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Die deutsche und die polnische Bevölkerung Oberschlesiens zwischen den Volkszählungen vom 1. Dezember 1890 und 1. Dezember 1910

  • Paul Weber

Zusammenfassung

Absolut genommen haben sich hiernach Deutsche und Polen stetig vermehrt, die Deutschen auch im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung.

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Literatur

  1. 1).
    Es sei wiederholt, daß unter „Vermehrungskraft“ hier der Geburtenüberschuß vermehrt oder vermindert um die Zu- oder Abwanderungen zu verstehen ist, nicht etwa die Fruchtbarkeit oder lediglich der Überschuß der Geburten über die Todesfälle. Was diesen anbetrifft, sind die Polen den Deutschen überlegen. So betrug 1900 die Sterbeziffer der Deutschen 26 vom Tausend, die der Polen nur 25. Die eheliche Fruchtbarkeit betrug im Jahre 1900 bei den Deutschen 250, bei den Polen dagegen 345 vom Tausend; die uneheliche Fruchtbarkeit bei den Deutschen 35 und bei den Polen 18. Durchschnittlich wurde demnach von je 10 gebärfähigen verheirateten Polinnen ein Kind mehr geboren als von den Frauen deutscher Abstammung. Im Gegensatz hierzu war die Zahl der unehelich geborenen Kinder nur etwa halb so groß. Vgl. Broesicke: „Rückblick auf die Entwicklung der preußischen Bevölkerung von 1875–1900“. Preußische Statistik, Heft 188. Berlin 1904.Google Scholar
  2. 1).
    Vergl. hierzu auch die FußnoteGoogle Scholar
  3. 1).
    auf Seite 43.Google Scholar
  4. 1).
    An erster Stelle steht mit 71 106 Einwohnern die Landgemeinde Borbeck im rhein.-westfäl. Industriegebiet.Google Scholar
  5. 1).
    Vgl. die Fußnote auf Seite 30.Google Scholar
  6. 1).
    Aus dem Verhältnis der Geburtenüberschüsse zu den Anteilen der polnischen Bevölkerung in den kleineren Verwaltungsbezirken.Google Scholar
  7. 2).
    Als Geburts- und Sterbeziffern der deutschen Bevölkerung in den östlichen Provinzen erhielt Broesicke 37, bzw. 26 vom Tausend. Vgl. oben S. 31.Google Scholar
  8. 3).
    Für 1910 beträgt der Geburtenüberschuß für die Gesamtbevölkerung des Reg.-Bezirks Oppeln 2,0 %. Mit 2,2 dürfte der Geburtenüberschuß des polnischen Anteils der Bevölkerung mit Rücksicht auf die erheblich größere Fruchtbarkeit der Polen eher zu niedrig als zu hoch gegriffen sein.Google Scholar
  9. 1).
    Es fehlten die Anteilsziffern der Deutschen und der Polen für die kleinen Gemeinden, so daß eine Aufrechnung aller Gemeinden in den einzelnen Kreisen nicht stattfinden konnte.Google Scholar
  10. 1).
    Wie ist die auffallend große Zahl der Zweisprachigen im Jahre 1905 zu erklären? Aus den Tabellen III und VII seien für den Kreis Lublinitz die Zahlen der Deutschen, der Polen und der Deutsch- und Polnischsprechenden nach den Zählungen von 1890, 1900, 1905 und 1910 zusammengestellt: Man sieht, die angegebene Zahl der Zweisprachigen im Jahre 1905 ist so bedeutend, daß es sich schwerlich um eine tatsächliche Zunahme zwischen den Zählungen von 1900 und 1905 handeln wird, sondern daß man wohl mit Sicherheit auf einen Fehler schließen darf. Ein solcher ist aber, wie mir von behördlicher Seite versichert wurde, bei der Auszählung, der Ausbeutung des durch die eigentliche Zählung gewonnenen Urmaterials nicht vorgekommen. Da auch ein Druckfehler in den Veröffentlichungen des Landesamtes nicht vorliegt (vgl. „Gemeindelexikon für das Königreich Preußen“, Heft VI, Prov. Schlesien, Berlin 1908, Seite 405, Zeile 17 von unten, und „Zeitschrift des Kgl.Preuß. Statist. Landesamts“, Jahrg. 1909, Seite 28, Zeile 43 von unten; an beiden Orten ist für 1905 die Zahl der Doppelsprachigen im Kreise Lublinitz mit „10 715“ angegeben), so muß der Fehler auf unrichtige Eintragungen in die Zählkarten zurückzuführen sein. Nach einer auf Grund meiner bezügl. Anfrage erfolgten Mitteilung des Landesamts haben die auch an Ort und Stelle vorgenommenen Nachforschungen keine völlige Aufklärung ergeben. Doch nimmt man von behördlicher Seite als sicher an, „daß bei den schroffen politischen Gegensätzen in der Ostmark hinsichtlich der Sprachenangaben mit gewissen Schwankungen zu rechnen ist“. — Schon Rich. Böckh machte in seiner Abhandlung „Die Verschiebung der Sprachverhältnisse in Posen und Westpreußen“ (vgl. „Preußische Jahrbücher“, Band 77, Berlin 1894, Seite 425) darauf aufmerksam, daß bei den Eintragungen in die Zählkarten eine Färbung nach herrschender Tendenz möglich sei, wie durch die in benachbarten Ländern (Österreich-Ungarn) gemachten Erfahrungen deutlich bewiesen werde. Böckh vergleicht hier die Aufnahme bei der Zählung von 1861 mit der von 1890. Bei jener erfolgte die Eintragung des Sprachverhältnisses durch den Zähler bzw. durch die Ortsbehörde, bei dieser erfolgte sie durch den Einwohner selbst. Bei beiden Arten, meint Böckh, sei eine „Färbung“ möglich, und er fährt dann wörtlich fort: „Aber wenn solche in den Händen der Ortsbehörden vielleicht einen noch weiteren Spielraum hatte, so war doch damals (1861) der Streit der Nationen oder vielmehr die polnische Agitation noch nicht zu solcher Höhe gediehen, wie dies heute (1890) der Fall ist.“ Böckh glaubt also besonders dann an die Möglichkeit einer Färbung, wenn in Zeiten politischer Kämpfe die Eintragungen durch die Ortsbehörden erfolgen. Nun war 1890 in dem Agrarkreise Lublinitz (noch 1907 betrug hier die Zahl der in der Land- und Forstwirtschaft im Hauptberuf Beschäftigten mit ihren Angehörigen 66,7 % der Gesamtbevölkerung) noch wenig von einer nationalpolnischen Agitation zu merken, und auch 1900 steckte sie noch in den Kinderschuhen. Seitdem aber wurde in ganz Oberschlesien mit wachsender Leidenschaft und Energie von den Polen agitiert, und sie versuchten auch die Volkszählungen von 1905 und 1910 zu ihren Gunsten zu beeinflussen, indem z. B. das Volk durch die nationale Polenpresse usw. aufgefordert wurde, in den Zählkarten nur Polnisch als Muttersprache anzugeben. Die Eintragungen in die Zählkarten geschehen jetzt im allgemeinen zwar durch die Einwohner selbst, aber in ländlichen Gegenden, wo es sich wie noch in vielen Gemeinden Oberschlesiens um stumpfe Volksmassen handelt, mit Unterstützung von Gendarmen und namentlich von Lehrern. In dem Bestreben, der polnischen Agitation zu begegnen, mag hierbei, wie auch das Landesamt annimmt, „wohl gelegentlich von den untergeordneten Organen über das Ziel hinausgeschossen worden sein“. Bei den Lehrern dürfte, ganz abgesehen von politischen Interessen, vielleicht noch mit einem subjektiven Moment zu rechnen sein, durch welches sie, bewußt oder unbewußt, beeinflußt wurden, in vielen Fällen — als Ergebnis ihrer Berufstätigkeit — wenigstens die Kinder als polnisch- und deutsch sprechend zu bezeichnen. Aus der obigen Zahlenzusammenstellung ist klar ersichtlich, daß der Fehler auf Kosten der Polen entstanden ist, und es kann deshalb wohl angenommen werden, daß ein Übereifer der Zähler den Anlaß dazu gegeben hat. Auf jeden Fall ist aus dem Gesagten zu schließen, daß den Eintragungen in die Zählkarten eine absolute Zuverlässigkeit nicht immer beizumessen ist.Google Scholar
  11. 1).
    Vgl. Tabelle V und oben Seite 35 u. f.Google Scholar
  12. 2).
    Ist es, wie wohl mit Sicherheit angenommen werden muß, zutreffend, daß in den Veröffentlichungen des Kgl. Preuß. Statist. Landesamts für das Jahr 1905 die Zahl der Zweisprachigen im Kreise Lublinitz auf Kosten der Polen ganz erheblich zu groß angegeben ist (vgl. die Fußnote zu der’ Seite 43 [Seite 43 und 44]), war also im Jahre 1905 die Zahl der Polen in dem Kreise Lublinitz erheblich — vielleicht um 6–8000 Köpfe oder darüber? — größer als 30 373, dann würde daraus folgen, daß dieser Kreis einen ganz erheblich schwächeren Wandergewinn, möglicherweise sogar einen Wanderverlust seiner Polenbevölkerung zwischen den Zählungen von 1905 und 1910 hatte.Google Scholar
  13. 1).
    Zum Industriebezirk sind hierbei gerechnet die Kreise Tarnowitz, Beuthen Stadt und Land, Königshütte Stadt, Kattowitz Stadt und Land, Zabrze, Gleiwitz Stadt, vom Landkreis Tost-Gleiwitz die Landgemeinden: Alt-Gleiwitz, Laband, Niepaschütz, Ostroppa, Richtersdorf und Zernik und vom Kreise Pleß die Landgemeinden Kostow, Krassow, Wessola und der Gutsbezirk Emanuelssegen.Google Scholar
  14. 1).
    In den oben genannten Kreisen des Industriebezirks beträgt der Wanderverlust nach Tabelle X: 68 013 Köpfe. Unter Hinzurechnung der in der Fußnote auf Seite 50 näher bezeichneten kleinen Gebietsteile der Kreise Tost-Gleiwitz und Pleß und unter der Annahme, daß deren Polenbevölkerung in gleichem Verhältnis verloren hat, würde der Wanderverlust des gesamten Industriegebietes: 70 367 Polen betragen, oder 14,37 % der Polenbevölkerung von 1905.Google Scholar
  15. 2).
    Der Flächeninhalt des ganzen Regierungsbezirkes beträgt 13 230 qkm.Google Scholar
  16. 1).
    Vgl. C. Gaebler „Das oberschlesische Steinkohlenbecken“, Kattowitz 1909, Seite 235.Google Scholar
  17. 2).
    Im Saargebiet 1909: M. 12,15 und 1910: M. 11,95; im rheinisch-westfälischen Steinkohlenbezirk 1909: M. 10,50 und 1910: M. 10,24; in Oberschlesien 1909: M. 8,97 und 1910: M. 8,71.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1913

Authors and Affiliations

  • Paul Weber
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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