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Nachhaltiger Konsum als Utopie, soziale Wirklichkeit und Ideologie – Über die transformativen Potenziale des „Scheiterns“

  • Björn WendtEmail author
Chapter
Part of the Kritische Verbraucherforschung book series (KV)

Zusammnfassung

Der vorliegende Beitrag erkundet aus einer theoretischen Perspektive die transformativen Wirkungen nachhaltigen Konsums. Nachdem zunächst theoretische Vorüberlegungen zum Ideologie- und Utopiebegriff den analytischen Rahmen abstecken (Abschn. 1), wird nachhaltiger Konsum als Utopie und Erfolgsgeschichte thematisiert (Abschn. 2). Anschließend wird die Perspektive verändert, indem die transformativen Wirkungen nachhaltigen Konsums in ihren ideologischen Verstrickungen rekonstruiert und in eine größere Geschichte des Scheiterns der Transformationsansprüche zur Nachhaltigkeit eingebunden werden (Abschn. 3). Diese doppelte Zwischenbilanzierung entlang des Utopie- und Ideologiebegriffs wird als Ausgangspunkt gewählt, um nach den transformativen Potenzialen der Digitalisierung für nachhaltigen Konsum zu fragen (Abschn. 4). Eine Reflexion über die eher überschaubaren transformativen Wirkungen nachhaltiger Konsumpraktiken kann dazu beitragen, aus der Perspektive des „Scheiterns“ anders über die Potenziale nachhaltigen Konsums und die Möglichkeiten sozialen Wandels nachzudenken und zu forschen (Abschn. 5).

Schlüsselwörter

Nachhaltigkeit Utopie Ideologie Digitalisierung Scheitern 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieUniversität MünsterMünsterDeutschland

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