Lehrbuch der ökonomischen Analyse des Zivilrechts pp 215-236 | Cite as
Zurechnung des Schadens, Kausalität
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Zusammenfassung
X hatte infolge eines vom Bekl. schuldhaft verursachten Unfalls im Jahre 1937 ein Bein verloren und mußte deshalb eine Krücke benutzen. Gegen Kriegsende geriet er unter Artilleriebeschuß. Wegen seiner Behinderung konnte er sich nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit bringen und wurde tödlich verletzt. Die Hinterbliebenen verlangen Schadensersatz vom Bekl1.
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Literatur
- 1.BGH NJW 1952, 1010.Google Scholar
- 2.BGH JZ 1969, 703.Google Scholar
- 3.Palsgraf v. Long Island Railway Co. 248 N.Y. 399, 162 N.E. 99 (1928). Das Votum der Mehrheit stammt von Chief Justice Cardozo. Zu den verschiedenen Aspekten des Falles Cooter, R./Ulen, T., Law and Economics 1988, S. 334.Google Scholar
- 4.Beispiel nach Posner, R., Economic Analysis of Law, S. 184.Google Scholar
- 5.Lange, H., Schadensersatz, (2. Aufl. 1990), S. 81: die Bedeutung der Bedingungstheorie liegt in der Ermittlung einer Untergrenze. S. auch Posner, R., Economic Analysis of Law, (4. Aufl. 1992), S. 190: Causation defines the pool of potential defendants. Dies ist allerdings irreführend insofern, als die Rolle als “defendant” (Beklagter) nicht davon abhängig ist, ob die materiellrechtlichen Haftungsvoraussetzungen gegeben sind.Google Scholar
- 6.BGHZ 58, 162; anders: OLG Bremen VersR 1970, 424 (Vorinstanz).Google Scholar
- 7.BGHZ 57, 25; BGH JZ 1967, 639 m. Anm. Deutsch; BGHZ 63,189 = JZ 1975, 374 m. abl. Anm. Deutsch; BGH, NJW 1990, 2885; OLG Saarbrücken NJW RR 1992, 472. Siehe auch BGHZ 101, 215: eine Mutter spendet eine Niere für ihr Kind, dessen einzige Niere durch einen ärztlichen Kunstfehler entfernt worden ist.Google Scholar
- 8.BGH NJW 1971, 1982. Dag. jedoch Kötz, Deliktsrecht, Rn. 162.Google Scholar
- 9.BGHZ 58,162, 168.Google Scholar
- 10.BGH NJW 1979, 712.Google Scholar
- 11.BGH NJW 1990, 2885.Google Scholar
- 12.Recht auf Selbstbegünstigung“; vgl. Kötz, Deliktsrecht, Rn. 162, der darauf hinweist, daß zu fliehen keineswegs verboten ist.Google Scholar
- 13.Vgl. BGHZ 58, 162; ein Beispiel hierfür ist die Bergung von Unfallverletzten oder die Wahrung eigener Interessen, s. Kötz Rn. 161; BGH NJW 1972, 1804.Google Scholar
- 14.BGH NJW 1964, 1363, 1364. Dort ist dies allerdings noch unter dem Aspekt erörtert worden, ob der zweite Unfall eine adäquate Folge des ersten ist.Google Scholar
- 15.Dazu BGHZ 101, 215, 219 ff. m. weit. Nachw.; BGH NJW 1964, 1363; BGHZ 57, 25, 31.Google Scholar
- 16.Dazu eingehend Esser/Schmidt, § 3311(S. 216 f.).Google Scholar
- 17.RGZ 133, 126; 152, 397, 401; 186, 86.Google Scholar
- 18.RGZ 81,359.Google Scholar
- 19.S. nur BGHZ 3, 261; 7, 198, 204; 57, 137, 141; BGH NJW 1976, 1143; BGH NJW 1991, 1109.Google Scholar
- 20.BGHZ 3, 261.Google Scholar
- 21.BGHZ 3, 261, 267.Google Scholar
- 22.Lange, H., a.a.O., S. 87, 95 m.w.Nachw.: noch niemand ist für die Erstattung von Schäden eingetreten, wenn die Begünstigungstendenz des in Frage stehenden Ereignisses mit Null anzusetzen war (S. 95).Google Scholar
- 23.Auf die Nähe zum Verschuldensmaßstab weist zutreffend Grunsky hin, MünchKomm-Grunsky, Rn. 39 vor § 249.Google Scholar
- 24.So zutreffend Larenz, K, Schuldrecht I, § 27 III (S. 437).Google Scholar
- 25.MünchKomm-Grunsky, Rn. 42 vor § 249; der es als verfehlt bezeichnet, die notwendigen Korrekturen der Haftungszurechnung nach Kriterien an Wahrscheinlichkeit und Gefahrerhöhung vorzunehmen und stattdessen auf den Schutzzweck der Norm abstellt; ebenso Esser/Schmidt § 33 II, S. 218 ff.; AK-BGB-Riißmann, Rn. 50 vor §§ 249–253; s.w. Lange, H., Schadensersatz, S. 93; ders., JZ 1976,198; Huber JZ 1969,677; Kramer JZ 1976, 338.Google Scholar
- 26.Kritisch hierzu jedoch Adams, M, Ökonomische Analyse der Gefährdungs-und Verschuldenshaftung (1985), S. 146 ff., 152: Verwendung der Wahrscheinlichkeitshöhe sei ein inhaltsleeres Entscheidungskriterium, wenn nicht der Grad der Detailgenauigkeit angegeben wird.Google Scholar
- 27.Siehe hierzu Larenz, K., a.a.O., § 27 III 2 (S. 440 f); Kötz, Deliktsrecht, Rn. 156 ff.; Esser/Schmidt § 33 III (S. 223 ff.); MünchKomm-Grunsky, Rn. 44 fi: vor § 249.Google Scholar
- 28.Hierüber besteht Übereinstimmung, vgl. AK-BGB Rüßmann, Rn. 57 vor §§ 249–253; MünchKomm-Grunsky, Rn. 45 vor § 249; Larenz, K., a.a.O., § 27 HI 2 (S. 444); Esser/Schmidt, § 27 III 2.Google Scholar
- 29.Zur Kritik bes. Larenz, K., a.a.O., § 27 lII 2 (S. 444 ff.); Deutsch, Haftungsrecht I, S. 237 ff.Google Scholar
- 30.MünchKomm-Grunsky, Rn. 46 vor § 249, der die Adäquanztheorie ausdrücklich ablehnt und sich für die Schutzzwecklehre ausspricht, zugleich aber feststellt, im Regelfall würden beide übereinstimmen, s.a. Rn. 49.Google Scholar
- 31.AK-BGB Rüßmann, Rn. 58 vor §§ 249–253; Larenz, K, a.a.O., § 27 III 2 (S. 444); Lange, H., a.a.O., S. 77.Google Scholar
- 32.Huber JZ 1969, 677 (681).Google Scholar
- 33.BGHZ 3, 261 - Leitsatz.Google Scholar
- 34.BGHZ 27,137.Google Scholar
- 35.BGHZ 8, 325; 10, 107; 20, 137.Google Scholar
- 36.Krit. dazu AK-BGB Rüßmann, Rn. 66 vor §§ 249–253: die Strafverfahrenskosten sind gar nicht durch eine Rechtsgutverletzung (Gesundheit und Eigentum) verursacht worden.Google Scholar
- 37.BGHZ 27, 137, 141.Google Scholar
- 38.BGH JZ 1969, 702.Google Scholar
- 39.BGH JZ 1969, 704.Google Scholar
- 40.Vgl. RGZ 169, 117: der Verletzer habe kein Recht darauf, so gestellt zu werden, als ob er einen völlig gesunden Menschen verletzt habe.Google Scholar
- 41.BGH NJW 1952, S. 1010.Google Scholar
- 42.Larenz, K., a.a.O., S. 447 ff.Google Scholar
- 43.Das gleiche Argument gilt für die Gefährdungshaftung entsprechend. Wenn die Aufnahme einer an sich gefährlichen Aktivität zu einem Schaden führt, der durch diese Aktivität nicht wahrscheinlicher wurde, ist die Kausalität abzulehnen.Google Scholar
- 44.Vgl. Ehret v. Village of Scarsdale (zit. bei Landes, H./Posner, R., Causation in Tort Law, a.a.O., S. 119). genauso ist der Fall zu beurteilen, bei dem ein Restaurantbesitzer Rattengift neben dem Speisesaal aufbewahrt und dadurch einen Sorgfaltsmaßstab verletzt, der Schaden aber durch die Explosion des Rattengiftes entsteht.Google Scholar
- 45.BGHZ 27, 137; s. o. S. 222.Google Scholar
- 46.S. o. S. 222.Google Scholar
- 47.Vgl. Posner, R., Economic Analysis of Law, S. 184: wäre das Feuer in dem Hotel ausgebrochen, das der Reisende ohne den Unfall aufgesucht hätte, so hätte ihm der Unfall einen Nutzen gebracht, der aber von ihm nicht hätte herausverlangt werden können.Google Scholar
- 48.So die von der Rechtsprechung entwickelte und verwendete Formulierung, BGHZ 53, 245, 256; BGH NJW (1973), 1925.Google Scholar
- 49.S. dazu o. S. 162 ff.Google Scholar
- 50.BGH NJW 1963, 1447; 1969, 790: 1983, 622. Zur Differenzierung nach Verursachung und Verschulden Rother VersR 1983, 793.Google Scholar
- 51.So bei der Arzthaftung: steht ein grober Behandlungsfehler fest und ist dieser seiner Natur nach geeignet, den Verletzungserfolg herbeizuführen, so haftet der Arzt nach ständiger Rechtsprechung, sofern er nicht beweisen kann, daß die eingetretene Verletzung nicht auf dem Fehler beruht, BGH NJW 1983, 333; 1988, 2949. Bei der Verletzung von Aufklärungspflichten muß der Auskunftsplichtige beweisen, daß der Geschädigte auch bei richtiger Information die schädigende Disposition getroffen haben würde, BGHZ 115, 210, 223; BGH NJW 1994, 512, 513 m. weit. Nachweis. Bei der Produkthaftung ist die Beweislast für das Bestehen eines Kausalzusammenhangs von der Rechtsprechung unter besonderen Umständen ebenfalls umgekehrt worden, siehe BGHZ 104, 323; BGH BB 1993, 248 (Befunderhebungspflichten hinsichtlich spezifischer Produktrisiken-Mehrwegflaschen).Google Scholar
- 52.Siehe statt aller: MünchKomm-Mertens, § 830, Rn. 21.Google Scholar
- 53.Esser/Weyers, Schuldrecht, § 60 I 1 c (S. 610).Google Scholar
- 54.Esser/Weyers, a.a.O.; BGH NJW 1982, 2307; BGHZ 60, 177, 181: 72, 355.Google Scholar
- 55.Die rechtsvergleichenden Ausführungen verdanken wir einem Gespräch mit Hein Kötz.Google Scholar
- 56.Honoré, A., Causation and Remoteness of Damage, in: International Encyclopedia of Comparative Law (1974), Ch. 7.Google Scholar
- 57.Vgl. Cass.com. 19.6. 1951, S. 1952.1.89 = J.C.P. 1952. 11. 6426.Google Scholar
- 58.Vgl. dazu Oftinger, K., Schweizerisches Haftpflichtrecht, Allgemeiner Teil, (4.Aufl. 1975), mit Nachweisen aus der Rechtsprechung.Google Scholar
- 59.K.B. 786, 1911 und Keynes, J, Treatise an Probability (1957), S.24. Keynes sprach sich unter Bezugnahme auf diesen Fall für die Anwendung der Wahrscheinlichkeitskausalität aus.Google Scholar
- 60.Wenn innerhalb einer Schadenskategorie nur einige Fälle unsicherer Kausalität auftreten und der Schädiger nicht weiß, um welche Fälle es sich handelt, kann diese Anreizlücke verschwinden. Es kann dann immer noch kostengünstiger sein, gerade die effiziente Sorgfalt aufzuwenden und sich dadurch von jeglicher Haftung zu entlasten. Dies gilt, wie A. Endres nachgewiesen hat nur für die Verschuldens-nicht für die Gefährdungshaftung. Vgl. A. Endres, (1991). Ökonomische Grundlagen des Haftungsrechts. S. 59.Google Scholar
- 61.Shavell, S., Uncertainty over Causation and the Determination of Civil Liability, in: Journal of Law and Economics, Bd. 18 (1985), S. 587 ff. Shavell, S., The Judgement Proof Problem, in: International Review of Law and Economics, Bd. 6 (1986), S.45 ff.Google Scholar
- 62.Shavell, S., Uncertainty over Causation and the Determination of Civil Liability, S. 589.Google Scholar
- 63.Außerdem ist auch dem deutschen Recht die Feststellung von Kausalitätsanteilen, welche die Höhe des Schadensersatzes bestimmen, nicht fremd. Dies gilt insbesondere bei Mitwirken des Geschädigten sowie im Rahmen der Gefährdungshaftung bei mitwirkender Betriebsgefahr.Google Scholar
- 64.Vgl. BGH NJW 1980, 2348; BGHZ 30, 203; BGH NJW 1964, 2011.Google Scholar
- 65.Fall der kumulativen Kausalität: das Verhalten mehrerer hat den Schaden herbeigeführt; das Verhalten keines der Beteiligten könnte hinweggedacht werden, ohne daß der Erfolg entfiele; vgl. hierzu und zur teilweise uneinheitlichen Terminologie Lange, H., a.a.O., S. 158.Google Scholar
- OLG München VersR 1984, 342: bei Dachdeckerarbeiten kam es zu einem Unfall, weil eine Firma den Aufzug nicht ordnungsgemäß aufgestellt und eine andere ein Bremsgestänge nicht richtig eingestellt hatte.Google Scholar
- 66.RG JW 1911 Nr. 1551; BGH VersR 1962, 430; OLG Oldenburg VersR 1980, 339. Das Common law kommt zum gleichen Ergebnis; siehe Summers v. Tice, 33 Cal. 2d 80, 199 P. 2d 1 (1948): both defendants were jointly and severally liable for the whole of the damage.…both were wrongdoers, both were negligent towards the plaintiff, and it would be unfair to require plaintiff to isolate the defendant responsible. Das Ergebnis wurde erzielt durch eine Kausalitätsvermutung zulasten der Beteiligten und einer Umkehr der Beweislast. Für eine Umkehr der Beweislast gibt es jedoch keinen stichhaltigen Grund, da die Beklagten in der gleichen Beweisnot sind wie der Kläger. Vgl. dazu auch die kritischen Ausführungen von Mosk, J., in: Sindell v. Abbott Laboratories 26 Cal. 3d 588, 607 P. 2d (1980).Google Scholar
- 67.Sindell v. Abbott Laboratories 26 Cal. 3d 588, 607 P. 2d 924 (1980). Dies ist der leading case der Marktanteilshaftung. Nach deutschem Recht ließe sich dieser Fall unter Heranziehung des § 830 I 2 BGB lösen, da feststeht, daß die Klägerin gegen einen der DES-Hersteller einen Schadensersatzanspruch hat, aber nicht geklärt werden kann, wessen Produkte die Mutter eingenommen hat. Vgl. Hymowitz v. Eli Lilly$1518 N.Y$12d 966, 539 N.E. 2d 1069, 526 N.Y.S. 2d 922 (1989).Google Scholar
- 68.Umstritten ist, ob darüber hinaus auch ein “enger Zusammenhang” zwischen den verschiedenen Verhaltensweisen oder eine durch sie bewirkte “Gleichartigkeit der Gefährdung” als zusätzliches Kriterium erfüllt sein muß; vgl. Palandt-Thomas, § 830, Rn. 9; in Wirklichkeit handelt es sich dabei nur um eine - entbehrliche - Notbremse, um etwaige “uferlose Ausweitungen” verhindern zu können; siehe Esser/Weyers, § 60 I 1 b (S. 608).Google Scholar
- 69.Palandt-Thomas, § 830, Rn. B.Google Scholar
- 70.Palandt-Thomas, § 830, Rn. B.Google Scholar
- 71.Nichtlineare Beziehungen zwischen Schäden auf der einen und Sorgfalts-bzw. Aktivitätsniveau auf der anderen Seite werden hierbei nicht diskutiert. Sie treten insbesondere im Hinblick auf Umweltschäden auf. Für eine Diskussion dieser komplizierten Schadensfunktion und ihre Implikation für die Effizienz von Haftungsregeln sei verwiesen auf Shavell, S., Economic Analysis of Accident Law (1987), S. 164 ff.Google Scholar
- 72.Siehe dazu Smith v. Rapid Transit Inc., 317 Mass. 469, 58 N.E. 2d 754 (1945).Google Scholar
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