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Der simulierte Dialog

  • Josef Zelger
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Zusammenfassung

Da das Gespräch die Grundform des Lernens ist, wird die Frage gestellt, wie ein Dialog simuliert werden kann, wenn die betroffenen Personengruppen nicht zusammenkommen können oder wollen.

Wenn menschliche Wissensverarbeitung unbewusste und bewusste Prozesse voraussetzt, wie es in Kap.  10 beschrieben wurde, so gilt dies auch für den Dialog zwischen unterschiedlichen Personen oder Gruppen. Daher wird im Folgenden zuerst gezeigt, wie man sich eine unbewusste Verarbeitung von Texten vorstellen kann. In einem Dialog werden kleine Satznetze erzeugt und wie Puzzleteile zu einem Ganzen zusammengefügt. Dies kann im simulierten Dialog mit GABEK® auch automatisch erfolgen. Doch können automatisch weder Widersprüche zwischen den Texten erkannt noch können Zusammenfassungen von Textgruppen automatisch formuliert werden.

Wenn man einen Dialog zwischen unterschiedlichen Personengruppen simulieren will, der zu konsistenten Textgruppen führen soll und als pragmatisch anwendbares Wissensergebnis zusammengefasst werden kann, so ist es nötig, dass wenigstens zwei Repräsentanten der Personengruppen immer wieder überlegen, wie sie auf Äußerungen ihrer Gesprächspartner reagieren sollen. Das heißt, sie müssen immer wieder die Ziele der beteiligten Personengruppen ins Auge fassen und sich überlegen, wie mögliche Gesprächsergebnisse in der Praxis zur Problemlösung angewendet werden können. Wenn verbale Daten der beteiligten Personengruppen mit GABEK® bereits ausgewertet vorliegen und in Form von Gestaltenbäumen zur Verfügung stehen, so führt ein simulierter Dialog sehr viel schneller zu einer möglichen Problemlösung. Als Beispiel dienen Interviews, die in der Sozialorganisation Boystown, die jetzt „Yourtown“ heißt, mit Betreuern und betreuten Jugendlichen in Australien durchgeführt wurden. Es sind die verbalen Daten, die bereits im Kap.  8 über die Weiterentwicklung der Sozialwissenschaften verwendet worden sind.

Die Simulation von Dialogen im Verfahren GABEK® kann zusätzlich mit einer rudimentären Metakommunikation erweitert werden. Das heißt, dass die Repräsentanten der zwei Personengruppen einander auch mitteilen, ob sie einen Vorschlag des je anderen akzeptieren oder nicht, ob sie eine Erklärung wünschen oder ob sie den Dialog beenden möchten. Beim Beispiel der Sozialorganisation Boystown führte ein so geführter simulierter Dialog zwischen betreuten Jugendlichen und Mitarbeitern zu einer Konkretisierung der offiziellen Vision der Sozialorganisation.

Schließlich wird im Abschnitt „Governance of Communities“ die Frage gestellt, welche Aufgaben für einen Leiter der Community folgen, wenn Probleme durch die Simulation von Gesprächen gelöst werden sollen. Es wird die Auffassung vertreten, dass der Leiter dafür sorgen soll, dass das Gespräch in der Organisation nicht abbricht. Darüber hinaus wird er die Kohärenz und Anwendbarkeit von Dialogergebnissen beurteilen und Möglichkeiten für eine partielle Umsetzung suchen.

Literatur

  1. Bartlett B (2016) Staff and youth’s accounts of social enterprise programs at BoysTown. In: Müller J, Zelger J (Hrsg) GABEK® VII. GABEK® als Lernverfahren für Organisationen. GABEK® as a learning procedure for organizations. Studienverlag, Innsbruck/Wien/Bozen, S 189–204Google Scholar
  2. Herdina P (2016) First, second, third order complexity and the hypercomplex. In: Zelger J, Müller J (Hrsg) GABEK® VII. GABEK® als Lernverfahren für Organisationen. GABEK® as a learning procedure for organizations. Studienverlag, Innsbruck/Wien/Bozen, S 71–85Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Josef Zelger
    • 1
  1. 1.Universität InnsbruckInnsbruckÖsterreich

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