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Rationale Entscheidung bei Risiko: Das Bernoulli-Prinzip

  • Helmut LauxEmail author
  • Robert M Gillenkirch
  • Heike Y Schenk-Mathes
Chapter

Zusammenfassung

Das fünfte Kapitel behandelt das Bernoulli-Prinzip, benannt nach Daniel Bernoulli, der bereits im 18. Jahrhundert untersucht hat, wie Alternativen bei Risiko bewertet werden können. Das Bernoulli-Prinzip ist das wichtigste normative Entscheidungskriterium bei Risiko; die darauf beruhende normative Theorie rationalen Entscheidens wird auch Erwartungsnutzentheorie (Expected Utility Theory) genannt.

Nach dem Bernoulli-Prinzip ist diejenige Alternative optimal, mit der der Erwartungswert des Nutzens der möglichen Ergebnisse maximiert wird. Die Alternativenbewertung geschieht in zwei Schritten: Zunächst ordnet der Entscheider gemäß seiner Nutzenfunktion jedem Ergebnis einen Nutzenwert zu, danach ermittelt er den Erwartungswert des Nutzens der Alternative. Die Stärke des Bernoulli-Prinzips liegt in seiner axiomatischen Fundierung, denn es folgt aus plausiblen Axiomen rationalen Verhaltens und erlaubt es, alle möglichen Zielgrößenwerte explizit zu berücksichtigen. Im Rahmen des Bernoulli-Prinzips lässt sich die Risikoeinstellung eines Entscheiders aus der Gestalt seiner Nutzenfunktion ableiten, und das Ausmaß seiner Risikoaversion lässt sich mit Hilfe des Arrow-Pratt-Maßes messen.

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Helmut Laux
    • 1
    Email author
  • Robert M Gillenkirch
    • 2
  • Heike Y Schenk-Mathes
    • 3
  1. 1.Bad HomburgDeutschland
  2. 2.Fachbereich WirtschaftswissenschaftenUniversität OsnabrückOsnabrückDeutschland
  3. 3.Institut für Wirtschaftswissenschaft BWL/Betriebl. UmweltökonomieTU ClausthalClausthal-ZellerfeldDeutschland

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