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Spielzeug Handlungsfreiheit: Glücksspielsucht als Dramaturgie und Ästhetik

  • Katharina MüllerEmail author
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Zusammenfassung

Aus der hektischen Betriebsamkeit eines Lokals stürmt getrieben ein Mann mittleren Alters. Er springt in den Wagen, sein Gesicht flackert unter der Straßenbeleuchtung. Im frenetischen Sound und der visuellen Geschwindigkeit baut sich Druck auf. Er verscherbelt seinen Wagen, um sogleich auf der Rückbank eines anderen zu sitzen und umgehend zum Spieltisch zurückzukehren. Cut. Seine Hand blättert mehrere 100-Euro-Scheine auf den grünen Filz, gesäumt von Männern ernster Miene, Pokerface, der Aschenbecher ist randvoll. Und zack: Er versagt ein weiteres Mal. Kurt Jägers System hält nicht, aber es wiederholt sich in umfassender Eigendynamik. Kurt (Georg Friedrich) ist ein notorischer Glücksspieler, manisch süchtig. Abstinenz betritt hier nur den stets sich verengenden Raum der Lüge. Und die interessiert weder die Partnerin (Gerti Drassl), noch den Inkassobeauftragten. Er leiht, erpresst oder stiehlt Geld, um es wieder zu verspielen. Kurt ist auch einer, der Leben spielt – Entscheidungen trifft bald nur noch ein Würfel. Den Rest erledigt der Zufall. Etwa die überraschende Begegnung mit Tanja (Birgit Minichmayr). Es beginnt ein Taumel, wild und körperlich – ein aufbrausendes Stück Genre-Kino.

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Authors and Affiliations

  1. 1.WienÖsterreich

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