Elektroenzephalographische Überwachung während der Intensivtherapie

  • Ina Pichlmayr
  • Ulrich Lips
  • Helmut Künkel

Zusammenfassung

Der Beginn der Behandlungsmethoden, die heute zum Begriff der Intensivmedizin geworden sind, fallt in die Zeit um 1960. Seither ist durch klinische Erfahrung und intensive Forschungsarbeit ein hoher ärztlicher und technischer Standard entwickelt worden, der es ermöglicht, vitale Funktionen zumindest zeitweise durch apparativ-medizinische Maßnahmen zu unterstützen oder zu ersetzen. Die hierdurch erweiterten Behandlungsmöglichkeiten führten zu einer Ausweitung der chirurgischen Operationsmethoden, sowohl im Hinblick auf Alter und Allgemeinzustand der Patienten als auch auf die Größe des chirurgischen Eingriffs. Nicht zuletzt aus diesen Gründen werden heute vielfach Patienten — nach einem großen chirurgischen Eingriff, gelegentlich auch nach anästhesiologischen Komplikationen — durch postoperatives Versagen einer oder mehrerer vitaler Funktionen intensivbehandlungsbedürftig. Vielfach sind bei diesen Kranken lange Behandlungsperioden mit sehr invasiven Therapie- und Überwachungsmethoden notwendig. Neben den zur direkten Therapie erforderlichen Medikamenten, wie z. B. Antibiotika und Herz-Kreislauf-unterstützende Pharmaka, werden zur Abwendung der Angst- und Streßsituation durch die auch heute noch unphysiologische maschinelle Beatmung große Mengen von Anxiolytika, Neuroleptika, Sedativa und Hypnotika eingesetzt, die sich mit den ebenfalls erforderlichen Analgetika und Relaxantien potenzieren können. Diese u. U. längerdauernden Phasen einer tiefen „Langzeitnarkose“haben wesentliche Nachteile: Im akuten Behandlungszeitraum sind klinische Beurteilungen der Gehirnfunktion nur mit Einschränkung möglich; kurzfristige orientierende Aufwachperioden sind aufgrund der Wirkzeiten und Kumulationseffekte der eingesetzten Substanzen undurchführbar. Nach einer erfolgreich beendeten Intensivbehandlungsphase kommen weitere Schwierigkeiten auf den Patienten und den behandelnden Arzt zu: Psychomotorische Abstinenzsyndrome nach Absetzen der Medikation sind von langen Perioden psychischer Instabilität gefolgt, die die Rekonvaleszenz und die Reintegration des Patienten in den familiären Bereich erschweren.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1983

Authors and Affiliations

  • Ina Pichlmayr
    • 1
  • Ulrich Lips
    • 1
  • Helmut Künkel
    • 2
  1. 1.Zentrum für Anästhesiologie der Medizinischen Hochschule HannoverAbt. IV Krankenhaus OststadtHannover 51Deutschland
  2. 2.Zentrum Neurologische MedizinAbt. II — Institut für Klinische Neurophysiologie und Experimentelle NeurologieHannover 61Deutschland

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