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Die Beziehungen der Staatslehre zur Gesamtheit der Wissenschaften

  • Georg Jellinek

Zusammenfassung

Ehe in unifassende Erörterungen über das Wesen des Staates eingetreten werden kann, ist zur notwendigen Begrenzung der Aufgabe zuvörderst zu untersuchen, inwieweit der Staat Objekt der Staatswissenschaften, inwieweit anderer Disziplinen ist.

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Referenzen

  1. 1).
    Die Literatur, welche sich mit dem Verhältnis des Staates zur Natur beschäftigt, ist in stetem Wachstum begriffen. Vielfach handell es sich in derartigen Werken um Darlegung einer natürlichen Gesetzmäßigkeit in den staatlichen Erscheinungen ohne jedwede Prüfung der methodologischen Frage, inwieweit jene einer derartigen Erkenntnis überhaupt zugänglich sind. Meist werden unfertige biologische Hypothesen einer oberflächlichen und willkürlichen Konstruktion der gesamten gesellschaftlichen Verhältnisse zugrunde gelegt. Für diese Lehren gilt, was oben von der Soziologie gesagt wurde. Wie vorsichtig sind denn auch die aus einer umfassenden Weltanschauung entsprungenen einschlägigen Lehren Spencers im Vergleich mit der Leichtfertigkeit, mit der in neuester Zeit die ganze soziale Entwicklung „naturwissenschaftlich“ erklärt wird. Bezeichnend für diese Richtung ist die Sammlung von Monographien „Natur und Staat“, herausgegeben von Ziegler, Conrad und Häckel, 1903ff., die sich als Lösung einer Preisaufgabe darstellen: Was lernen wir aus den Prinzipien der Deszendenztheorie in Beziehung auf die innere politische Entwicklung und Gesetzgebung der Staaten? Die zutreffendste Antwort auf eine solche Frage wäre eine Kritik ihrer Zulässigkeitl Etwa gleichzeitig mit dem Erscheinen der 2. Auflage dieser Staatslehre hat denn auch F. Tönnies jene Preisaufgabe eingehend kritisiert: Schmollers Jahrb. XXIX 1905 S. 27ff. Vgl. auch Rehm Deszendenztheorie und Sozialrecht (Hirths Annalen 1906 S. 703 ff.). — Eine offenbare Entgleisung bedeutet das Buch von ‘S. Tietze Das Gleichgewichtsgesetz in Natur und Staat 1905.Google Scholar
  2. 1).
    Letztere stellt nicht nur äußere, sondern auch sozialpsycho-logische Tatsachen fest, bietet daher ähnlich wie die Bevölkerungslehre ein Beispiel für die Unzulässigkeit reinlicher Scheidung zwischen Natur-und Geisteswissenschaften.Google Scholar
  3. 1).
    Vgl. Ratzel Anthropogeographie, 2. Aufl. I 1899, II 1912; kritische Bemerkungen üher die hierhergehörige Literatur daselbst 1 S. 13 ff. und bei Achelis Moderne Völkerkunde 189G S. 70 ff.; Ratzel Politische Geographie 1897.Google Scholar
  4. 2).
    Ein allgemeines Schema, unter welches die Wirkungen der Natur auf die Menschen gebracht werden können, bei Ratzel Anthropo-geographie I S. 41 ff.Google Scholar
  5. 1).
    Vgl. v. Treitschke Politik I S. 207ff.; Hehn Kulturpflanzen und Haustiere, 8. Aufl. 1911 S. 1 ff.Google Scholar
  6. 1).
    Offen bleibe an dieser Stelle die Frage, inwieweit diese physischen Merkmale und Anlagen Ergebnisse durch ungemessene Zeiten wirkender historischer Ursachen sind.Google Scholar
  7. 1).
    Hierhergehörige Untersuchungen aus der neuen Literatur richtunggebend zuerst bei Gobineau Essai sur l’inégalité des races humaines I–IV 2. éd. 1884; sodann z.B. bei Letourneau La sociologie d’après l’éthnographie 1880 1. IV ch. VI–VIII; Peschel Völkerkunde 3. Aufl. 1880 S. 247ff.; Ratzel Völkerkunde 2. Aufl. 1894 S. 121 ff.; Vierkandt Naturvölker und Kulturvölker 1896 S. 310 ff.; Schmoll er Grundriß der allg. Volkswirtschaftslehre I, 7.–10. Taus. 1908 S. 140 ff. (mit zahlreichen Literaturangaben); Woltmann Politische Anthropologie 1903; Methner Organismen und Staaten 1906 S. 80ff., 122; Ed. Meyer Geschichte des Altertums I1 3. Aufl. 1910 S. 73; Gumplowicz Der Rassenkampf 2. Aufl. 1909. Einen eingehenden kritischen Überblick über diese Theorien gibt Friedrich Hertz, Moderne Rassentheorien 1904. Vgl. auch die besonnenen Ausführungen von Lindner Geschichtsphilosophie S. 89ff. So sehr die Scheidung der somatischen von den historischen Ursachen des Völkerlebens theoretisch gefordert werden muß, so wenig sichere Resultate hat die Wissenschaft in dieser Hinsicht bisher aufzuweisen. Nicht einmal über die Frage der Veränderlichkeit der Rassenmerkmale herrscht irgendwie Übereinstimmung und damit über das Maß der Einwirkung der historisch-sozialen Faktoren auf Bildung und Umbildung der Rassen. Daher bieten sich die zahlreichen anthropologischen und ethnologischen Hypothesen jedem, der seinen politischen und sozialen Velleitäten ein wissenschaftliches Mäntelchen umhängen will, zur beliebigen Auswahl an.Google Scholar
  8. 1).
    Vgl. Wundt Vorlesungen über Menschen- und Tierseele, 28. Vorl., 5. Aufl. 1911 S. 499 ff.; Espinas Des sociétés animales 2. éd. 1878 p. 527 ff. (deutsche Ausgabe von Schloesser 1879 S. 507 ff.); H. E. Ziegler Die Naturwissenschaft und die sozialdemokratische Theorie 1893 S. 182ff.; Bethe Dürfen wir den Ameisen und Bienen psychische Qualitäten zuschreiben? Pflügers Archiv für die gesamte Physiologie 70. Bd. 1898 S. 15ff. Gegen Bethe Waßmann, Die psychischen Fähigkeiten der Ameisen 1899. Aus der neuesten Literatur Girod-Marshall Tierstaaten 1901 S. 85 ff., 136 ff.; Ed. Meyer in den Sitzungsberichten der kgl. preuß. Akademie der Wissenschaften 1907 S. 508f.; dazu A. Grailowsky Recht und Staat 1908 S. 7 ff.Google Scholar
  9. 1).
    Ein anderes Beispiel für die Möglichkeit solcher „Männerstaaten“ bieten die während des Balkankrieges viel genannten Mönchsrepubliken der Athosklöster; vgl. Fallmerayer Fragmente aus dem Orient II 1845 S.12f.Google Scholar
  10. 2).
    Allerdings nicht immer. Noch Haller hat die theologisch-spekulative Lehre von Adam als erstem Souverän vertreten. Dahlmann, Politik S. 3, behauptet: Die Urfamilie ist der Urstaat; jede Familie unabhängig dargestellt, ist Staat. Ähnlich Br. Schmidt, Der Staat S. 57. Bei der dynamischen Natur des Staates kann man auch bei primitiven Verhältnissen von Naturvölkern der Gegenwart in der Familie bereits einen Staat erblicken. So erzählt Ratzel, Politische Geographie S. 71 N. 12, von Familien als politischen Einheiten bei Melanesiern und Mikro-nesiern. Darauf gründet Rehm, Staatslehre S. 38, die Existenz von Familienstaaten. Es liegt aber ein Fall zu weit gehender Induktion (vgl. oben S. 23) vor, wenn man die Kulturstaaten mit jenen primitiven Verbänden zu einer Einheit zusammenfaßt. Namentlich für die rechtliche Erfassung des Staates ist solche zu weit getriebene Vergleichung wertlos. Rehm selbst wird doch einer raeianesischen Familie nicht Völkerrechtliche Persönlichkeit — für ihn nach seiner früheren Auffassung (anders Kleine Staatslehre 1907 S. 19) das wesentliche Staatsmerkmal — zuschreiben wollen.Google Scholar
  11. 1).
    Vgl. G. Rümelin in Schönbergs Handbuch der politischen Ökonomie, 4. Aufl. I 1896 S. 828.Google Scholar
  12. 2).
    Umfassendere Untersuchungen über die Gesamtheit der terminologisch unter dem Wort „Gesellschaft“ zusammengefaßten Vorstellungen bei Jhering Der Zweck im Recht I, 4. Aufl. 1904 S. 65ff., 240ff.; G. Rümelin Über den Begriff der Gesellschaft und einer Gesellschaftslehre, Reden und Aufsätze III 1894 S. 248ff.; Tönnies Gemeinschaft und Gesellschaft, 2. Aufl. 1912 S.3ff.; Wundt Logik, 3. Aufl. III S. 623ff.; Stammler Wirtschaft u. Recht, 2. Aufl. S. 77ff.; Simmel, Schmollers Jahrbuch XX 1896 S. 575ff.; derselbe Soziologie 1908 S.lOff.; Kistiakowski Gesellschaft und Einzelwesen 1899 S. 81 ff.; Gothein Gesellschaft und Gesellschaftswissenschaft im HWB. der Staatswissenschaften, 3. Aufl. IV S. 680ff.; Wasser ab Sozialwissenschaft und soziale Frage 1900 S. 6 ff.; O.Spann Untersuchungen über den Gesellschaftsbegriff, Tübinger Zeitschrift f. d. g. Staatsw. LIX S. 574ff.; LX S. 462ff.; LXI S.302ff., 427ff.Google Scholar
  13. 1).
    An essay on the history of civil society 1766 (deutsch Leipzig 1768), part I, sect. I–IV, part III, sect. I–III. Dieses Buch, das in Deutschland sehr hoch gewertet wird, siehe Twesten Preußische Jahr bücher IV 1859 S. 305, Waentig August Comte und seine Bedeutung für die Entwicklung der Sozialwissenschaft 1894 S. 27 ff., wird in England auffallend gering geschätzt; vgl. Leslie Stephen English thought in the eighteenth century 2. ed. 1881 I p. 214, 215.Google Scholar
  14. 1).
    A.a.O. S. 63 ff.Google Scholar
  15. 2).
    Geschichte der Lit. der StW. I S. 77.Google Scholar
  16. 1).
    „Toute société politique est composée d’autres sociétés plus petites de différentes espèces, dont chacune a ses intérêts et ses maximes: mais ces sociétés, que chacun apercoit parce qu’elles ont une forme extérieure et autorisée, ne sont pas les seules qui existent réellement dans l’État, tous les particuliers qu’un intérêt commun réunit en composent autant d’autres, permanentes ou passagères, dont la force n’est pas moins réelle pour être moins apparente, et dont les divers rapports bien observés font la véritable connoissance des mœurs. Ce sont toutes ces associations tacites ou formelles qui modifient de tant de manières les apparences de la volonté publique par i’infldence de la leur.“ Rousseau Œuvres complètes III, Paris 1865, p. 281.Google Scholar
  17. 2).
    H ch. III: Si la volonté générale peut errer.Google Scholar
  18. 1).
    Grundlinien der Philosophie des Rechts, Werke VIII 2. Aufl. S. 240 ff., vgl. auch die Auseinandersetzung mit Rousseau S. 306 ff.Google Scholar
  19. 2).
    Namentlich durch L. v. Stein, der ganz im Banne Hegels stand, wenn er auch den Inhalt seiner Gesellschaftslehre von den französischen Sozialisten empfing. Aber auch K.Marx dürfte von dem Grundgedanken der Hegeischen Gesellschaftslehre nicht ganz unbeeinflußt geblieben sein.Google Scholar
  20. 3).
    Vgl. namentl. Saint-Simon Catéchisme des industriels 1822–23. R.Schmidt, I S. 105, behauptet den Einfluß Hegels auf Saint-Simon, was unbegründet ist. Der von Schmidt als Zeuge herangezogene Ahrens, a. a. O. I S. 204 Anm. 2, spricht auch gar nicht von der Lehre Saint-Simons, sondern vom Saint-Simonismus, zwei, wie Ahrens im Text richtig hervorhebt’, ganz verschiedene Doktrinen.Google Scholar
  21. 1).
    Über Proudhons Staats- und Gesellschaftslehre vgl. Diehl Proudhon II 1890 S. 107 ff. (Conrad Samml. nationalök. u. statist. Abh. VI3); derselbe Über Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus 2. Aufl. 1911 S. 104 ff.; Michel a. a. O. S. 395 ff.; Zenker Der Anarchismus 1895 S. 22ff.; Eltzbacher Der Anarchismus 1900 S. 63ff.; derselbe im Handbuch d. Politik I 1912 S. 171.Google Scholar
  22. 2).
    Populär ist die Marxistische Lehre dargestellt und ergänzt worden von Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats 1884. ferner ders. in dem bereits zitierten Werke: Herrn Dührings Umwälzung der Wissenschaft. Vgl. aus der großen Zahl von Schriften über die Marx-Engelssche Staats- und Gesellschaftslehre namentlich Masaryk Die philosophischen und soziologischen Grundlagen des Marxismus 1899 S. 387 ff.Google Scholar
  23. 1).
    Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich 1860 I p. XXIX ff., System der Staatswissenschaft II, Die Gesellschaftslehre I 1856 S.22ff.Google Scholar
  24. 2).
    a. a. O. II S. 253 ff.Google Scholar
  25. 3).
    Geschichte und Literatur der StW. I S. 88 ff., Enzyklopädie der StW. S.27ff.Google Scholar
  26. 1).
    Kritische Erörterungen der bisher aufgestellten Gesellschaftstheorien würden an dieser Stelle zu weit führen. Das Unzulängliche des neuesten eingehenden Versuches, den Gesellschaftsbegriff zu fixieren, den Stammler, a. a. O. S. 77 ff., unternimmt, ist schon von Simmel, Schmollers Jahrb. XX 1896 S. 575 ff. (dazu J. Breuer Der Rechtsbegriff 1912 S. 86ff.), und von Max Weber, Arch. f. Sozialwiss. 24. Bd. 1907 S. 120ff., treffend dargetan. Überdies aber schließt die Stammlersche Definition des sozialen Lebens als des äußerlich geregelten Zusammenlebens der Menschen den so bedeutsamen Saint-Simon-Steinschen Gesellschaftsbegriff. den Stammler gar nicht zu kennen scheint, aus der Reihe der sozialen Erscheinungen aus, da das Leben der also gefaßten Gesellschaft sich großenteils in der Form ungeregelten Kampfes vollzieht.Google Scholar
  27. 1).
    Hier findet also auch der Sozietätsbegriff der Jurisprudenz als eine der möglichen Gesellschaftsformen seine Stelle.Google Scholar
  28. 1).
    Diesen Ausführungen gibt Esmein, p. 26 f., einen Sinn, der ihnen, trotz seiner weiteren Bemerkung p. 31, nicht völlig gerecht wirdGoogle Scholar
  29. 1).
    Am populärsten und wirksamsten hat Lassalle in den beiden Vorträgen „Über Verfassungswesen“ und „Was nun?“ den Zusammenhang zwischen sozialer und staatlicher Macht dargelegt. Dazu Fr. v. Wieser Recht und Macht 1910 S. 3ff. Unter den Juristen hat die Kompromißnatur des Rechtes am energischsten betont Merkel, Recht und Macht, Schmollers Jahrbuch V 1881 S. 439 ff., Juristische Enzyklopädie § 40.Google Scholar
  30. 1).
    Die Lehre vom sozialen Königtum ist von Saint-Simon begründet und sodann von L. v. Stein dialektisch entwickelt worden. Vgl. hierüber L.Brentano in Schönbergs HB. d. pol. Ök. 1. Aufl. I S. 935 ff. Sie bildet ein Fundament der Staatslehre von Gneist. Vgl. ferner O. Mejer a. a. O. S. 11 ff.; Klöppel Staat und Gesellschaft 1887 S. 195 ff.Google Scholar
  31. 1).
    Daher nicht mit der „Staatssittenlehre“ zu verwechseln, die Mohl als besondere staatswissenschaftliche Disziplin gefordert hat, die aber nichts als ein Element einer richtig verstandenen Politik ist, nämlich Lehre von den sittlichen Schranken, innerhalb deren die politischen Zwecke erreicht werden sollen, sowie den ethischen Anforderungen an ihre positive Gestaltung und die einzelnen, insofern sie zu ihr beizutragen haben. Was Mohl, Enzyklopädie S. 504, als Ergebnisse einer solchen Lehre bietet, ist übrigens nichts als eine Sammlung von Trivialitäten. Über das Verhältnis der Staatslehre sur Ethik vgl. aus der neuesten Literatur J.Stern Die allg. Staatslehre und eine positivistische Ethik, Grünhuts Zeitschrift XXXI 1903 S. 87 ff-, auch Arch. d.ö. R. 28. Bd. 1912 S. 298 ff.; über die Verweisungen des Gesetzgebers auf gesellschaftliche Anschauungen, Sätze der Ethik und sonstige außerrechtliche Säize W. Jellinek Gesetz, Gesetzesanwendung usw. 1913 §§3 u.4.Google Scholar
  32. 1).
    Vgl. H.Spencer a. a. O. VII part.IV; Jhering a. a. O. II, 4. Aufl. 1905: Wundt Ethik 1 S. 219 ff; Schmoller Grundriß I S.48ff.Google Scholar
  33. 1).
    Gründliche Untersuchungen über diese wichtige, aber schwer zu fassende soziale Erscheinung sind selten. Aus der deutschen Literatur sind namentlich Fr. J.Stahl Staatslehre 5. Aufl. §§136 ff. (2. Aufl. 1846 S. 374ff.) und v.Holtzendorff Wesen und Wert der öffentlichen Meinung 1879 hervorzuheben. Vgl. auch die Ausführungen von Schmo Her Grundriß I S. 14, von v. Schubert-Soldern in der Ztschr. f. d. ges. Staatswissenschaft LXVI 1910 S. 615ff., von H. Kraus in der Festschrift für v. Liszt 1911 S. 148ff. und von A. Christensen Politik und Massenmoral 1912 S. 99 ff. Eingehende sozialpsychologische Untersuchung der einschlägigen Phänomene bei Tarde L’opinion et la foule 2ème éd., Paris 1904. Die englischen Verhältnisse schildert Dicey, Lectures on the relation between law and public opinion 1905. Zu dem Besten zählen die Ausführungen von James Bryce The American Commonwealth, new ed. 1912 II part. IV p. 251 ff., und H. Munsterberg Die Amerikaner I 1904 S. 220 ff.Google Scholar
  34. 1).
    Die öffentliche Meinung ersetzt im absoluten Staat einigermaßen die fehlende Volksvertretung. Der Freiherr vom Stein konnte daher in der Denkschrift vom 27. April 1808 von einer Unterwerfung der Minister unter die öffentliche Meinung sprechen: Pertz Das Leben des Ministers Freiherrn vom Stein I 2. Aufl. 1850 S. 333. Haenel, Das zweite Ministerium des Freiherrn vom Stein 1908 S. 9, bemerkt darum sehr treffend: „Stein war der erste konstitutionelle Minister im Staate Preußen — ohne Konstitution.“Google Scholar
  35. 1).
    Gegen die einseitigen Konstruktionen von Rachofen Das Mutterrecht 1861, Mac Lennan Primitive Marriage 1865, Giraud-Teulon Les origines du mariage et de la famille 1884, Morgan Ancient Society 1877 vgl. Starcke Die primitive Familie 1888 und Westermarck The History of Human Marriage 1891; L.Brentano Zeitschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte I S. 101ff.; Grosse Die Formen der Familie und die Formen der Wirtschaft 1890; H. Schurtz Altersklassen und Mannerbünde 1902. Zur Vorsicht mahnten schon die Ausführungen von Ch. Darwin Die Abstammung des Menschen. Aus dem Englischen von Carus II 20. Kap., vgl. auch Ziegler a. a. O. S. 50 ff.Google Scholar
  36. 2).
    So neuerdings, namentlich im Anschluß an Morgan, Schmoller Die Urgeschichte der Familie: Mutterrocht und Gentilverfassung. Jahrbuch für Gesetzgebung XXIII S. 1ff.Google Scholar
  37. 3).
    Darüber, daß den Ariern das Mutterrecht völlig unbekannt war, vgl. Schröder Deutsche Rechtsgeschichte, 5. Aufl. 1907 S. 65, und die daselbst Note 25 zitierte Literatur.Google Scholar
  38. 1).
    Die Lehre von der vollziehenden Gewalt 2. Aufl. III, Das System des Vereinswesens und des Vereinsrechtes.Google Scholar
  39. 1).
    Vgl. aus der neuesten Literatur Fr. v. Wieser Über die gesellschaftlichen Gewalten. Rektoratsrede, Prag 1901; derselbe Recht und Macht 1910; ferner Schmoll er Grundriß II 1904 S. 496ff.Google Scholar
  40. 1).
    K.Marx Zur Kritik der politischen Ökonomie 1859 S. VI, vgl. Das Kapital 2. Aufl. I 1872 S. 6 f.Google Scholar
  41. 2).
    Späterhin hat Engels die von Marx anfangs schroffer als später ausgesprochene Lehre immer mehr eingeschränkt, so daß schließlich von dem ganzen historischen Materialismus nichts mehr übrig bleibt als die unbestreitbare Tatsache, daß ökonomische Faktoren den Gang der Geschichte mitbestimmen. Vgl. die Zitate und Ausführungen bei Ed. Bernstein Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie 1899 S. 6 ff.; ferner Masaryk Marxismus 1899 S. 92ff.Google Scholar
  42. 1).
    „Renoncer à sa liberté, c’est renoncer à sa qualité d’homme.“ Du contrat social 14.Google Scholar
  43. 2).
    Vgl. A.Wagner a. a. O. I+ Buch VI. Der Staat volkswirtschaftlich betrachtet, und die daselbst S. 870ff. angegebene Literatur; ferner v. Philippovich Grundriß der politischen Ökonomie I, 9. Aufl. 1911 S. 99; L.Felix Entwicklungsgesch. d. Eigent. IV I 1896, IV II1 1899; Wygodzinski Staat und Wirtschaft, Handbuch d. Politik I 1912 S. 107ff.Google Scholar
  44. 1).
    Sehr beachtenswert für das Verständnis der Probleme der Gegenwart E. Troeltsch Politische Ethik und Christentum 1904.Google Scholar
  45. 1).
    An dieser Stelle muß ich mich mit den kurzen Andeutungen im Text über eine sozialwissenschaftliche Behandlung der Parteienlehre begnügen. Die bisherigen umfassenderen Bearbeitungen des Gegenstandes von Rohmer Die vier Parteien 1844, Wachsmuth Geschichte der politischen Parteiungen alter und neuer Zeit, 3 Bände 1853–56, Bluntschli Politik 1875, Stahl Die gegenwärtigen Parteien in Staat und Kirche 1863, C. Frantz Kritik aller Parteien 1864, v. Treitsenke Histpolit. Aufsätze, Parteien u. Fraktionen III 4. Aufl. 1871 S. 427 ff., werden sämtlich dem sozialen Wesen der Parteien nicht oder doch nicht völlig gerecht, da sie hauptsächlich andere Seiten des Parteiwesens erörtern. Eine Fülle feiner, aber auch überwiegend historisch-politischer Betrachtungen bei Merkel Fragmente zur Sozialwissenschaft 1899 S. 82–346. Im Anschluß an den Letztgenannten eingehende Erörterungen über die Parteien als gesellschaftliche Mächte der Staatsbildung bei R.Schmidt I S. 238 ff.; die soziale Seite des Parteilebens auch hervorgehoben von Paulsen Parteipolitik und Moral 1900 S. 14ff. und F.Enriques La théorie de l’Etat usw. (Rivista di Scienza VI) 1909. Eine wenig ergiebige Betrachtung über die Parteien im Lichte der Deszendenztheorie stellt Lütgenau an: Darwin und der Staat 1905 S. 149 ff. Das gesamte moderne europäische Parteiwesen behandelt vom historischen Standpunkt aus mit einer bisher an Umfang nicht erreichten Stoffülle Seignobos, Histoire politique de l’Europe contemporaine. Évolution des partis et des formes politiques 1814–1896, 2ème ed., Paris 1899 (5ème éd. 1908). Von den Parteien der Gegenwart handeln ferner in umfassender Weise Lawrence Lowell Government and Parties in Continental Europe, 2 vol., Boston and New York 1896; derselbe Die englische Verfassung 1913 I S. 425 ff., II S. 1 ff.; Hatschek Englisches Staatsrecht II 1906 S. 2 ff.; Ostrogorski La démocratie et l’organisation des partis politiques, 2 vol., Paris 1903; La démocratie et les partis politiques (1 vol.) nouv. éd. 1912; Democracy and the party system in the United States 1910; Triepel Unitarismus und. Föderalismus 1907 S. 88ff.; Stillich Die politischen Parteien in Deutschland, I Die Konservativen 1908, II Der Liberalismus 1911; R. H. Fuller Government by the people 1908 p. 186 ff., 224 ff.; E. C. Meyer Wahlamt und Vorwahl in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 1908 S. 53 ff.; Hasbach Die moderne Demokratie 1912 S. 471 ff.; Rehm Deutschlands politische Parteien 1912 (mit weiteren Nachweisen S. 94 f.); Fr. Meinecke Weltbürgertum und Nationalstaat 2. Aufl. 1911 S. 325 ff.; H. Oncken Lassalle 2. Aufl. 1912 S. 225ff.; K. Lamprecht Deutsche Geschichte der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart II 1913 S. 43ff.; v. Below u. andere im Handbuch d. Politik I 1912 S. 374ff., II 1912/13 S. 1ff. Verschiedene Aufsätze und Besprechungen in der Zeitschrift für Politik; endlich Beiträge zur Partei-geschiente, herausgegeben von Adalbert Wahl, seit 1910.Google Scholar
  46. 1).
    Das Parteileben, wie alles Leben, zeigt allerdings so viele wunderliche, unberechenbare Elemente, daß vieles an ihm wissenschaftlicher Behandlung vom höheren Standpunkt aus überhaupt spottet.Google Scholar
  47. 1).
    Sombart Warum gibt es in den Vereinigten Staaten keinen Sozialismus? 1906 S. 63ff.Google Scholar
  48. 1).
    Die gründlichste und umfassendste Erörterung des Wesens der Nation bei Fr. J. Neumann Volk und Nation 1888, wo auch die ganze frühere Literatur angegeben und benutzt ist. Aus neuester Zeit vgl. Lindner Geschichlsphilosophie S. 71 ff.; Slavitschek Beiträge zur öffentlichrechtlichen Begriffskonstruktion 1910 S. 15 ff.; Fr. Meinecke Weltbürgertum und Nationalstaat 2. Aufl. 1911. Sehr feine und treffende Bemerkungen bei Ed. Meyer, Über die Anfänge des Staats und sein Verhältnis zu den Geschlechts verband en und zum Volkstum, in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie 1907 S. 533 ff.; Geschichte des Altertums I1 3. Aufl. 1910 S. 77 ff. — Anders geartet als der soziale und politische Begriff der Nation oder Nationalität (ganz scharf wird sich der Unterschied beider Bezeichnungen nie fixieren lassen) ist der in Nationalitätenstaaten bedeutsame rechtliche Begriff, wo er, mit Sprachgemeinschaft identisch, eine darauf gebaute Eigenschaft des Individuums, der Verbände, öffentlicher Anstalten und Behörden bezeichnet. Vgl. neuestens darüber v. Herrnritt Nationalität und Recht, dargestelll nach der österreichischer! und ausländischen Gesetzgebung 1899 S. 16 ff.; Lukas Terri-torialitäts- und Personalitätsbegriff im österreichischen Nationalitätenrecht (Jahrb. d. ö. R. II 1.90S S. 333 ff.); Wyszewianski Über die formalrechtliche Behandlung der Nationalitäten in der modernen Gesetzgebung (Heidelb. Diss.) 1909; Bernatzik Über nationale Matriken (Inauguration des Rektors der Wiener Universität f. d. Studienjahr 1910/11) 1910 S. 57ff.: derselbe Die Ausgestaltung des Nationalgefühls im 19. Jahrhundert („Rechtsstaat u. Kulturstaat’4 Heft 6) 1912 S. 20ff.; Tezner Die Volksvertretung 1912 S. 311 ff. Vgl. auch die politische Studie von W. Schucking Das Nationalitätenproblem 1908.Google Scholar
  49. 1).
    Den geographischen Raum als Grundlage der Entstehung der Nationen hebt hervor A. Kirchhoff, Was ist national? 1902 S. 14ff. Vgl. auch R.Schmidt I S. 132ff.Google Scholar
  50. 2).
    E.Renan Quest ce qu’une nation 1882: „Une nation est une âme, un principe spirituel,“ p. 26. „L’homme n’est esclave ni de sa race, ni de sa langue, ni de sa religion, ni du cours dee fleuves, ni de la direction des chaînes de montagnes. Une grande agrégation d’hommes, saine d’esprit et chaude de cœur, crée une conscience morale qui s’appelle une nation,“ p. 29. Nation im eigentlichen Sinne ist: „eine größere Bevölkerung, die infolge hoher, eigenartiger Kulturleistungen ein eigenartiges gemeinsames Wesen gewonnen hat, das sich auf weiten Gebieten von Generation zu Generation überträgt“. Neumann S. 132.Google Scholar
  51. 1).
    De l’esprit des lois 1. XIX.Google Scholar
  52. 1).
    Von dem Einfluß des Staates auk die Sprache ist merkwürdigerweise sowohl in der Staats- als in der sprachwissenschaftlichen Literatur kaum die Rede. Bei Arnold Kultur- und Rechtsleben 1865 S. 67 finden sich einige recht allgemein gehaltene Andeutungen; von systematischer Untersuchung dieses interessanten Problems ist mir nichts bekannt. Neuestens einige Bemerkungen bei Lindner Geschichtsphilosophie S. 151 f. und Bernatzik in der Kultur der Gegenwart, Syst. Rechtswissenschaft 1906 S. 399 f.Google Scholar
  53. 1).
    Rep. VIII 544 ff.Google Scholar
  54. 1).
    Vgl. Hegel a. a. O. S. 423 ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1921

Authors and Affiliations

  • Georg Jellinek
    • 1
  1. 1.Universität HeidelbergDeutschland

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