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Der Spiel-Diskurs: Konsens-, Kontakt-, Kontrapunkte

  • Fabian ArltEmail author
  • Hans-Jürgen Arlt
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Zusammenfassung

Von A wie Abenteuer über B wie Bewegung bis Z wie Zufall gibt es eine große Anzahl von Wörtern, die mit dem Spiel in Wechselbeziehung stehen. Dieser Beziehungsreichtum des Spiels schlägt sich in einer bunten Fülle von wissenschaftlichen Zugängen zum Spiel nieder. Jetzt geht es darum, den im zweiten Kapitel entwickelten Spielbegriff in diesem ludischen Diskurs zu verankern, Anschlussstellen zu identifizieren, Übereinstimmungen zu notieren, Differenzen zu benennen, Dissens zu begründen: Zum Beispiel, weshalb das Spiel der Wellen kein Spiel der Wellen ist, und warum eine Schraube nicht spielt, auch wenn sie zulasten ihrer Befestigungsfunktion Spiel hat. Die ludische Aktion wird als pragmatische Paradoxie beschrieben. Dabei wird die Triade des Realen, Imaginären und Fiktiven um das Ludische ergänzt, einer Wirklichkeitsform, in der ein Kuss ein Kuss und kein Kuss ist. Vor dem Hintergrund der Beobachtung, dass das Spiel mehr und mehr zum letzten Wort sowohl der Geistes- wie der Naturwissenschaften wird, wird argumentiert: Beim Spiel handelt es sich um ein Sekundärphänomen, erst etablierte Normalität löst Motive aus, sich aus ihr zu befreien.

Schlüsselwörter

Sprachspiel Kommunikation Als ob Imagination Zwecke Regeln Paradoxie Kinder Wittgenstein Adorno 

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Authors and Affiliations

  1. 1.BerlinDeutschland

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