein Spezialfall ist, der nicht diejenigen ökonomischen Systeme einschließt, die bei den bisherigen Faktorpreisverhältnissen produzieren. Eine für die gegenwärtigen, real existierenden Volkswirtschaften entwickelte alternative Methode zur Berechnung der Produktionselastizitäten beruht auf dem Gesetz vom abnehmenden Ertragszuwachs und der Abbildung des Trends zu wachsender Automation im Zuge der Digitalisierung. Damit erhält man für die BR Deutschland und die USA zwischen 1960 und 2013 gute Übereinstimmung zwischen empirisch beobachtetem und theoretisch berechnetem Wirtschaftswachstum und findet, dass das ökonomische Gewicht der menschlichen Arbeit viel kleiner und das der Energie viel größer ist als der jeweilige Kostenanteil dieser beiden Produktionsfaktoren. So zeigt sich auch ökonometrisch, in welchem Maße die Industrieländer ihren materiellen Wohlstand der Energie verdanken, die den Kapitalstock aktiviert.

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Theoretische Physik und Astrophysik, Campus SüdUniversität WürzburgWürzburgDeutschland
  2. 2.Energiewirtschaftliches Institut (EWI)Universität zu KölnKölnDeutschland

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