Das Sichtbarmachen des Unsichtbaren

  • Rolf Winau
Part of the Technik und Kultur book series (TK, volume 4)

Zusammenfassung

In der galenischen Medizin des Mittelalters schien es nicht notwendig, Einblicke in die innere Struktur des Körpers zu nehmen. War doch die Medizin weniger dem eigenen Augenschein, als vielmehr der Autorität der Alten verpflichtet. Dennoch entwickelte sich auf der Basis der Humoralpathologie ein diagnostisches Konzept, das, wenn auch nicht in moderner Form, das Prinzip vom Sichtbarmachen des Unsichtbaren verkörpert. Es handelt sich dabei um die Harnschau oder Uroskopie. Geht man nämlich davon aus, daß Krankheit auf einer fehlerhaften Mischung der Körpersäfte beruht, dann muß sich dieser krankhafte Zustand auch in einer fehlerhaften Zusammensetzung des Urins dokumentieren. Ein Überwiegen eines der Säfte oder eine falsche Zusammensetzung der Säfte muß zu einer farblichen Veränderung des Harnes führen. Auch die Beschaffenheit des Harnes — dünnflüssig, dickflüssig, fein oder grob — gibt einen Hinweis darauf, wie die Säftezusammensetzung im Körper ist. Aufgabe des Arztes muß es also sein, den Harn aufzufangen und aus seiner Farbe und Konsistenz Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der vier Säfte im Körper und damit auf die Krankheit zu ziehen. Im europäischen Mittelalter entwickelte sich für die Harnschau ein ganz typisches Glasgefäß, das kolbenförmige Harnglas ohne Standboden, das Matula genannt wurde.

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Literaturnachweise

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1993

Authors and Affiliations

  • Rolf Winau

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