Theoretische Chemie im 19. Jahrhundert
Zusammenfassung
Die Theoretische Chemie hat eine mehr als zweihundert Jahre alte Tradition in der Chemie. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Chemie sich als eigenständige Wissenschaft zu etablieren begann, erschienen ein- oder mehrbändige Werke zur Theoretischen Chemie in deutscher Sprache. Alexander Nicolaus Scherer (1771– 1824) veröffentlichte 1800 den ersten Band des Archiv für die theoretische Chemie. Sein Anliegen war es, der Theorie Lavoisiers in Deutschland zur Geltung zu verhelfen, die das Prinzip der Oxidation klärte und die alte Phlogistontheorie zu Fall brachte. Scherer war im selben Jahr ordentlicher öffentlicher Lehrer an der Friedrichs- Universität in Halle geworden, eine Stellung, die man später als ordentlicher Professor bezeichnete. Er hatte schon einige Werke über die Chemie geschrieben und wechselte zwei Jahre später nach Dorpat. 1808 erschien der Grundriß der theoretischen Chemie von Friedrich Stromeyer, ein Lehrbuch für Chemie- und Medizinstudenten. Stromeyer wurde 1776 in Göttingen geboren und starb dort 1835. Sein Vater war Professor für Medizin, und Stromeyer studierte ebenfalls Medizin, dazu Botanik und Pharmazie. Er promovierte 1800 in Medizin. 1802 wurde Stromeyer Privatdozent für Chemie und Medizin in der Medizinischen Fakultät und 1805 außerordentlicher Professor der Medizin. 1806 wurde er Leiter des Chemischen Laboratoriums und 1810 ordentlicher Professor in der medizinischen Fakultät.