Stimmen über Kunstgewerbe auf der Ausstellung in Wien 1873
Zusammenfassung
Seitdem frühere Weltausstellungen gezeigt hatten, wie eine Reihe Völker trotz ihrer Fortschritte in der Technik auf künstlerischen Gebieten zurückgeblieben waren, erhob sich ein mehr oder weniger intensives Streben bei denselben nach einer Wiederbelebung der Kunst und der Kunstgewerbe. Die Aufrichtigkeit, mit der England, Deutschland, Oesterreich und Russland anerkannten, dass sie bei allem ihrem fleissigen Streben, das Schöne vernachlässigt hätten, — ist ausserordentlich lobenswerth. Aber mit der Anerkennung allein war diesem Fehler nicht abzuhelfen, sondern eine thatsächliche Abhülfe, ein Nachholen des Versäumten war nothwendig. England hat schnell hierin Schritte vorwärts gethan und hat heute bereits viel erreicht. Sein Kensington Museum wirkte, mit bedeutenden Mitteln ausgerüstet, Bedeutendes. In Russland stellte sich Graf Strogonow an die Spitze der KnnstindustriellenBewegung und characteristisch genug griff er zurück auf die zahlreich vorhandenen Ueberbleibsel altrussischer Kunstgewerbe, die bis zum Ueberhandnehmen des französischen Geschmackes unter Katharina. II. höchst eigenartig geblüht hatten. Er regenerirte den sogen. russischen Stil, unterstützt von trefflich begabten Männern. In Oesterreich entstanden kunstgewerbliche Bestrebungen sehr ernster Art und entwickelten bald eine künstlerische Aera der Gewerblichkeit. Auch Deutschland versuchte, wenn auch höchst bedächtig, die neue Bahn zu betreten, — aber wie es den aufgeweckten Schläfern geht, sie können sich erst langsam besinnen, wozu sie aufgeweckt worden sind.
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