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Kontroverse Auffassungen zum Kammerwasserverlauf

Streitpunkte in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
  • Dieter Schmidt
Chapter

Zusammenfassung

Ziliarkörper entsteht : Der große Gefäßreichtum des Ziliarkörpers „und die enorme Verbreiterung des Strombettes durch die zahlreichen Teilungen und Anatomosen, insbesondere der capillaren Venen, welche an Weite die zuführenden Arterien bedeutend übertreffen, stempeln die Ciliarfortsätze unverkennbar“ zu einem Organ mit reichlicher Flüssigkeitsabsonderung. Leber (146, 147) definierte die Kammerwassersekretion als Funktion der Druckdifferenz zwischen intravaskularem und intraokularem Druck. Er bestimmte die Menge des in das Auge fließenden Kammerwassers, indem er – nach der Beschreibung von Priestley Smith – die Verschiebung einer kleinen Luftblase an einem horizontalen Rohr, das mit der einfließenden Flüssigkeitsmenge in Verbindung stand, an der Bezifferung des Rohres ablas.

2.1 Zur Kammerwasserabsonderung1

2.1.1 Kammerwasserbildung im Ziliarkörper oder in der Iris?

Die von Theodor Leber entwickelte Theorie besagt, dass Kammerwasser durch Filtration im Ziliarkörper entsteht2: Der große Gefäßreichtum des Ziliarkörpers „und die enorme Verbreiterung des Strombettes durch die zahlreichen Teilungen und Anastomosen, insbesondere der capillaren Venen, welche an Weite die zuführenden Arterien bedeutend übertreffen, stempeln die Ciliarfortsätze unverkennbar“ zu einem Organ mit reichlicher Flüssigkeitsabsonderung. Leber (146, 147) definierte die Kammerwassersekretion als Funktion der Druckdifferenz zwischen intravaskularem und intraokularem Druck.3 Er bestimmte die Menge des in das Auge fließenden Kammerwassers, indem er – nach der Beschreibung von Priestley Smith – die Verschiebung einer kleinen Luftblase an einem horizontalen Rohr, das mit der einfließenden Flüssigkeitsmenge in Verbindung stand, an der Bezifferung des Rohres ablas.4

Die Auffassung einer Kammerwasserbildung durch den Ziliarkörper wurde durch Deutschmann (Göttingen) (45) gestützt, der beobachtet hatte, dass nach operativer Entfernung von Iris und Ziliarfortsätzen aus dem lebenden Tierauge kein Kammerwasser mehr sezerniert wurde. Das operativ geschädigte Auge entwickelte postoperativ in kurzer Zeit schwerste Veränderungen einer Phthisis bulbi. Schoeler & Uhthoff (Berlin) (193) stellten nach subkutanen Fluoresceininjektionen zunächst grün gefärbte Furchen, später einen grün bedeckenden Bereich des Ziliarkörpers als Zeichen einer Flüssigkeitsbildung fest.5 Paul Ehrlich (Berlin) (56) sprach davon, dass Kammerwasser im Ziliarkörper und zusätzlich in der Iris gebildet wird6: „Offenbar kommt […] nur die Sekretion oberflächlich gelegener Gefäße, insbesondere der des Corpus ciliare in Betracht […]. Allerdings meinte Ehrlich zusätzlich, dass das Kammerwasser aus der Irisperipherie von „zwei Secretionscentren“, einem vorderen nasalen und einem hinteren gebildet wird.7 Auch Scalinci (Neapel) (187) stützte die Vorstellung der Kammerwasserentstehung im Ziliarepithel. Nach einer Zerstörung des Ziliarepithels wurde kein Kammerwasser mehr gebildet. Als wichtiger Bestandteil des Kammerwassers wurde NaCl nachgewiesen. Georg Abelsdorff & Karl Wessely (1) (Würzburg, Berlin) stellten in Vogelaugen fest, dass nach intravenöser Fluoresceininjektion „die ganze Gegend der Ciliarfortsätze in Form eines deutlich abgesetzten Ringes grün gefärbt“ war.8 Otto Schnaudigel (Frankfurt/M) (191) bestätigte nach intravenöser Trypanblauinjektion bei albinotischen Kaninchen, dass der Ziliarkörper ein „spezifisches Absonderungsorgan“ darstellt: „Das Corpus ciliare bietet […] einen prachtvollen Anblick dar: es ist sattblau.“9

Kontroverse zwischen Hamburger und Leber

Eine kontroverse Ansicht zu Beobachtungen mehrerer Autoren vertrat Carl Hamburger (Berlin) (90, 91), der aufgrund von Tierversuchen folgerte, dass Kammerwasser von der Iris und nicht vom Ziliarkörper produziert werde.

Hamburger, der seine Versuche im tierphysiologischen Laboratorium der „Königlich Landwirtschaftlichen Hochschule“ in Berlin durchführte, versuchte die Leber’sche Auffassung einer Kammerwasserproduktion durch den Ziliarkörper zu widerlegen. Theodor Leber (Heidelberg) (150) antwortete 1904 auf Hamburgers Kritik: „Nach der vorstehenden Auslassung des Herrn Dr. Hamburger kann ich annehmen, dass er mein Buch nicht genau genug gelesen hat […]. Wer sich die Mühe nehmen will, den Inhalt meines Buches mit den Hamburgerschen Arbeiten zu vergleichen, wird sich unschwer von der Grundlosigkeit der mir gemachten Vorwürfe überzeugen“.10

2.1.2 Strittige Frage zur Kammerwasserentstehung

Hamburger lehnte Lebers Vorstellung einer Kammerwasserentstehung im Ziliarkörper entschieden ab. Er ereiferte sich wie folgt (92)11: „Lebers Anschauung über die Saftströmung des Auges [hält] einer voraussetzungslosen Prüfung in überraschend schlechter Weise stand, und ich nehme jetzt nach langjähriger Arbeit keinen Anstand mehr, es auszusprechen, dass sie gerade in den wesentlichen Punkten falsch ist“.12

In seiner Monographie „Über die Ernährung des Auges“ schrieb Hamburger (92)13: „Ich halte sie [Lebers Theorie] für unrichtig und bin der Meinung:
  1. 1.

    dass der Abfluss aus dem Auge überhaupt nicht durch streng hydrostatische Gesetze erfolgt mit mathematischer Konstanz in jeder Zeiteinheit, sondern vielmehr durch zelluläre Resorption und durch Vermittlung der Lymphwege […].

     
  2. 2.

    dass der Schlemm’sche Kanal nicht der wichtigste Abflusskanal des Auges ist, sondern nur einer unter vielen entsprechend seinem relativ geringen Querschnitt gegenüber dem Gesamtquerschnitt der Irisvenen“.

     

Auch Paul Römer (Greifswald) (176) merkte in seinem Vortrag an, dass er daran zweifle, ob der Ziliarkörper das „alleinige“ Sekretionsorgan sei14: „Wir müssen aus unseren Versuchen den Schluss ziehen: die immer wiederkehrende Behauptung, dass der Ziliarkörper das ‚alleinige‛ Sekretionsorgan des Auges sei, ist bisher für das Menschenauge völlig unbewiesen“.

„Sachlich ist es meine Überzeugung, dass die Lebersche Hypothese der größte Hemmschuh für den Fortschritt in der Erforschung des Flüssigkeitswechsels ist“.15

2.1.3 Argumente für die Kammerwasserentstehung in der Iris

Im Unterschied zu Lebers Auffassung einer Kammerwasserbildung im Ziliarkörper argumentierten mehrere Autoren aufgrund von Tierexperimenten, dass das Kammerwasser in der Iris entstehe. So meinte Ernst Fuchs (69)16 (Lüttich): „Die Irislymphe ergießt sich ohne Zweifel zumeist direkt in die Kammer und liefert so einen Teil des Humor aqueus“. Schick (188)17 (Marburg) fand, dass die „Regeneration des Humor aqueus […] ausschließlich von der Vorderfläche der Iris“ ausgehe. Eine aktive Beteiligung der Iris an der Kammerwasserbildung betonten auch Richard Ulrich (272), Stock (Freiburg) (260) sowie Wessely (286, 287).

Wessely (286)18 wies allerdings darauf hin, dass das Kammerwasser am wahrscheinlichsten von der Iris, aber auch von den Ziliarfortsätzen durch Transsudation gebildet wird. Ulrich (272)19 führte zusätzlich an, dass „ein Teil des Kammerwassers unzweifelhaft seine Abkunft aus dem Glaskörper und somit aus den Gefäßen der Chorioidea und Retina herleitet“. Ernst Pflüger (172)20 (Bern) hatte goße „grüne Perlen aus zwei Punkten der vorderen Fläche der Iris in der Gegend des Circulius arteriosus major“ nach der Fluoresceininjektion bei Kaninchen beobachtet. Pflüger vertrat trotzdem die Auffassung, dass vorwiegend der Ziliarkörper Kammerwasser produziere. Auch Hagen (Oslo) (86) vermutete, dass die Transsudation des Kammerwassers im Tierauge vom Ziliarkörper aus stattfände; jedoch im Unterschied zum Menschenauge, wo sie vorzugsweise in der Iris erfolgt. Eine Kammerwasserbildung aus der Iris und zusätzlich aus dem Ziliarkörper wurde von Nakamura21 und Mitarbeitern (Osaka) (167) angenommen.

Im Unterschied zu den Auffassungen über die Iris als Ort der Kammerwasserbildung hielt Knies (136)22 (Zürich) die Choriocapillaris des Uvealtraktes für den „wesentlichen Sekretionsort“ der intraokularen Flüssigkeit.

2.2 Argumente gegen eine Kammerwasserbildung in der Iris

Eine gegensätzliche Meinung vertrat Staderini (257), der an der Vorderfläche der Iris keine Kammerwassersekretion beobachtet hatte. Brunhuber (37) berichtete über eine einseitige totale „Irideremie“ (Fehlen der Iris) bei Hydrophthalmus beider Augen eines siebenjährigen Jungen. Beide Augen zeigten eine hochgradige Megalocornea. Daraus folgerte Brunhuber, dass Kammerwasser auch bei fehlender Iris gebildet werden müsste.

Als Gegenargumente einer Irisbeteiligung an der Kammerwasserbildung wurde von Leber (149)23 angeführt, dass die Vorderfläche der Iris „nachgewiesenermaßen zur Resorption von Flüssigkeit dient und es nicht annehmbar ist, dass dieselben Gefäße zwei direkt entgegengesetzte Vorgänge vermitteln“. Als Hinweis, dass Kammerwasser hinter der Iris gebildet wird, erwähnte Leber (149),24 dass sich nach einem Pupillarverschluss durch Synechien die Iris durch hinter ihr sich ansammelnde Flüssigkeit „vorgebuchtet“ wird (Hinweis auf eine „Napfkucheniris“).

Fischer (Leipzig) (61) bestätigte, dass sich nach intravenöser Injektion bestimmter Farbstoffe wie Methylenblau oder Toluidinblau das Ziliarepithel, nicht aber das Irisstroma und die Irisgefäße anfärbten.

2.3 Unterschiedliche Ansichten: Filtration oder Sekretion

2.3.1 Argumente für eine Filtration

Leber betonte, dass die Kammerwasserabsonderung als Transsudation aufzufassen sei, als ein Filtrationsvorgang. Die Leber’sche Auffassung wurde durch mehrere Autoren gestützt. Das Kammerwasser würde durch Filtration in die Venen des Circulus venosus abfließen (146).25 Auch Niesnamow (Charkow) (169), der im Labor von Theodor Leber tätig war, betonte, dass die Kammerwasserabsonderung durch Filtration durch die Gefäßwände des Ziliarkörpers entstehe. Carlini (Livorno) (40) hielt das Kammerwasser für ein Filtrationsprodukt der Ziliarfortsatz- und Irisgefäße. Max Baurmann (Göttingen) (17) vertrat die Auffassung Lebers, denn er stellte fest: „Vielmehr deuten die Gesetzmäßigkeiten […] darauf hin, dass das Kammerwasser ein Ultrafiltrat des Serums sei. Als treibende Kraft der Kammerwasserproduktion reicht der Blutdruck hin“.26

2.3.2 Der Ziliarkörper mit der Funktion einer Drüse

Mery (164)27 hatte bereits im Jahr 1707 sezernierende kleine Drüsen im Ziliarbereich beschrieben. Richard Greeff (Frankfurt/M) (79) beobachtete nach Eröffnung der Vorderkammer im Tierversuch im „Gebiet des Processus ciliares große zahlreiche Blasen“, welche später auch von H. Bauer (Frankfurt/M) (15) bestätigt wurden. Eine Kammerwassersekretion aus dem Ziliarkörper wurde auch von L. Leplat (Liège, 154) und Henderson & Starling (London) (100) angenommen.

Im Unterschied zu Lebers Auffassung der Kammerwasserbildung durch Filtration (Transsudation) fanden Boucheron (31), Edward Treacher Collins (London) (269) und Nicati (168), dass der Ziliarkörper eine Drüsenfunktion habe. Das Kammerwasser werde sezerniert. Nicati bezeichnete den Ziliarkörper als „La Glande de l`humeur aqueuse“. In späteren Jahren schlossen sich der Auffassung einer „Ciliardrüse“ auch Rutteman (Amsterdam) (183), Serr (Heidelberg) (227) und insbesondere Seidel (209) an.

2.3.3 Zum zeitlichen Ablauf der Kammerwassersekretion

Leplat fand (154)28: „Cette quantité de liquide qui a pénétré dans l’oeil est de 1,4 milligram en 14 minutes“.

Leber (147)29 berechnete, dass durch Sekretion die vordere Kammer in 35 Minuten gefüllt sein würde. „Selbst wenn wir den beim Menschen gefundenen Maximalwert von 9 mm3 nehmen, so würde doch über ¼ Stunde vergehen, bis ein Flüssigkeitsteilchen aus der Mitte der Pupille den Weg bis zum Kammerwinkel zurückgelegt hat; dies ist eine Geschwindigkeit, welche etwa dreimal geringer ist als die des Minutenzeigers einer gewöhnlichen Taschenuhr“.

Beim menschlichen Auge fanden Bentzen und ich (1895) 13 Stunden nach dem Tode […] eine Filtration von 5 mm3 in der Minute“ (149).30

Leber31 (152) bemerkte, dass die Filtration des Kammerwassers temperaturabhängig war. Bei Körpertemperatur „stieg bei Schweinsaugen die in das Auge einfließende Menge auf das 2–3 fache und darüber; kühlten wir sie auf ungefähr 0° ab, so sank der Einlauf auf die Hälfte des Wertes ab“.

Leber & Pilzecker (151) berichteten, dass bei früheren Versuchen an Kaninchen Bentzen (Kopenhagen)(21) eine Filtration von 6 mm3, Niesnamoff (169) eine solche von 7 mm3 in der Minute gefunden hatte, während die neuesten Versuche 4,0 und 5,6 mm3 ergeben hatten. Uribe y Troncoso (275)32 (Mexico) stellte beim Kaninchen eine durchschnittliche Ausscheidung des Kammerwassers von 3,5 mm3 pro Minute fest.

Berechnungen in neuester Zeit ergaben, dass das gesamte Kammerwasservolumen alle 90 bis 100 Minuten ersetzt wird (65).

2.4 Theorie eines „physiologischen Pupillenabschlusses“

Aufgrund eines Tierversuchs argumentierte Hamburger (87–89),33 dass keine Verbindung zwischen vorderer und hinterer Augenkammer bestehen könne. Er berichtete: „Ich hatte, um die konstante Durchgängigkeit der Pupille zu prüfen, in die hintere Augenkammer eine kleinste Menge einer 30 % Fluoresceinlösung eingebracht, […] die Pupille aber zeigte mehr als 15 Minuten lang auch nicht die Spur einer Grünfärbung“. Hamburger argumentierte weiter: „So blieb – so glaubte ich schließen zu müssennichts übrig als die Folgerung, dass von einer freien und ständigen Kommunikation keine Rede mehr sein könne und dass diese Auffassung ersetzt werden müsse durch die Annahme eines physiologischen Pupillenabschlusses“.34 „Als Ursache für diesen physiologischen Pupillenabschluss, den ich bei mittelweiter und bei enger Pupille für bewiesen halte, hatte ich angeführt, dass Iris und Linse dicht aneinander gepresst seien“.35 Die Vorstellung eines „physiologischen Pupillenabschlusses“ vertraten außer Hamburger auch Kahn (Prag) (124) sowie Nakamura und Mitarbeiter (167)36 (Osaka).

2.4.1 Vorstellung einer Stauung des Kammerwassers zwischen Hinter- und Vorderkammer

Ulrich (273)37 argumentierte, dass „der exakte positive Beweis, dass das regenerierte Kammerwasser aus der hinteren Kammer in die vordere unter dem Pupillarrand übertrete“, fehle. Ulrich (273)38 glaubte, dass am Linsen-Äquator „eine gewisse Stauung des Flüssigkeitsstromes eintreten“ würde.

Ein „Glaskörperflüssigkeitsstrom“ würde beim Kaninchen von der hinteren in die vordere Augenkammer „quer durch die Iriswurzel“ fließen.39

2.4.2 Ablehnung eines „physiologischen Pupillenabschlusses“

Dass es keinen „physiologischen Pupillenabschluss“ geben kann, hatte der Göttinger Anatom Jakob Henle (102)40 bereits 1873 in seiner Monographie mitgeteilt: „Ich kam zu dem Resultat, dass die Iris an beiden Seiten von Flüssigkeit bespült werde, wenn auch die Auflagerung ihres Pupillarrandes auf der Vorderfläche der Linse die freie Kommunikation der hinter der Iris und vor derselben befindlichen Flüssigkeit einigermaßen beschränkt ist“.

2.4.3 Unterschied zwischen „Sekret“ der Hinterkammer und Kammerwasser der Vorderkammer

Paul Ehrlich (56)41 stellte nach Fluoresceininjektion bei Kaninchen fest, dass „das normale Sekret der Hinterkammer in seinen Eigenschaften, durch seine gesättigt grüne Farbe und ein höheres spezifisches Gewicht sich durchaus vom Humor aqueus unterscheidet“.42 Offenbar meinte er mit dieser Aussage, dass ein Unterschied zwischen dem Kammerwasser der Hinterkammer und der Vorderkammer besteht.

Paul Ehrlich führte Fluorescein in die Ophthalmologie ein. Hatte er geahnt, welch weitreichende, bahnbrechende Bedeutung diesem Farbstoff für die ophthalmologische Diagnostik zukommen würde? Die Fluorezenzangiografie gehört zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen bis in die heutige Zeit!

2.4.4 Ablehnung einer Flüssigkeitsbewegung im Auge

Otto Weiss (284)43 (Königsberg) meinte: „Für das Vorhandensein eines Druckgefälles zwischen vorderer und hinterer Kammer oder zwischen Irisvorderfläche und Kammerwinkel spricht nicht eine einzige Tatsache“. Er betonte außerdem, dass „nicht die geringste Wahrscheinlichkeit bestehe, dass eine „Bildung von Humor an bestimmten Stellen und ein Abfließen zu anderen Stellen stattfindet, d. h. dass eine Strömung infolge eines Druckgefälles besteht“.

In mehreren Arbeiten betonte der Physiologe Weiss (285),44 dass ein Abfluss des Kammerwassers „aufgrund hydrostatischer Druckkräfte im normalen Auge undenkbar ist“.45 Dieser Auffassung widersprachen die Befunde von Ulbrich (270), dass intraokulare Druckdifferenzen physiologisch bedingt seien. Wessely (286)46 hob hervor, dass „im normalen Auge ein ständiger, nur eben äußerst langsam und sich genau die Wage haltender Zu- und Abstrom von Flüssigkeit vor sich geht“. Als Zeichen einer Kammerwasserbewegung stellte Paul Ehrlich (56) bei Kaninchen nach einer intravenösen Fluoresceininjektion eine leuchtend grüne Fluoreszenz nach wenigen Minuten in Form einer haarscharfen vertikalen, im Bereich der Hornhauthinterfläche bogenförmig anliegenden grünen Linie fest, die von der Irisperipherie ausging. Diese Erscheinung wurde als „Ehrlichsche Linie“ bezeichnet. Wessely47 berichtete, dass diese grüne Linie beim Kaninchen, jedoch bei der Katze schon sehr viel weniger deutlich, beim Hund und Affen aber überhaupt nicht festgestellt wurde.

2.5 Zum Abfluss des Kammerwassers aus dem Auge

Ernst Brücke (36)48 fand: „Der Canalis Schlemmii ist ein wirklicher, vollkommen regelmäßiger cirkelrunder Sinus. Man kann ihn […] als Circulus venosis iridis auffassen“. Henle (102) meinte, dass der „Sinus venosus iridis(„Sinus s. Canalis Schlemmii“) „eine dem Hornhautrande konzentrische, zuweilen geteilte Vene“ sei. Leber (144)49 stellte im Tierversuch fest, dass der Schlemm’sche Kanal aus einem Venenplexus bestehen würde. Leber sprach auch in späteren Publikationen vom Venenplexus, den er im Tierversuch nachwies. So auch in der Arbeit Leber & Bentzen (148): „Ich habe gezeigt, dass derselbe kein einfacher ringförmiger Kanal ist, wie man bis dahin annahm, sondern dass er häufig an einem Teil des Umfangs in zwei oder drei, zuweilen sogar in zahlreiche, gleich große, vielfach anastomosierende Äste zerfällt, somit eine bald mehr, bald weniger ausgesprochene plexusartige Beschaffenheit besitzt“. Die beiden Autoren stellten fest, dass eine Carminlösung „mit Leichtigkeit überging“, da eine „Filtration durch die Gefäßwand“ stattgefunden hatte.

Demgegenüber argumentierte Gustav Schwalbe (195):50 „Dass Leber an seinen Injektionspräparaten außer dem Ziliarplexus nichts von einem Schlemm’schen Kanal bemerken konnte, scheint mir nicht mehr auffallend, seitdem ich erfahren habe, wie leicht an getrockneten und wieder aufgeweichten Präparaten die Wandungen des Kanals aneinander kleben bleiben […]. Nach diesen Auseinandersetzungen scheint mir auch die letzthin geäußerte oben zitierte Meinung von Leber nicht mehr haltbar. Ziliarplexus und Schlemm’scher Kanal sind nicht identisch“ (S. 261).

Schwalbe (195)51 hielt den Schlemm’schen Kanal nicht wie Leber für ein Blutgefäß, sondern für einen „Lymphbehälter“, der „mit den aus dem Ziliarplexus selbst hervorgehenden Venen […] in offener Kommunikation steht, und zwar derart, dass bei Druckerhöhung im Gebiet der Venen leicht ein Blutübertritt in den Kanal stattfindet“. Demgegenüber wies Leber52 darauf hin, dass kein Zusammenhang mit abführenden Lymphgefäßen nachgewiesen wurde.

Auch Heisrath (99) kam nach seinen Versuchen mit dem Berliner Blau-Farbstoff zu dem Urteil: [So] müssen wir uns für berechtigt halten, eine offene Kommunikation zwischen der vorderen Augenkammer und den vorderen Ziliarvenen als zweifellos bestehend anzunehmen“.53

Der Schlemm’sche Kanal wurde aber als Hauptabflusskanal des Kammerwassers von Heisrath (99), Straub (261) sowie Gutmann (82) angesehen.

2.5.1 Kontroverse zwischen Hamburger und Leber über den Druck im Schlemm’schen Kanal

Leber & Pilzecker (151)54 hoben hervor, dass die Druckdifferenz zwischen vorderer Kammer und abführenden Venen, „die wesentliche Bedingung für das Zustandekommen einer Filtration“ darstellt. Der Druck in den abführenden Venen und im „Circulus venosus Schlemmii“ muss niedriger als der intraokulare Druck sein. Hamburger (94)55 zitierte Lebers Feststellung eines verminderten Druckes im Schlemm’schen Kanal im Vergleich zum intraokularen Druck. Hamburger argumentierte: „Höchstwahrscheinlich ist das falsch, denn die Füllung der Gefäße ändert sich entscheidend mit dem Tode oder gar bei der Enukleation. Nach O. Weiss ist die Vernachlässigung dieses Gesichtspunktes der bedeutendste Fehler, der bei der Frage nach dem Abfluss der Augenflüssigkeit begangen worden ist“. Weiss fand den Druck in den Wirbelvenen (mit denen der Kanal kommuniziert) „sogar höher als im Humor!“.

Perkins (London) stellte fest,56 dass der Druck im Schlemm’schen Kanal etwa 10 % niedriger war als der Druck in der Vorderkammer.

2.5.2 Zu den Venen des Schlemm’schen Kanals

Hans Lauber (142)57 (Wien) fand, dass die Venen des „Circulus venosus Schlemmii“ bei Säugern und beim Menschen auf den Schnitten meistens leer waren, aber des öfteren hatte er auch Blut im Kanal gefunden. Er argumentierte, dass es von den Druckverhältnissen in der vorderen Kammer und in den Ziliarvenen abhänge, ob der „Circulus venosus Schlemmii mit Kammerwasser oder mit Blut gefüllt ist“. Die abführenden Venen des „Circulus venosus Schlemmii“ waren dünnwandig, bestehend aus einer einfachen Lage von Endothelzellen.

2.5.3 Möglicher Abflussweg durch die Hornhaut

Leber (146)58 erwähnte, dass „die älteren Autoren“ der Ansicht waren, der Humor aqueus durchdringe die Hornhaut und komme aus zahlreichen feinsten Poren an ihrer Außenfläche heraus. Eine „vermehrte Transfusion durch die Kornea“ hielt Stellwag von Carion (258)59 (Wien) für möglich. Max Knies (135)60 meinte, dass ein „doppelter Abflussweg“ für das Kammerwasser bestehe, „einmal durch die Kornea […] zweitens vom Fontanaschen Raum aus durch die Substanz der Sklera“. Laqueur (141)61 (Straßburg) stellte bei seinen Experimenten mit Ferrocyankaliumlösung in der Vorderkammer fest, dass auf „jeder epithelentblößten Stelle, die man mit einem in Eisenchloridlösung getauchten Papier berührt, nach einiger Zeit die charakteristische Reaktion [eintritt]. Dieselbe tritt konstant an der Peripherie der Hornhaut viel früher ein als im Zentrum“. Hamburger (93)62 meinte, […] „dass für die Resorption die Blutgefäße des Auges viel weniger in Frage kommen als die sie umgebenden Lymphwege, sehr wahrscheinlich auch die Lymphbahnen der Hornhaut“.

2.5.4 Der Gegenbeweis durch Leber

Lebers Tierversuche (146) widerlegten eindeutig die Vorstellung eines Abflusses von Flüssigkeit durch die Hornhaut. Leber63 zitierte Winslow (290),64 der meinte, durch Druck auf den Bulbus feinste Tröpfchen auf der Hornhautoberfläche beobachtet zu haben.

Leber (146)65 wies experimentell nach, dass „selbst unter bedeutend gesteigertem Druck keine Flüssigkeit durch die Hornhaut hindurchdringt“. Entsprechende Beobachtungen mit dem Nachweis einer fehlenden Hornhautdurchlässigkeit für Kammerwasser wurden auch von Schoeler (189) mitgeteilt.

2.5.5 Sonstige mögliche Abflusswege des Kammerwassers

Ein Abfluss durch den Glaskörper nach hinten bis zum Sehnerv

Stilling (235)66 (Straßburg) meinte, dass ein Abfluss der „Glaskörperlymphe“ aller Wahrscheinlichkeit nach durch den Sehnerv und seine Scheiden stattfinden würde.

Demgegenüber berichtete Schoeler (192),67 dass auch bei fortgesetzter stärkster Drucksteigerung über längere Zeit – durch Glaskörperinjektion einer Kochsalzlösung – niemals ein Flüssigkeitsaustritt an dem durchschnittenen Sehnervenende wahrgenommen werden konnte.

Priestley Smith (London) (252) bezog Stellung zur viel diskutierten Frage eines Kammerwasserabflusses zum Sehnerv hin. Mit entsprechenden Experimenten konnte er diese Vorstellung an enukleierten Augen widerlegen. Er fand, dass nur eine extrem geringe Menge im Vergleich zum Abfluss in die Vorderkammer zum hinteren Augenbereich abfließen würde. Gifford (Omaha, Nebraska) (71) postulierte, dass die von den Ziliarfortsätzen ausgeschiedene Flüssigkeit sich in zwei Ströme teile. Einer verlaufe in die Hinterkammer und danach durch die Pupille in die Vorderkammer, aber der andere nach hinten durch den Glaskörper und von da aus durch den Zentralkanal des Sehnervs in die Gewebe der Augenhöhle. Demgegenüber stellten Nuel & Benoit (170)68 (Liège) fest, dass ein Abfluss in den hinteren Augenbereich beim Menschen nicht stattfinden würde. Sie untersuchten den Kammerwasserabfluss mit Tuscheinjektionen der Augen beim Menschen und bei Kaninchen, Hund, Katze und Huhn. Nur beim Kaninchen wurde festgestellt, dass Kammerwasser auch in den hinteren Bereich des Auges entlang der Gefäße des Sehnerven abfloss. Beim Menschen und bei der Katze, beim Hund und beim Huhn fehlte ein rückwärts gerichteter Strom. Beim Auge des Menschen wurde der Abfluss aus der Vorderkammer durch den Kammerwinkel zum Schlemm’schen Kanal und anschließend durch Filtration in die Venen des Ziliarkörpers und der Iris nachgewiesen. Der Schlemm’sche Kanal wurde als venöser Sinus aufgefasst. Leplat (Liège, 154) füllte die Vorderkammer des lebenden Kaninchenauges mit Vaseline und verlegte dadurch die Hauptabflusswege des Kammerwassers. Nach seiner Schätzung zeigte sich ein Flüssigkeitsabfluss in die hintere Bulbushälfte von nur etwa 1/50 der gesamten Kammerwassermenge.

Leber (149)69 hatte nach Injektion einer sehr geringen Menge einer Tuschelösung in die hintere Augenkammer „schon nach einer halben Stunde, als das Auge enukleiert wurde, eine Füllung des Zentralkanals des Glaskörpers und von da aus der perivaskulären Räume des Sehnerveneintritts erhalten […]. Hiernach scheint in der Tatwie schon Schwalbe und Stilling angenommen, von Ulrich aber bestritten wurdedieser Abfluss durch den Canalis hyaloideus vemittelt zu werden“.

Zusätziche Abflusswege des Kammerwassers durch Iris und Ziliarkörper

Wenn auch das Kammerwasser zwar vorwiegend durch den Schlemm’schen Kanal abfließt, so hatten sowohl Leber (146, 149) und Heisrath (99) als auch Asayama (6) gefunden, dass geringe Mengen durch die Irisvorderfläche und von dort in die Venae vorticosae abflossen. Leber erwähnte auch einen Weg über den Ziliarkörper.

2.6 Zur Glaukomentstehung

A. Weber (279)70 (Darmstadt) meinte, „dass in allen Klassen von Glaukomen, dem entzündlichen wie nicht entzündlichen, primären wie secundären Glaukom die Filtrationswege eingeengt und schließlich verschlossen sind“. Weber vermutete eine Anschwellung der Ziliarfortsätze als zusätzliche Möglichkeit der Glaukomentstehung.71 Die Auffassung einer Einengung der Filtrationswege als Glaukomursache wurde von Weber (279) mitgeteilt.

Nach Lebers Ansicht (147) wird das primäre Glaukom durch eine Reduktion oder auch durch Aufhebung der Filtration des Kammerwassers hervorgerufen. Gemeinsam mit Bentzen (148)72 (Kopenhagen) wurde jedes enukleierte glaukomatöse Auge auf seine Filtrationsfähigkeit geprüft. Stets zeigte sich eine „Verlegung oder Verwachsung des Kammerwinkels“. Die Vorstellung einer reduzierten Filtration des Kammerwassers zur Glaukomentstehung wurde als Retentionstheorie bezeichnet.

Fußnoten

  1. 1.

    Zur Anatomie und Physiologie des Ziliarkörpers führten GRÜB & MIELKE (2004, S. 357) (81) an: Der Ziliarkörper (ZK) ist von Ziliarepithel (Pars ciliaris retinae) bedeckt und reicht von der Ora serrata (Pars plana) bis zur Basis der Iris (Pars plicata). Das Stroma des ZK wird von einem netzartigen Kapillarsystem durchzogen. Postsynaptische sympathische und parasympathische Nervenfasern durchziehen Ziliarmuskel, Gefäßsystem und Epithel. Das Epithel besteht aus 2 Zelllagen: Die äußere pigmentierte, „PE“, weist zum Stroma hin; die innere nicht pigmentierte Epithelschicht, „NPE“, zur hinteren Augenkammer. Die beiden Schichten sind durch „gap junctions“ miteinander verbunden. Das Kammerwasser wird gebildet: 1.über den Blutfluss zu den ZK-fortsätzen; 2.durch Plasmaübertreten in das ZK-Stroma: 3.durch aktive und passive Transportprozesse in die hintere Augenkammer. Der durchschnittliche Blutfluss im Processus ciliaris liegt bei etwa 115–154 µl/min. Es besteht eine unidirektionale Sekretion und eine langsamere Reabsorption des Kammerwassers. Die Kationensekretion erfolgt transzellulär, die Anionenreabsorption parazellulär (S. 359).

  2. 2.

    LEBER (1873), S. 88.

  3. 3.

    LEBER (1873), S. 85.

  4. 4.

    LEBER (1873), S. 86.

  5. 5.

    SCHOELER & UHTHOFF (1881), S. 67, 68.

  6. 6.

    EHRLICH (1882), S. 22.

  7. 7.

    EHRLICH (1882), S. 38.

  8. 8.

    ABELSDORFF & WESSELY (1909), S. 91.

  9. 9.

    SCHNAUDIGEL (1913), S. 97.

  10. 10.

    LEBER (1905), S. 108.

  11. 11.

    HAMBURGER (1910), S. 47.

  12. 12.

    HAMBURGER (1910), S. 47: „Dies gilt I.von der Anschauung, dass der Ziliarkörper das intraokulare Sekretionsorgan schlechtweg sei und dass ihm, vollends ihm ganz allein, die Aufgabe zufalle, das physiologische Kammerwasser zu liefern;

    II.von der Ansicht, dass die Iris in sekretorischer Hinsicht als steril und als inaktiv zu gelten habe […].

  13. 13.

    HAMBURGER (1914), S. 54.

  14. 14.

    RÖMER (1920), S. 57.

  15. 15.

    RÖMER (1920), S. 68.

  16. 16.

    FUCHS (1885), S. 83.

  17. 17.

    SCHICK (1885), S. 95.

  18. 18.

    WESSELY (1905), S. 603, 612.

  19. 19.

    ULRICH (1880), S. 49.

  20. 20.

    PFLÜGER (1906), S. 448.

  21. 21.

    NAKAMURA & MITARBEITER (1922), S. 655, 656, stellten fest: „Das intravenöse Fluoreszeinnatrium wird aus der Irisoberfläche nahe der Pupille ausgeschieden und steigt entlang der Irisvorderfläche nach oben hinauf; […] Mit Methylviolettinstillation konstatieren wir einen physiologischen Pupillenverschluss beim Kaninchen […]. Normalerweise wird das Vorderkammerwasser aus der vorderen Irisfläche und das Hinterkammerwasser aus der hinteren Irisoberfläche oder dem Ziliarkörper ausgeschieden“.

  22. 22.

    KNIES (1878), S. 367.

  23. 23.

    LEBER (1903), S. 244.

  24. 24.

    LEBER (1903), S. 236.

  25. 25.

    LEBER (1873), S. 105.

  26. 26.

    BAURMANN (1926), S. 113.

  27. 27.

    MERY (1707) S. 499, 500 schrieb: „Pour la découvrir je parcourus dans un autre sujet toutes les membranes propres de l’oeil; mais je n’y trouvay rien qui put me satisfaire. A la fin je remarquay autour du cristallin, par derriere, un grand nombre de très-petites glandes jointes aux fibres cilières; mais toutes détachées du cristallin autour duquel elles forment une espece de couronne. Ces petites glandes sont de couleur blanche, elles ont toutes une ligne de long ou environ sur un quart de large.

    La découverte des ces petites glandes que j’avois toujours confondues, avec les fibres cilières me donna cette idée qu’elles pouvoir bien être la fource d’ou coule l’humeur aqueuse“.

  28. 28.

    LEPLAT (1889), S. 136.

  29. 29.

    LEBER (1895), S. 89.

  30. 30.

    LEBER (1903), S. 226, 227.

  31. 31.

    LEBER (1906), S. 243.

  32. 32.

    URIBE y TRONCOSO (1914), S. 28.

  33. 33.

    HAMBURGER (1899), S. 144.

  34. 34.

    HAMBURGER (1899), S. 145.

  35. 35.

    HAMBURGER (1899), S. 147.

  36. 36.

    NAKAMURA u. MITARBEITER (1922), S. 656.

  37. 37.

    ULRICH (1888), S. 158.

  38. 38.

    ULRICH (1880), S. 41.

  39. 39.

    ULRICH (1880), S. 44.

  40. 40.

    HENLE (1873), S. 712.

  41. 41.

    PAUL EHRLICH (1854–1915), Nobelpreis 1908 für zahlreiche Innovationen. Ehrlich ist der Begründer der modernen Chemotherapie. Ehrlich hatte 1882 erstmals über seine Fluoresceinversuche berichtet. Ehrlich teilte mit, dass Fluorescein aus der Muttersubstanz Eosin und „durch Zusammenschmelzen von Phthalsäure und Resorcin gewonnen wird“ (S. 22). Er beobachtete, dass die Fluoresceinlösung in konzentriertem Zustand dunkelrot, ohne Fluorescenz, beim Verdünnen im durchfallenden Licht gelbrot, dann gelb erscheint. Dabei zeigt sich eine „prachtvolle gelbgrüne Fluoreszenz, die viel Ähnlichkeit mit derjenigen des Uranglases hat“. Ehrlich hatte Fluorescein erstmals für Tierversuche eingeführt und auch bei hohen Dosen des Farbstoffs nie eine toxische Wirkung beobachtet. (S. 22). Eine Fluoresceinnatriumlösung wurde unter dem Firmennamen „Uranin“ bekannt.

  42. 42.

    EHRLICH (1882), S. 39.

  43. 43.

    WEISS (1906), S. 611.

  44. 44.

    WEISS (1923), S. 470.

  45. 45.

    WEISS (1923), S. 470.

  46. 46.

    WESSELY (1905), S. 588.

  47. 47.

    WESSELY (1905), S. 587.

  48. 48.

    BRÜCKE (1847), S. 53.

  49. 49.

    LEBER (1865), S. 315.

  50. 50.

    SCHWALBE (1870), S. 303.

  51. 51.

    SCHWALBE (1970), S. 311.

  52. 52.

    LEBER (1873), S. 182.

  53. 53.

    HEISRATH (1880), S. 221.

  54. 54.

    LEBER, PILZECKER (1906), S. 4.

  55. 55.

    HAMBURGER (1921), S. 635.

  56. 56.

    PERKINS (1955), S. 215–217.

  57. 57.

    LAUBER (1901), S. 443.

  58. 58.

    LEBER (1873), S. 90.

  59. 59.

    STELLWAG v. CARION (1868), S. 38.

  60. 60.

    KNIES (1875), S. 409.

  61. 61.

    LAQUEUR (1872), S. 578.

  62. 62.

    HAMBURGER (1914), S. 54.

  63. 63.

    LEBER (1873), S. 127.

  64. 64.

    M. WINSLOW (1721), S. 320, schrieb: „Cette toile paroît être formée d’une lymphe qui fuinte naturellement par les pores de la Cornée transparente dont, […] j’ai été fort en peine pendant plusieurs années, ne les ayant jamais pû voir dans l’homme. A la fin j’y suis parvenu. M’étant trouvé depuis peu à la dissection d’un oeil cataracté […] je pressai par hazard l’autre oeil d’une certaine manière, et je vis avec beaucoup de joye une rosée fine s’amasser peu à peu sur la corné transparente à mesure que je pressois. Je l’essuyai bien, et je réterai ensuite la pression avec le même succés, et en regardant de prés, je vis distinctement les gouttelets en fortir. Je fis voir cette heureuse experience plusieurs fois de suite aux assistants“.

  65. 65.

    LEBER (1873), S. 125.

  66. 66.

    STILLING (1886), S. 314.

  67. 67.

    SCHOELER (1879), S. 110, 111.

  68. 68.

    NUEL, BENOIT (1899), S. 225, 226.

  69. 69.

    LEBER (1903), S. 292.

  70. 70.

    WEBER (1877), S. 41.

  71. 71.

    WEBER (1877), S. 64, 65.

  72. 72.

    LEBER, BENTZEN (1895), S. 257.

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Dieter Schmidt
    • 1
  1. 1.Klinik für AugenheilkundeUniversitätsklinikum FreiburgFreiburgDeutschland

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