Advertisement

2-Hydroxyisovaleriansäure

  • G. F. HoffmannEmail author
  • C.-D. Langhans
  • A. Schulze
Chapter
Part of the Springer Reference Medizin book series (SRM)

Englischer Begriff

2-hydroxyisovaleric acid

Definition

Die verzweigtkettige Hydroxycarbonsäure entsteht im pathologischen Zustand im Stoffwechsel der Aminosäure Valin.

Struktur

C5H10O3; Strukturformel:

Molmasse

118,13 g.

Synthese – Verteilung – Abbau – Elimination

Im 2. Schritt des Katabolismus der verzweigtkettigen Aminosäure Valin, der über Propionyl-Co A und Succinyl-Co A in den Zitronensäurezyklus mündet, wird das Transaminierungsprodukt 2-Oxoisovaleriansäure durch den Multienzymkomplex Verzweigtkettige 2-Oxosäuren Dehydrogenase (BCKDH) zu Isobutyryl-Coenzym A umgesetzt. 2-Hydroxyisovaleriansäure entsteht bei pathologischer Akkumulation der 2-Oxoisovaleriansäure in einem alternativen Reduktionsschritt.

Die 2-Hydroxyisovaleriansäure verteilt sich in allen Körperflüssigkeiten. Sie wird renal effizient ausgeschieden.

Funktion – Pathophysiologie

Ein Defekt der BCKDH (MSUD) resultiert primär in einer Akkumulation von 2-Oxoisovaleriansäure und nach Reduktion zur Bildung von 2-Hydroxyisovaleriansäure. Erhöhungen finden sich ebenfalls bei einem Defekt der Dihydrolipoyl-Dehydrogenase (E3). Dabei sind gleichzeitig die Funktionen des 2-Oxoglutarat-Dehydrogenase- und des Pyruvat-Dehydrogenase-Komplexes defekt und führen zur Akkumulation weiterer pathologischer Säuren (Laktat, Pyruvat, 2-Oxoglutarat).

Untersuchungen zur individuellen Toxizität der verschiedenen 2-Oxo- und 2-Hydroxysäuren liegen erst in Ansätzen vor. In-vitro-Studien deuten u. a. auf eine Beeinflussung der Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke hin, in deren Folge es zu einer Störung des Transports von zerebral bedeutenden Aminosäuren mit fatalen Folgen für die Biosynthese und die normale Funktion von Neurotransmittern sowie für das Hirnwachstum kommen kann.

Untersuchungsmaterial – Entnahmebedingungen

Urin, in Ausnahmefällen Liquor oder Plasma.

Präanalytik

  • Durch  Flüssig-Flüssig-Extraktion im sauren Medium mittels Ethylacetat oder Diethylether

  • Mittels Gaschromatographie-Massenspektrometrie ( GC-MS) als Trimethylsilylester-Trimethylsilylether

Retentionsindex RI: 1171

M+ (m/z): 262

Quant Ion (m/z): 145

Conf. Ion (m/z): 219

Internationale Einheit

mmol/molKreatinin (Urin).

μmol/L (Plasma, Liquor).

Referenzbereich – Kinder

Normalbereich: <2 mmol/mol Kreatinin.

Pathologischer Bereich: 850–3600 mmol/mol Kreatinin.

Indikation

Ungeklärte Enzephalopathie bis zum Koma, vor allem im Neugeborenen-, Säuglings- und Kleinkindesalter und/oder assoziiert mit interkurrenten Infekten. Differenzialdiagnostik primärer Laktatazidosen.

Interpretation

2-Hydroxyisovaleriansäure ist neben anderen verzweigtkettigen 2-Oxo- und 2-Hydroxysäuren pathologisch erhöht bei der Ahornsirupkrankheit (MSUD) sowie bei einem Dihydrolipoyl-Dehydrogenase-(E3-)Mangel. Dabei sind gleichzeitig die Funktionen des 2-Oxoglutarat-Dehydrogenase- und des Pyruvat-Dehydrogenase-Komplexes defekt und führen zur Akkumulation weiterer pathologischer Säuren (Laktat, Pyruvat, 2-Oxoglutarat).

Vermehrte 2-HIVA-Ausscheidung wird auch bei primären und sekundären Laktatazidosen und bei Ketosen infolge eines erhöhten intramitochondrialen Redoxpotenzials, das die vermehrte Bildung von 2-HIVA aus 2-Oxoisovaleriansäure begünstigt, beobachtet.

Diagnostische Wertigkeit

In Kombination mit Erhöhungen der korrespondierenden 2-Oxosäure hoch für die Diagnostik einer Ahornsirupkrankheit (MSUD) bzw. eines Dihydrolipoyl-Dehydrogenase-(E3-)Mangels.

Literatur

  1. Blau N, Duran M, Gibson KM, Dionisi-Vici C (Hrsg) (2014) Physician’s guide to the diagnosis, treatment, and follow-up of inherited metabolic diseases. Springer, Berlin/HeidelbergGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Zentrum für Kinder- und JugendmedizinUniversitätsklinikum HeidelbergHeidelbergDeutschland
  2. 2.Stoffwechsellabor – GCMSUniversitätsklinik für Kinder- und JugendmedizinHeidelbergDeutschland
  3. 3.Clinical and Metabolic Genetics The Hospital for Sick ChildrenUniversity of TorontoTorontoKanada

Personalised recommendations