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Feldholzanbau im kurzen Umtrieb: ein Rückblick in die Geschichte

  • Werner KonoldEmail author
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Zusammenfassung

Der Anbau von Energieholz im kurzen Umtrieb prägte über lange Zeit das Bild unserer Kulturlandschaften. Sehr alt ist die Stockausschlagwirtschaft, d.h. eine waldbauliche Betriebsart auf großer Fläche, nicht selten im Wechsel mit Ackerbau und Graslandwirtschaft. In der Agrarlandschaft, aber auch als waldbauliche Betriebsform, spielte die Kopfholzwirtschaft mit Weide, Pappel, Hainbuche, Eiche und anderen Baumarten eine große Rolle. Insbesondere im Zuge agrarstruktureller Reformen wurden seit dem 17./18. Jahrhundert – über schriftliche Quellen gut dokumentiert – systematisch linienhafte Gehölzstrukturen in die Agrarlandschaften eingebracht. Sie lieferten einerseits Energieholz, andererseits dienten sie der Einhegung und dem Windschutz bzw. allgemeinen landeskulturellen Zwecken. Als Brennholz wurden auch Gehölzarten verwendet, die heute nicht mehr mit der Energieholzproduktion assoziiert werden, wie etwa Weißdorn, Wildapfel und Schlehe. Einige Gehölzarten wurden wegen ihres hohen Brennwerts wärmstens empfohlen, so zum Beispiel die Robinie („unechter Acacienbaum“). Um für die Praxis in Deutschland Anregungen zu holen, reisten Agrarökonomen und Forstleute ins Ausland, etwa nach Belgien, wo die Holzwirtschaft in der Agrarlandschaft vorbildlich und auch sehr weit verbreitet war. Im 19. Jahrhundert wurden unter dem Einfluss der Landesverschönerung bei der Anlage von Gehölzstrukturen und bei der Baumartenwahl zunehmend auch ästhetische Aspekte berücksichtigt.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Naturschutzökologie und LandschaftsmanagementLandespflege FreiburgFreiburgDeutschland

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