Zusammenfassung
Restitution soll jedes Geschehen am Organismus heißen, durch welches gestörte Formganzheit wiederhergestellt wird. Von Driesch in dieser Bedeutung formuliert, hat sich der Ausdruck in der neueren Entwicklungsphysiologie auf zoologischer Seite fest eingebürgert; er wird auch von Winkler in seiner Zusammenfassung der Ergebnisse der pflanzlichen Entwicklungsphysiologie (1913) in diesem Sinne verwendet, nachdem bisher in der botanischen Literatur ein erhebliches Durcheinander der Terminologie geherrscht hat. So gebraucht z. B. Küster (1903 und noch 1925) und nach ihm Pfeffer (1904) sowie Goebel (1908) dieses Wort in. engerer Bedeutung als „Regeneration“, während diese üblicherweise einen Sonderfall der Restitution darstellt. Bei der Diskussion, ob irgendeine Wiederherstellungsreaktion eine „echte“ Regeneration sei, spielen diese Unklarheiten zuweilen eine unerfreuliche Rolle. Von der Abgrenzung der Begriffe hängt das Urteil über die Bedeutung der „Regeneration“ für das Pflanzenreich wie die Eingliederung eines bestimmten Einzelvorgangs ab. Wer die Wiederherstellung gestörter Formganzheit als „Regeneration“ bezeichnet, wird dieselbe Fülle von Beispielen für dieses Regulations-geschehen bei den Pflanzen finden wie im Tierreich; wer unter „Regeneration“ die Wiederherstellung der gestörten Form im Bereich der Wundfläche versteht, derart, daß kein den Restitutionsvorgang überdauerndes „Wundgewebe“ (Kallus) auftritt, wird feststellen, daß dieser Vorgang bei den Pflanzen von erheblich geringerer Bedeutung ist als bei den Tieren. Der eine wird den Satz aussprechen können, daß jeder lebenden differenzierten Pflanzenzelle noch die Fähigkeit der Regeneration zukomme; der andere wird sie in der Hauptsache auf embryonale Gewebe (Vegetationspunkte und Kambium) beschränkt finden. Der erste wird das Aussprossen einer isolierten Pilzhyphe oder die Wurzel- und Sproßbildung an abgeschnittenen Blättern von Begonia oder Bryophyllum als Regeneration bezeichnen, der zweite wird sie nicht als solche gelten lassen. Eine einheitliche Bezeichnungsweise ist im Interesse der Deutlichkeit der Probleme überaus wünschenswert.
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