Advertisement

Sprachen und Sprechen in der qualitativen Migrations- und Fluchtforschung

  • Yasemin UçanEmail author
Chapter

Zusammenfassung

In Rahmen von mehrsprachigen Forschungsdesgins in der Migrations- und Fluchtforschung sind Fragen der Verständigung zwischen Forschenden und Interviewpartner_innen von zentraler Bedeutung. Diese gehen einher mit Prozessen des Übersetzens von mehrsprachigem Interviewmaterial, die häufig intransparent und ohne daran angeschlossene theoretische Überlegungen bleiben. Der vorliegende Beitrag möchte hier ansetzen und einen Beitrag zur Methodenreflexion im Rahmen mehrsprachig angelegter Forschungsprojekte leisten. Hierfür werden zunächst Überlegungen zu Sprache und Sprechen vorgestellt und diese in Bezug zu migrationsgesellschaftlichen Realitäten gesetzt. Interviewsituationen werden in diesem Zusammenhang verstanden als Kommunikationsbeziehungen, die immer auch Machtbeziehungen sind. Davon ausgehend werden Verstehens- und Übersetzungsprozesse zwischen Forschenden und Interviewpartner_innen aus Perspektiven verschiedener Disziplinen wie der Translationswissenschaften und der Postkolonialen Studien beleuchtet. Im Anschluss wird anhand von Beispielen mit deutsch-türkischem Interviewmaterial aufgezeigt, welche Leitlinien im Umgang mit Mehrsprachigkeit und Übersetzung im Zuge der eigenen Forschung entwickelt wurden.

Literatur

  1. Ammer, M., Busch, B., Dorn, N., Rienzner, M., Santner-Wolfartsberger, A., Schich, W., Seidlhofer, B., & Spitzl, K. (2013). Ein umstrittenes Beweismittel. Sprachanalyse als Instrument der Herkunftsbestimmung im Asylverfahren. juridikum, 3, 281–297.Google Scholar
  2. Bassnett, S., & Trivedi, H. (2002). Introduction: of colonies, cannibals and ernaculars. In S. Bassnett & H. Trivedi (Hrsg.), Post-colonial translation. Theory and practice (S. 1–18). London: Routledge.Google Scholar
  3. Benjamin, W. (1972). Die Aufgabe des Übersetzers. In W. Benjamin (Hrsg.), Gesammelte Schriften. Band IV/1 (S. 9–21). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  4. Bourdieu, P. (2015). Was Heisst Sprechen? Zur Ökonomie des Sprachlichen Tausches. Wien: New Academic Press.Google Scholar
  5. Brizić, K. (2007). Das geheime Leben der Sprachen. Gesprochene und verschwiegene Sprachen und ihr Einfluss auf den Spracherwerb in der Migration. Münster: Waxmann.Google Scholar
  6. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. (2017). Identitätssicherung und Feststellung im Migrationsprozess. Herausforderungen und Praktiken im deutschen Kontext. Fokusstudie der deutschen nationalen Kontaktstelle für das Europäische Migrationsnetzwerk (EMN) (Working Paper 76). Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.Google Scholar
  7. Bundesamt für Bildung und Frauen. (o. J.). Sprachensteckbrief Somali. http://www.schule-mehrsprachig.at/fileadmin/schule_mehrsprachig/redaktion/sprachensteckbriefe/pdf/somali.pdf. Zugegriffen: 13. Sept. 2018.
  8. Busch, B. (2010). Die Macht präbabylonischer Phantasien. Ressourcenorientiertes sprachbiographisches Arbeiten. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik, 4, 58–82.CrossRefGoogle Scholar
  9. Busch, B. (2013). Mehrsprachigkeit. Wien: facultas und UTB.Google Scholar
  10. Diehm, I. (2016). Elementarpädagogik. In P. Mecheril (Hrsg.), Handbuch Migrationspädagogik (S. 342–355). Weinheim: Beltz.Google Scholar
  11. Dirim, I. (2016). Sprachenverhältnisse. In P. Mecheril (Hrsg.), Handbuch Migrationspädagogik (S. 311–325). Weinheim: Beltz.Google Scholar
  12. Dirim, I., & Mecheril, P. (2010). Die Sprache(n) der Migrationsgesellschaft. In P. Mecheril, M. d. M. Castro Varela, & I. Dirim (Hrsg.), Migrationspädagogik (S. 99–120). Weinheim: Beltz.Google Scholar
  13. Dizdar, D. (2006). Translation Irr- und Umwege. Berlin: Frank & Timme.Google Scholar
  14. Enzenhofer, E., & Resch, K. (2011). Übersetzungsprozesse und deren Qualitätssicherung in der qualitativen Sozialforschung. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research, 2, Art. 10.Google Scholar
  15. Enzenhofer, E., & Resch, K. (2013). Unsichtbare Übersetzung? Die Bedeutung der Übersetzungsqualität für das Fremdverstehen in der qualitativen Sozialforschung. In R. Bettmann & M. Roslon (Hrsg.), Going the Distance. Impulse für die interkulturelle Qualitative Sozialforschung (S. 203–229). Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  16. Filep, B. (2009). Interview and translation strategies: coping with multilingual settings and data. Social Geography, 4, 59–70.CrossRefGoogle Scholar
  17. Fuhs, B. (2007). Qualitative Methoden in der Erziehungswissenschaft. Darmstadt: wbg Academic.Google Scholar
  18. García, O., & Wei, L. (2014). Translanguaging, Language, Bilingualism and Education. Basingstoke: Palgrave Macmillan.Google Scholar
  19. Gutiérrez Rodríguez, E. (2006). Positionalität übersetzen. Über postkoloniale Verschränkungen und transversales Verstehen. http://eipcp.net/transversal/0606/gutierrez-rodriguez/de. Zugegriffen: 8. Sept. 2018.
  20. Gutiérrez Rodríguez, E. (2008). „Lost in Translation“. Transkulturelles Übersetzen und Dekolonialisierung von Wissen. Eipcp. http://eipcp.net/transversal/0608/gutierrez-rodriguez/de. Zugegriffen: 8. Sept. 2018.
  21. Herwartz-Emden, L., & Westphal, M. (2000). Methodische Fragen in interkulturellen Untersuchungen. In I. Gogolin & B. Nauck (Hrsg.), Migration, gesellschaftliche Differenzierung und Bildung (S. 53–75). Wiesbaden: VS Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  22. Kaltmeier, O. (2012). Methoden dekolonialisieren. Reziprozität und Dialog in der herrschenden Geopolitik des Wissens. In O. Kaltmeier & S. C. Berkin (Hrsg.), Methoden dekolonialisieren. Eine Werkzeugkiste zur Demokratisierung der Sozial- und Kulturwissenschaften (S. 18–44). Münster: Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  23. Kämpfe, K. (2019). Kindheiten in europäischen Migrationsgesellschaften. Orientierungen von Kindern im Kontext von Migration und Differenz. Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  24. Kruse, J., Bethmann, S., Eckert, J., Niermann, D., & Schmieder, C. (2012). In und mit fremden. Sprachen forschen Eine empirische Bestandsaufnahme zu Erfahrungs- und Handlungswissen von Forschenden. In J. Kruse, S. Bethmann, D. Niermann, & C. Schmieder (Hrsg.), Qualitative Interviewforschung in und mit fremden Sprachen Eine Einführung in Theorie und Praxis (S. 27–68). Weinheim: Beltz.Google Scholar
  25. Kuckartz, U. (2014). Qualitative Inhaltsanalyse. Methoden, Praxis, Computerunterstützung. Weinheim: Beltz.Google Scholar
  26. Lauterbach, G. (2014). Dolmetscher/inneneinsatz in der qualitativen Sozialforschung. Zu Anforderungen und Auswirkungen in gedolmetschten Interviews. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research, 2, Art. 5.Google Scholar
  27. Motzek-Öz, S. (2017). Handlungs(ohn)macht im Kontext. Eine biographische Analyse des Handelns von Migrantinnen in transnationalen Unterstützungskontexten. Weinheim: Beltz.Google Scholar
  28. Niedrig, H. (2015). Postkoloniale Mehrsprachigkeit und „Deutsch als Zweitsprache“. In N. Thoma & M. Knappik (Hrsg.), Sprache und Bildung in Migrationsgesellschaften (S. 69–86). Bielefeld: transcript.Google Scholar
  29. Otyakmaz, B.Ö., & Westphal, M. (2016). Vortrag: Herausforderungen international und interkulturell vergleichender Studien. DGfE-Kongress 2016, Kassel.Google Scholar
  30. Otyakmaz, B. Ö., & Westphal, M. (2018). Kritisch-reflexive Erwartungen von Eltern an die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Kita und Familie im Migrationskontext. In M. Menz, C. Thon, M. Mai, & L. Abdessadok (Hrsg.), Kindheiten zwischen Familie und Kindertagesstätte. Differenzdiskurse und Positionierungen von Eltern und pädagogischen Fachkräften (S. 169–186). Wiesbaden: Springer VS.CrossRefGoogle Scholar
  31. Pym, A. (2014). Exploring translation theories. New York: Routledge.Google Scholar
  32. Resch, K., & Enzenhofer, E. (2012). Muttersprachliche Interviewführung an der Schnittstelle zwischen Sozialwissenschaft und Translationswissenschaft. Relevanz, Grundlagen, Herausforderungen. In J. Kruse, S. Bethmann, D. Niermann, & C. Schmieder (Hrsg.), Qualitative Interviewforschung in und mit fremden Sprachen. Eine Einführung in Theorie und Praxis (S. 80–100). Weinheim: Beltz.Google Scholar
  33. Saussure, F. (2016). Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Eine Auswahl. Stuttgart: Reclam.Google Scholar
  34. Schittenhelm, K. (2017). Mehrsprachigkeit als methodische Herausforderung in transnationale Forschungskontexten. Zeitschrift für Qualitative Forschung, 18(1), 101–115.CrossRefGoogle Scholar
  35. Spivak, G. (1993). The politics of translation. In G. Spivak (Hrsg.), Outside in the teaching machine (S. 179–200). New York: Routledge.Google Scholar
  36. Sprache. In Duden. https://www.duden.de/rechtschreibung/Sprache. Zugegriffen: 9. Okt. 2018.
  37. Steigmaier, P. (2013). Die hermeneutische Interpretation multisprachlicher Daten in transnationalen Forschungskontexten. In R. Bettmann & M. Roslon (Hrsg.), Going the Distance. Impulse für die interkulturelle Qualitative Sozialforschung (S. 231–253). Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  38. Temple, B., & Edwards, R. (2002). Interpreters/Translators and Cross-Language Research: Reflexivity and Border Crossings. International Journal of Qualitative Methods, 2, 1–12.CrossRefGoogle Scholar
  39. Uçan, Y. (2018). Elterliche Arrangements frühkindlichen Spracherwerbs im Kontext migrationsbedingter Mehrsprachigkeit. In E. Gessner, J. Giambalvo-Rode, & H. P. Kuhley (Hrsg.), Atlas der Mehrsprachigkeit. Mehrsprachigkeit als Chance (S. 241–256). Leipzig: Leipziger Universitätsverlag.Google Scholar
  40. Wettemann, U. (2012). Übersetzung qualitativer Interviewdaten zwischen Translationswissenschaft und Sozialwissenschaft. In J. Kruse, S. Bethmann, D. Niermann, & C. Schmieder (Hrsg.), Qualitative Interviewforschung in und mit fremden Sprachen. Eine Einführung in Theorie und Praxis (S. 101–120). Weinheim/Basel: Beltz Juventa.Google Scholar
  41. Westphal, M., Motzek-Öz, S., & Otyakmaz, B. Ö. (2017). Elternschaft unter Beobachtung. Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 2, 142–157.Google Scholar
  42. Witzel, A. (1985). Das problemzentrierte Interview. SSOAR. https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/563/ssoar-1985-witzel-das_problemzentrierte_interview.pdf. Zugegriffen: 12. Sept. 2018.
  43. Witzel, A. (2000). Das problemzentrierte Interview. Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research, 1, Art. 10.Google Scholar
  44. Zeydanlıoğlu, W. (2012). Turkey’s Kurdish language policy. International Journal of the Sociology of Language, 217, 99–125. Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität PaderbornPaderbornDeutschland

Personalised recommendations