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Träume als Integrationsleistungen des Menschen

  • Josef Zelger
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Zusammenfassung

Im Folgenden werden Träume analysiert, die unbewusst erzeugt werden. Dabei stellt sich heraus, dass längere Träume gestalthafte Eigenschaften aufweisen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das unbewusste Informationsverarbeitungssystem Integrationsleistungen erbringt, die zu gestaltähnlichen Strukturen führen (vgl. Kap.  10). Kurze Träume erscheinen jedoch eher als Splitter, die die formalen Bedingungen für sprachliche Gestalten (vgl. Abschn.  8.2.3) nicht erfüllen.

Im zweiten Abschnitt wird ein Prozessmodell entwickelt, das eine unbewusste Generierung von Träumen nachbildet. Anhand eines Beispiels wird gezeigt, wie Traumelemente und kurze Träume oder andere Texte zu neuen gestaltförmigen Textgruppen verbunden werden können, die in formaler Hinsicht mit tatsächlichen Träumen vergleichbar sind.

Schließlich wird im dritten Abschnitt dargelegt, wie gestalthaft aggregierte Träume zu einer Traumgeschichte umgeschrieben werden können, in der die Person, von der die Träume stammen, ein für sie subjektiv sinnvolles Orientierungs-, Verstehens- oder Handlungskonzept entdecken kann.

Man kann dieses Kapitel als Ergänzung zum Abschn.  6.2 lesen, in dem drei Wachfantasien analysiert wurden. Längere Träume lassen ähnliche gestalthafte Strukturen erkennen wie die analysierten Tagträume. Traumgeschichten, die aus einzelnen Träumen gestalthaft gebildet werden, können in der Psychotherapie Verwendung finden. Es handelt sich um eine Vernetzung von Einzelträumen, die eine Orientierung des Patienten unterstützen können.

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Authors and Affiliations

  • Josef Zelger
    • 1
  1. 1.Universität InnsbruckInnsbruckÖsterreich

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