Zurechnung des Schadens, Kausalität

  • Hans-Bernd Schäfer
  • Claus Ott
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

X hatte infolge eines vom Bekl. schuldhaft verursachten Unfalls im Jahre 1937 ein Bein verloren und mußte deshalb eine Krücke benutzen. Gegen Kriegsende geriet er unter Artilleriebeschuß. Wegen seiner Behinderung konnte er sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen und wurde tödlich verletzt. Die Hinterbliebenen verlangen Schadensersatz vom Bekl1.

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Literatur

  1. 1.
    BGH NJW 1952, 1010.Google Scholar
  2. 2.
    BGH JZ 1969, 703.Google Scholar
  3. 3.
    Palsgraf v. Long Island Railway Co. 248 N.Y. 399, 162 N.E. 99 (1928). Das Votum der Mehrheit stammt von Chief Justice Cardozo. Zu den verschiedenen Aspekten des Falles Cooter, R./Ulen, T., Law and Economics 1988, S. 334.Google Scholar
  4. 4.
    Beispiel nach Posner, R., Economic Analysis of Law, S. 184.Google Scholar
  5. 5.
    Lange, H., Schadensersatz, (2. Aufl. 1990), S. 81: die Bedeutung der Bedingungstheorie liegt in der Ermittlung einer Untergrenze. S. auch Posner, R., Economic Analysis of Law, (4. Aufl. 1992), S. 190: Causation defines the pool of potential defendants. Dies ist allerdings irreführend insofern, als die Rolle als “defendant” (Beklagter) nicht davon abhängig ist, ob die materiellrechtlichen Haftungsvoraussetzungen gegeben sind.Google Scholar
  6. 6.
    BGHZ 58, 162; anders: OLG Bremen VersR 1970, 424 (Vorinstanz).Google Scholar
  7. 7.
    BGHZ 57, 25; BGH JZ 1967, 639 m. Anm. Deutsch; BGHZ 63,189 = JZ 1975, 374 m. abl. Anm. Deutsch; BGH, NJW 1990, 2885; OLG Saarbrücken NJW RR 1992, 472. Siehe auch BGHZ 101, 215: eine Mutter spendet eine Niere für ihr Kind, dessen einzige Niere durch einen ärztlichen Kunstfehler entfernt worden ist.Google Scholar
  8. 8.
    BGH NJW 1971, 1982. Dag. jedoch Kötz, Deliktsrecht, Rn. 162.Google Scholar
  9. 9.
    BGHZ 58,162, 168.Google Scholar
  10. 10.
    BGH NJW 1979, 712.Google Scholar
  11. 11.
    BGH NJW 1990, 2885.Google Scholar
  12. 12.
    Recht auf Selbstbegünstigung“; vgl. Kötz, Deliktsrecht, Rn. 162, der darauf hinweist, daß zu fliehen keineswegs verboten ist.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. BGHZ 58, 162; ein Beispiel hierfür ist die Bergung von Unfallverletzten oder die Wahrung eigener Interessen, s. Kötz Rn. 161; BGH NJW 1972, 1804.Google Scholar
  14. 14.
    BGH NJW 1964, 1363, 1364. Dort ist dies allerdings noch unter dem Aspekt erörtert worden, ob der zweite Unfall eine adäquate Folge des ersten ist.Google Scholar
  15. 15.
    Dazu BGHZ 101, 215, 219 ff. m. weit. Nachw.; BGH NJW 1964, 1363; BGHZ 57, 25, 31.Google Scholar
  16. 16.
    Dazu eingehend Esser/Schmidt, § 3311(S. 216 f.).Google Scholar
  17. 17.
    RGZ 133, 126; 152, 397, 401; 186, 86.Google Scholar
  18. 18.
    RGZ 81,359.Google Scholar
  19. 19.
    S. nur BGHZ 3, 261; 7, 198, 204; 57, 137, 141; BGH NJW 1976, 1143; BGH NJW 1991, 1109.Google Scholar
  20. 20.
    BGHZ 3, 261.Google Scholar
  21. 21.
    BGHZ 3, 261, 267.Google Scholar
  22. 22.
    Lange, H., a.a.O., S. 87, 95 m.w.Nachw.: noch niemand ist für die Erstattung von Schäden eingetreten, wenn die Begünstigungstendenz des in Frage stehenden Ereignisses mit Null anzusetzen war (S. 95).Google Scholar
  23. 23.
    Auf die Nähe zum Verschuldensmaßstab weist zutreffend Grunsky hin, MünchKomm-Grunsky, Rn. 39 vor § 249.Google Scholar
  24. 24.
    So zutreffend Larenz, K, Schuldrecht I, § 27 III (S. 437).Google Scholar
  25. 25.
    MünchKomm-Grunsky, Rn. 42 vor § 249; der es als verfehlt bezeichnet, die notwendigen Korrekturen der Haftungszurechnung nach Kriterien an Wahrscheinlichkeit und Gefahrerhöhung vorzunehmen und stattdessen auf den Schutzzweck der Norm abstellt; ebenso Esser/Schmidt § 33 II, S. 218 ff.; AK-BGB-Riißmann, Rn. 50 vor §§ 249–253; s.w. Lange, H., Schadensersatz, S. 93; ders., JZ 1976,198; Huber JZ 1969,677; Kramer JZ 1976, 338.Google Scholar
  26. 26.
    Kritisch hierzu jedoch Adams, M, Ökonomische Analyse der Gefährdungs-und Verschuldenshaftung (1985), S. 146 ff., 152: Verwendung der Wahrscheinlichkeitshöhe sei ein inhaltsleeres Entscheidungskriterium, wenn nicht der Grad der Detailgenauigkeit angegeben wird.Google Scholar
  27. 27.
    Siehe hierzu Larenz, K., a.a.O., § 27 III 2 (S. 440 f); Kötz, Deliktsrecht, Rn. 156 ff.; Esser/Schmidt § 33 III (S. 223 ff.); MünchKomm-Grunsky, Rn. 44 fi: vor § 249.Google Scholar
  28. 28.
    Hierüber besteht Übereinstimmung, vgl. AK-BGB Rüßmann, Rn. 57 vor §§ 249–253; MünchKomm-Grunsky, Rn. 45 vor § 249; Larenz, K., a.a.O., § 27 HI 2 (S. 444); Esser/Schmidt, § 27 III 2.Google Scholar
  29. 29.
    Zur Kritik bes. Larenz, K., a.a.O., § 27 lII 2 (S. 444 ff.); Deutsch, Haftungsrecht I, S. 237 ff.Google Scholar
  30. 30.
    MünchKomm-Grunsky, Rn. 46 vor § 249, der die Adäquanztheorie ausdrücklich ablehnt und sich für die Schutzzwecklehre ausspricht, zugleich aber feststellt, im Regelfall würden beide übereinstimmen, s.a. Rn. 49.Google Scholar
  31. 31.
    AK-BGB Rüßmann, Rn. 58 vor §§ 249–253; Larenz, K, a.a.O., § 27 III 2 (S. 444); Lange, H., a.a.O., S. 77.Google Scholar
  32. 32.
    Huber JZ 1969, 677 (681).Google Scholar
  33. 33.
    BGHZ 3, 261 - Leitsatz.Google Scholar
  34. 34.
    BGHZ 27,137.Google Scholar
  35. 35.
    BGHZ 8, 325; 10, 107; 20, 137.Google Scholar
  36. 36.
    Krit. dazu AK-BGB Rüßmann, Rn. 66 vor §§ 249–253: die Strafverfahrenskosten sind gar nicht durch eine Rechtsgutverletzung (Gesundheit und Eigentum) verursacht worden.Google Scholar
  37. 37.
    BGHZ 27, 137, 141.Google Scholar
  38. 38.
    BGH JZ 1969, 702.Google Scholar
  39. 39.
    BGH JZ 1969, 704.Google Scholar
  40. 40.
    Vgl. RGZ 169, 117: der Verletzer habe kein Recht darauf, so gestellt zu werden, als ob er einen völlig gesunden Menschen verletzt habe.Google Scholar
  41. 41.
    BGH NJW 1952, S. 1010.Google Scholar
  42. 42.
    Larenz, K., a.a.O., S. 447 ff.Google Scholar
  43. 43.
    Das gleiche Argument gilt für die Gefährdungshaftung entsprechend. Wenn die Aufnahme einer an sich gefährlichen Aktivität zu einem Schaden führt, der durch diese Aktivität nicht wahrscheinlicher wurde, ist die Kausalität abzulehnen.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. Ehret v. Village of Scarsdale (zit. bei Landes, H./Posner, R., Causation in Tort Law, a.a.O., S. 119). genauso ist der Fall zu beurteilen, bei dem ein Restaurantbesitzer Rattengift neben dem Speisesaal aufbewahrt und dadurch einen Sorgfaltsmaßstab verletzt, der Schaden aber durch die Explosion des Rattengiftes entsteht.Google Scholar
  45. 45.
    BGHZ 27, 137; s. o. S. 222.Google Scholar
  46. 46.
    S. o. S. 222.Google Scholar
  47. 47.
    Vgl. Posner, R., Economic Analysis of Law, S. 184: wäre das Feuer in dem Hotel ausgebrochen, das der Reisende ohne den Unfall aufgesucht hätte, so hätte ihm der Unfall einen Nutzen gebracht, der aber von ihm nicht hätte herausverlangt werden können.Google Scholar
  48. 48.
    So die von der Rechtsprechung entwickelte und verwendete Formulierung, BGHZ 53, 245, 256; BGH NJW (1973), 1925.Google Scholar
  49. 49.
    S. dazu o. S. 162 ff.Google Scholar
  50. 50.
    BGH NJW 1963, 1447; 1969, 790: 1983, 622. Zur Differenzierung nach Verursachung und Verschulden Rother VersR 1983, 793.Google Scholar
  51. 51.
    So bei der Arzthaftung: steht ein grober Behandlungsfehler fest und ist dieser seiner Natur nach geeignet, den Verletzungserfolg herbeizuführen, so haftet der Arzt nach ständiger Rechtsprechung, sofern er nicht beweisen kann, daß die eingetretene Verletzung nicht auf dem Fehler beruht, BGH NJW 1983, 333; 1988, 2949. Bei der Verletzung von Aufklärungspflichten muß der Auskunftsplichtige beweisen, daß der Geschädigte auch bei richtiger Information die schädigende Disposition getroffen haben würde, BGHZ 115, 210, 223; BGH NJW 1994, 512, 513 m. weit. Nachweis. Bei der Produkthaftung ist die Beweislast für das Bestehen eines Kausalzusammenhangs von der Rechtsprechung unter besonderen Umständen ebenfalls umgekehrt worden, siehe BGHZ 104, 323; BGH BB 1993, 248 (Befunderhebungspflichten hinsichtlich spezifischer Produktrisiken-Mehrwegflaschen).Google Scholar
  52. 52.
    Siehe statt aller: MünchKomm-Mertens, § 830, Rn. 21.Google Scholar
  53. 53.
    Esser/Weyers, Schuldrecht, § 60 I 1 c (S. 610).Google Scholar
  54. 54.
    Esser/Weyers, a.a.O.; BGH NJW 1982, 2307; BGHZ 60, 177, 181: 72, 355.Google Scholar
  55. 55.
    Die rechtsvergleichenden Ausführungen verdanken wir einem Gespräch mit Hein Kötz.Google Scholar
  56. 56.
    Honoré, A., Causation and Remoteness of Damage, in: International Encyclopedia of Comparative Law (1974), Ch. 7.Google Scholar
  57. 57.
    Vgl. Cass.com. 19.6. 1951, S. 1952.1.89 = J.C.P. 1952. 11. 6426.Google Scholar
  58. 58.
    Vgl. dazu Oftinger, K., Schweizerisches Haftpflichtrecht, Allgemeiner Teil, (4.Aufl. 1975), mit Nachweisen aus der Rechtsprechung.Google Scholar
  59. 59.
    K.B. 786, 1911 und Keynes, J, Treatise an Probability (1957), S.24. Keynes sprach sich unter Bezugnahme auf diesen Fall für die Anwendung der Wahrscheinlichkeitskausalität aus.Google Scholar
  60. 60.
    Wenn innerhalb einer Schadenskategorie nur einige Fälle unsicherer Kausalität auftreten und der Schädiger nicht weiß, um welche Fälle es sich handelt, kann diese Anreizlücke verschwinden. Es kann dann immer noch kostengünstiger sein, gerade die effiziente Sorgfalt aufzuwenden und sich dadurch von jeglicher Haftung zu entlasten. Dies gilt, wie A. Endres nachgewiesen hat nur für die Verschuldens-nicht für die Gefährdungshaftung. Vgl. A. Endres, (1991). Ökonomische Grundlagen des Haftungsrechts. S. 59.Google Scholar
  61. 61.
    Shavell, S., Uncertainty over Causation and the Determination of Civil Liability, in: Journal of Law and Economics, Bd. 18 (1985), S. 587 ff. Shavell, S., The Judgement Proof Problem, in: International Review of Law and Economics, Bd. 6 (1986), S.45 ff.Google Scholar
  62. 62.
    Shavell, S., Uncertainty over Causation and the Determination of Civil Liability, S. 589.Google Scholar
  63. 63.
    Außerdem ist auch dem deutschen Recht die Feststellung von Kausalitätsanteilen, welche die Höhe des Schadensersatzes bestimmen, nicht fremd. Dies gilt insbesondere bei Mitwirken des Geschädigten sowie im Rahmen der Gefährdungshaftung bei mitwirkender Betriebsgefahr.Google Scholar
  64. 64.
    Vgl. BGH NJW 1980, 2348; BGHZ 30, 203; BGH NJW 1964, 2011.Google Scholar
  65. 65.
    Fall der kumulativen Kausalität: das Verhalten mehrerer hat den Schaden herbeigeführt; das Verhalten keines der Beteiligten könnte hinweggedacht werden, ohne daß der Erfolg entfiele; vgl. hierzu und zur teilweise uneinheitlichen Terminologie Lange, H., a.a.O., S. 158.Google Scholar
  66. OLG München VersR 1984, 342: bei Dachdeckerarbeiten kam es zu einem Unfall, weil eine Firma den Aufzug nicht ordnungsgemäß aufgestellt und eine andere ein Bremsgestänge nicht richtig eingestellt hatte.Google Scholar
  67. 66.
    RG JW 1911 Nr. 1551; BGH VersR 1962, 430; OLG Oldenburg VersR 1980, 339. Das Common law kommt zum gleichen Ergebnis; siehe Summers v. Tice, 33 Cal. 2d 80, 199 P. 2d 1 (1948): both defendants were jointly and severally liable for the whole of the damage.…both were wrongdoers, both were negligent towards the plaintiff, and it would be unfair to require plaintiff to isolate the defendant responsible. Das Ergebnis wurde erzielt durch eine Kausalitätsvermutung zulasten der Beteiligten und einer Umkehr der Beweislast. Für eine Umkehr der Beweislast gibt es jedoch keinen stichhaltigen Grund, da die Beklagten in der gleichen Beweisnot sind wie der Kläger. Vgl. dazu auch die kritischen Ausführungen von Mosk, J., in: Sindell v. Abbott Laboratories 26 Cal. 3d 588, 607 P. 2d (1980).Google Scholar
  68. 67.
    Sindell v. Abbott Laboratories 26 Cal. 3d 588, 607 P. 2d 924 (1980). Dies ist der leading case der Marktanteilshaftung. Nach deutschem Recht ließe sich dieser Fall unter Heranziehung des § 830 I 2 BGB lösen, da feststeht, daß die Klägerin gegen einen der DES-Hersteller einen Schadensersatzanspruch hat, aber nicht geklärt werden kann, wessen Produkte die Mutter eingenommen hat. Vgl. Hymowitz v. Eli Lilly$1518 N.Y$12d 966, 539 N.E. 2d 1069, 526 N.Y.S. 2d 922 (1989).Google Scholar
  69. 68.
    Umstritten ist, ob darüber hinaus auch ein “enger Zusammenhang” zwischen den verschiedenen Verhaltensweisen oder eine durch sie bewirkte “Gleichartigkeit der Gefährdung” als zusätzliches Kriterium erfüllt sein muß; vgl. Palandt-Thomas, § 830, Rn. 9; in Wirklichkeit handelt es sich dabei nur um eine - entbehrliche - Notbremse, um etwaige “uferlose Ausweitungen” verhindern zu können; siehe Esser/Weyers, § 60 I 1 b (S. 608).Google Scholar
  70. 69.
    Palandt-Thomas, § 830, Rn. B.Google Scholar
  71. 70.
    Palandt-Thomas, § 830, Rn. B.Google Scholar
  72. 71.
    Nichtlineare Beziehungen zwischen Schäden auf der einen und Sorgfalts-bzw. Aktivitätsniveau auf der anderen Seite werden hierbei nicht diskutiert. Sie treten insbesondere im Hinblick auf Umweltschäden auf. Für eine Diskussion dieser komplizierten Schadensfunktion und ihre Implikation für die Effizienz von Haftungsregeln sei verwiesen auf Shavell, S., Economic Analysis of Accident Law (1987), S. 164 ff.Google Scholar
  73. 72.
    Siehe dazu Smith v. Rapid Transit Inc., 317 Mass. 469, 58 N.E. 2d 754 (1945).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1995

Authors and Affiliations

  • Hans-Bernd Schäfer
    • 1
  • Claus Ott
    • 1
  1. 1.Fachbereich Rechtswissenschaft IIUniversität HamburgHamburgDeutschland

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