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Die hybride Form der Kommunikation in den sozialen Medien

  • Uta ButtkewitzEmail author
Chapter
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Part of the Über/Strom: Wegweiser durchs digitale Zeitalter book series (UWDDZ)

Zusammenfassung

Wie wir im letzten Kapitel erfahren haben, geht die dialogische Kommunikation zurück, die aber gerade für stabile menschliche Beziehungen und für die Entwicklung neuer Gedanken essentiell ist, unabhängig davon, ob die Kommunikation schriftlich oder mündlich verläuft. Bei Instagram und Facebook haben wir es nur mit einer scheinbaren beziehungsweise simulierten dialogischen Kommunikation zu tun, da die Kommunikation nur in routinierten und standardisierten Floskeln verläuft. Oftmals entfallen die Anrede und die Abschiedsformel. Es ist kaum möglich, inhaltsschwere Diskussionen per WhatsApp oder SMS zu führen. Meistens bleibt es bei kurzen Sätzen, in denen es um eine Verabredung geht oder man schlicht und einfach nur fragt „Wie geht’s Dir?“, um einen Kontakt nicht abbrechen zu lassen. Üblicherweise werden auch kurz Urlaubserlebnisse – meistens mit einem Foto dekoriert – ausgetauscht. Dieser kurze Austausch via WhatsApp kann einer Rückversicherung einer bestehenden Beziehung dienen, aber sie können nach meiner persönlichen Beobachtung keine lockere Freundschaft wieder festigen beziehungsweise stabilisieren. Dafür reicht diese Art der unverbindlichen Kommunikation nicht aus, sondern dazu sind weiterhin Telefonate, vor allem aber der persönliche Face-to-Face-Kontakt nötig. Aber die Messenger-Dienste können durchaus den Weg zu einer persönlichen Verabredung erleichtern und ebnen. Diese Art der Kommunikation hat den Vorteil, dass man im Gegensatz zum Telefon die privaten Kreise der Adressat∗innen nicht stört. Diese∗r kann es sich überlegen, wann und ob sie∗er antwortet. Wir müssen uns jedoch darüber im Klaren sein, dass eine verzögerte oder keine Antwort möglicherweise die Beziehung gefährden kann. Insofern herrscht auch bei der Kommunikation via Kurznachrichten ein gewisser Kommunikationsdruck. Mittlerweile ersetzt WhatsApp auch häufig die Nutzung der E-Mail, da vielen das Schreiben einer E-Mail vor allem im privaten Bereich zu aufwändig geworden ist. Merkwürdigerweise entsteht daraus häufig kein kommunikativer Austausch – selbst dann nicht, wenn Fragen an die Chatpartner∗innen gestellt werden. Das ist ein interessantes Phänomen, das eigentlich die Kommunikation als eine Handlung des gegenseitigen Austausches und des Beziehens aufeinander konterkariert. In diesen Fällen geht es scheinbar auch nur um die Bestätigung der Freundschaft miteinander.

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  1. 1.Universität RostockRostockDeutschland

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