Lobelin und Lobeliaalkaloide pp 48-52 | Cite as
Lobelia inflata und andere Lobeliaarten. Galenische Zubereitungen. Gesamtalkaloide
Zusammenfassung
Die Lobelia inflata und wahrscheinlich andere ähnliche Lobeliaarten sollen seit sehr langer Zeit von den Indianern Nordamerikas als Brechmittel verwandt worden sein (A. Dieckvoss 1937). Die Pflanze wird seit ihrer therapeutischen Verwendung auch noch als “Indian tobacco” bezeichnet — nach R. Joyeux (1938) wegen ihres brennenden, tabakähnlichen Geschmacks; Angaben über ihre Verwendung als Genußmittel werden nirgends gemacht: auf Grund der pharmakologischen Eigenschaften ist nicht anzunehmen, daß sich die Lobeliaarten zur Verwendung als tabakähnliche Genußmittel eignen. Die Bezeichnung Lobelia wurde der Familie von Plumier zu Ehren des Mathieu de L’Obel — eines flämischen Botanikers, der den wissenschaftlichen Namen Lobelius trug, 1538 in Lille geboren war und Leibarzt Jakobs I. von England sowie Wilhelms von Oranien gewesen war — gegeben und von Linné 1746 übernommen. Der erste Bericht über ihre therapeutische Verwendung stammt von dem asthmatischen Geistlichen M. Cutler (1785), der von der antiasthmatischen Wirkung der oral eingenommenen Droge bei sich selbst begeistert war und außerdem über die Anwendung des Mittels als Brechmittel berichtete. Während aber die Stimme des Geistlichen ungehört verhallte, fand der Wunderheiler Samuel Thomson bei einem großen Publikum Gehör: er veröffentlichte im Jahr 1807 unter dem Titel “A New Guide to Health” die Bibel einer Wunderheilersekte — der Anhänger des “Thomsonian System of Medicine” —, in der das Lobelin als Mittel gegen Asthma, aber auch eine ganze Reihe anderer Krankheiten eine hervorragende Stellung einnimmt. Da die Dosierung liberal gehandhabt wurde, kam es auch zu Todesfällen, derentwegen Thomson selbst 1809 einmal vor Gericht gestellt, aber freigesprochen wurde.
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