Riechen
Zusammenfassung
Viele wollten den Vögeln schon den Geschmackssinn absprechen, doch noch hartnäckiger hielt (oder besser: hält?) sich der Irrglaube, Vögel besäßen keinen Geruchssinn. Der berühmte Vogelmaler John Audubon trug dazu Anfang des 19. Jahrhunderts mit einer Reihe mehr als zweifelhafter Versuche nicht unwesentlich bei. Es sollte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein dauern, bis die Belege für den Geruchssinn der Vögel nicht mehr vornehmlich anekdotischen Charakter hatten. Heute weiß man, dass beispielsweise der Truthahngeier ausgezeichnet riechen kann – den Grundstein für dieses Wissen legte 1960 die medizinische Zeichnerin Betsy Bang mit einem Artikel über die Nasenanatomie verschiedener Vogelarten. Ihre Ergebnisse wurden später von verschiedenen Wissenschaftlern bestätigt und verfeinert. Heute gelingt es dank bildgebender Verfahren leichter, die Größenverhältnisse der einzelnen Gehirnregionen (und somit auch des Riechkolbens) zu ermitteln und daraus auf das Riechvermögen zu schließen, und genetische Untersuchungen liefern ebenfalls wertvolle Hinweise. Besonderes Interesse gilt seit seiner Entdeckung 1815 dabei immer wieder dem Kiwi, jenem seltsamen flugunfähigen, nachtaktiven und sehschwachen Vogel Neuseelands.