Geist und Seele – Was ist der Mensch?

Chapter

Zusammenfassung

Allein die Welt! des Menschen Herz und Geist! Möcht jeglicher doch was davon erkennen. . . . Ja, was man so erkennen heißt! Wer darf das Kind beim Namen nennen? Auch die letzte unserer „großen Fragen“ findet Eingang in Goethes Faust. Sie führt uns zur Natur unseres eigenen Geistes, dem wohl bis heute bedeutendsten Kampfplatz intellektueller und spiritueller Auseinandersetzungen der letzten drei Jahrtausende.

Zu allen drei bisherigen ‚großen Fragen‘ zeichnen sich innerhalb der Naturwissenschaften Schemata möglicher Antworten ab, die frei von Transzendenz sind. Bei der ‚großen Frage‘ dieses Kapitels liegen die Dinge anders. Mit der Frage nach der ″Natur des Geistes″ treffen wir auf das vielleicht zentrale gemeinsame Thema von Philosophie, Religion und Wissenschaft, und − im wörtlichen Sinne − auf den Kern jeglicher Spiritualität. Denn bei dieser Frage ging es immer auch um das Wesen des Menschseins, um die Frage ″Was ist der Mensch?″. Und neben wesentlichen inhaltlichen Aspekten sind hier für eine mögliche naturwissenschaftliche Erfassung auch noch bedeutende methodische Fragen offen. Denn das Geistige, Spirituelle ist zunächst immer eine Suche nach innen, in die subjektive Welt, zum Selbst, zu einem ″Ich″, zu einer wie auch immer gearteten Verbundenheit jenes Ichs mit etwas Ganzem und zuletzt zu einem Sinn, also eine Suche in Bereichen, in denen die Naturwissenschaft, die eine subjektunabhängige Objektwelt behandelt, bereits qua ihrer Methode in Schwierigkeiten gerät. Zugleich erscheint vielen Menschen die Domäne des Geistigen oder des Spirituellen als letzte Domäne, die sich dem globalen Trend der Naturalisierung noch zu entziehen vermag. Doch auch dies könnte sich schon bald ändern. Im Aufklärungsjahrhundert noch als ein Alptraum angesehen, im 19. Jahrhundert gemäß Nietzsche eine bestürzende Erfahrung, im 20. Jahrhundert Gegenstand tiefer philosophischer Grabenkämpfe, nimmt eine mögliche Naturalisierung des Geistes im frühen 21. Jahrhundert konkrete Formen an, und zwar mit dem Versuch einer Beschreibung (um nicht zu sagen materielle Reduktion) des Geistes auf der Basis neuronaler Prozesse. Es wäre dies die vielleicht letzte Station einer „Entzauberung der Welt″. Spätestens hier sollte der Leser erkennen, dass wir uns auf den Kern der Diskussion um Spiritualität und Wissenschaft zubewegen.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.BaarSchweiz

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