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Röhrchentest

  • K. KleesiekEmail author
  • C. Götting
  • J. Diekmann
  • J. Dreier
  • M. Schmidt
Chapter
Part of the Springer Reference Medizin book series (SRM)

Englischer Begriff

tube test

Definition

Der Röhrchentest ist eine klassische Technik zur makroskopischen Präsentation einer erythrozytären Agglutinationsreaktion in der immunhämatologischen Diagnostik. Er wird in kleinen durchsichtigen Glasröhrchen, die dem Test den Namen gegeben haben, durchgeführt und vor allem bei manuellen Methoden der  Blutgruppenbestimmung, des Antikörpersuchtestes (s.  Antikörpersuchtest) und der  Antikörperdifferenzierung eingesetzt.

Beschreibung

Funktion: Die Agglutinationsreaktion des Röhrchentests erfolgt meist methodenabhängig im direkten oder indirekten Antihumanglobulintest. Die Agglutinationsstärken werden in der Regel als semiquantitatives Ergebnis in folgender Graduierung angegeben:
  • Negativ: − oder 0

  • Diskret positiv: (+) oder 0–1

  • Schwach positiv: + oder 1

  • Deutlich positiv: ++ oder 2

  • Stark positiv: +++ oder 3

  • Maximal positiv: ++++ oder 4

Methode: 1–2 Tropfen eines zu untersuchenden Serums/Plasmas werden zu einem Tropfen Erythrozytensuspension (3–5 % in physiologischer Kochsalzlösung) hinzugefügt und gemischt. Je nach Antikörperavidität ( Avidität) ist eine Agglutinationsreaktion sofort, nach kurzer (5–10 min), längerer (30 min) Inkubation oder nach Zugabe von Antihumanglobulin nachweisbar. Beim Röhrchentest lassen sich die Reaktionen durch kurzes Zentrifugieren (150 g, 30 s) und anschließendes vorsichtiges Aufschütteln verstärken.

Ein negativ ausgefallener indirekter Antihumanglobulintest (indirekter Coombs-Test) ist bei Durchführung im Röhrchentest mithilfe von antikörperbeladenen Testerythrozyten (Coombs-Kontrollzellen) zu überprüfen. Diese Coombs-Kontrollzellen gehören in der Regel der  Blutgruppe 0 an und dienen der Überprüfung der Wirksamkeit vom  Antiglobulinserum. Ein initial negatives Ergebnis ist daher erst dann bestätigt, wenn im Reaktionsgemisch nach Zugabe der Coombs-Kontrollzellen eine Agglutination nachweisbar ist. Für die Qualitätssicherung der serologischen Nachweismethoden von erythrozytären Antigenen und Antikörpern sind die Richtlinien der Bundesärztekammer rechtlich verbindlich.

Der Röhrchentest zur Darstellung einer Agglutinationsreaktion wird heute meist von anderen Techniken wie Festphasenimmunglobulintest ( Festphasenextraktion),  Säulenagglutinations-Test und Mikrotiterplattentest (s.  Mikrotiterplatte) abgelöst. Diese Verfahren bieten hinsichtlich Mechanisierbarkeit, Sensitivität ( Sensitivität, diagnostische) und Spezifität ( Spezifität, analytische) Vorteile.

Literatur

  1. Bundesärztekammer (2005) Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie), Aufgestellt gemäß Transfusionsgesetz von der Bundesärztekammer im Einvernehmen mit dem Paul-Ehrlich-Institut. Zweite Richtlinienanpassung 2010, Deutscher Ärzteverlag, KölnGoogle Scholar
  2. Eckstein R, Zimmermann R (2015) Immunhämatologie und klinische Transfusionsmedizin, 7. Aufl. Urban & Fischer/Elsevier Verlag, MünchenGoogle Scholar
  3. Kiefel V (Hrsg) (2010) Transfusionsmedizin: Grundlagen – Therapie – Methodik, 4. Aufl. Springer, Berlin/Heidelberg/New YorkGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • K. Kleesiek
    • 1
    Email author
  • C. Götting
    • 2
  • J. Diekmann
    • 3
  • J. Dreier
    • 4
  • M. Schmidt
    • 5
  1. 1.Institut für Laboratoriums- und TransfusionsmedizinHerz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Ruhr-Universität BochumBad OeynhausenDeutschland
  2. 2.MVZ Labor Limbach Nürnberg GmbHNürnbergDeutschland
  3. 3.Institut für Laboratoriums- und TransfusionsmedizinHerz- und Diabeteszentrum NRWBad OeynhausenDeutschland
  4. 4.Institut für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin, Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-WestfalenUniversitätsklinik der Ruhr-Universität BochumBad OeynhausenDeutschland
  5. 5.Institut für Laboratoriums- und TransfusionsmedizinUniversitätsklinik der Ruhr-Universität BochumBad OeynhausenDeutschland

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