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Lösungsansätze

  • Cathrin Hein
  • Wanja Wellbrock
  • Christoph Hein
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Part of the essentials book series (ESSENT)

Zusammenfassung

„Reverse Transactions“ ermöglichen die Korrektur fehlerbehafteter Transaktionen. „Pruning“ ermöglicht das teilweise Löschen von Datensätzen innerhalb einer Blockchain ohne die gesamte Kette funktionsuntauglich zu machen. „Chameleon Hashs“ ermöglichen durch eine zentrale Instanz rückwirkend Transaktionen zu editieren.

7.1 Reverse Transactions

Eine Möglichkeit den rechtlichen Problemstellungen entgegenzuwirken könnten sogenannte „Reverse Transactions“ sein. Dabei werden die fehlerbehafteten Transaktionen noch einmal umgekehrt ausgeführt. Folglich wird der wirtschaftliche Zustand, der vor der falschen Transaktion bestand, wiederhergestellt. Allerdings bleiben dabei sämtliche Transaktionen transparent einzusehen (Schrey/Thalhofer, 2017).

Bezogen auf die Anfechtung wäre zwar der Ursprungszustand wiederhergestellt, allerdings die Transaktionen rechtlich nicht aufgehoben, sondern lediglich rückabgewickelt worden. Ferner bedarf es für das Rückgängigmachen in diesem Sinn auch der Unterstützung der Gegenpartei, da innerhalb der Blockchain kein anderer Nutzer Transaktionen für einen Dritten vollziehen kann. Die deutsche Rechtsordnung sieht jedoch vor, dass Rechtsgeschäfte angefochten oder auch rückabgewickelt werden können. Der Gesetzgeber müsste demnach solche Gegentransaktionen innerhalb eines Blockchain-Netzwerks als ausreichend für die Erfüllung einer Rückabwicklung anerkennen (Breidenbach/Glatz, 2018).

Außerhalb eines Blockchain-Netzwerks ist bei Verträgen auch nicht unmittelbar ersichtlich, ob diese ex tunc oder ex nunc aufgehoben wurden und eine dahin gehende Unterscheidung schwierig. Folglich scheint es sich bei der Anerkennung von Reverse Transactions um ein theoretisches Problem zu handeln, dass durch den Gesetzgeber geregelt werden könnte.

7.2 Pruning

Einen weiteren Lösungsansatz könnte das sog. „Pruning“ bieten. Es handelt sich dabei um die teilweise Löschung bereits vergangener Transaktionen durch eine zentrale Instanz. Dabei ist zu beachten, dass die Daten, die gelöscht werden sollen, bereits wieder in einer neuen Transaktion enthalten sein müssen. Dieser Vorgang ermöglicht es, Daten zu entfernen, ohne den Nachweis über die jeweilige Legitimation zu verlieren und die Blockchain weiterzuführen. Dadurch wird die Funktionsfähigkeit der gesamten Blockchain bewahrt, da Transaktionsdaten entfernt werden, ohne dass der Hashwert des Blocks verändert wird. Dies führt jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem Verlust der Nachvollziehbarkeit und Fälschungssicherheit. Mit diesem Lösungsansatz könnte eine bessere Einhaltung des Datenschutzes gewährleistet werden, indem z. B. das Recht auf Löschung gewahrt wird (Martini/Weinzierl, 2017). Allerdings besteht nach wie vor keine Rechtssicherheit, an wen sich eine betroffene Person wenden könnte.

Die am Beispiel der Bitcoin Blockchain aufgezeigten rechtswidrigen Inhalte könnten u. U. durch das Pruning entfernt werden, ohne die Blockchain vollständig funktionsuntauglich zu machen. Fraglich ist jedoch, ob die Datenintegrität, die bei der Blockchain-Technologie durch die stetige Ergänzung der Transaktionshistorie gewährleistet werden soll, dadurch nicht erheblich eingeschränkt wird.

Bei der Verwendung des Pruning wird es auf den genauen Anwendungsfall der Blockchain-Technologie ankommen und dabei zwischen dem Verlust an Integrität und Transparenz durch das Pruning einerseits und dem Ausmaß des Löschungsverlangens andererseits abzuwägen sein.

7.3 Chameleon Hash

Neben dem Pruning oder den Reverse Transactions, könnte der Einsatz eines sog. „Chameleon Hashs“ helfen, die rechtlichen Herausforderungen zu bewältigen. Die Nutzung des Chameleon Hashs erlaubt Änderungen an bereits verifizierten Transaktionen. Demnach wird es ermöglicht, die eigentliche Unveränderbarkeit, die der Blockchain-Technologie zugrunde liegt, zu umgehen. Allerdings erfordert diese Implementierung den Einsatz einer zentralen Instanz, welche nach bestimmten Parametern Löschungen vornimmt und dafür die Zuständigkeit innehat (Martini/Weinzierl, 2017).

Der Dienstleister Accenture entwickelte bereits eine „Editierbare Blockchain“, welche den Chameleon Hash verwendet. Die Blockchain kann dadurch nachträglich verändert werden und die Nutzer können nachvollziehen, an welcher Stelle Informationen verändert wurden. Die Blockchain würde aber ihre Funktionsfähigkeit nicht einbüßen (Grünhage/Höltmann, 2017). Die Veränderung in den jeweiligen Blöcken ist dabei durch eine „unveränderbare digitale Narbe“ ersichtlich und somit ist zumindest transparent zu erkennen, dass eine Änderung vorgenommen wurde (Bechtolf, 2018).

Allerdings würde die Notwendigkeit einer zentralen Instanz zur Änderung der Daten dem Grundgedanken hinter der Blockchain-Technologie, nämlich der Dezentralität und der technischen Autonomie, widersprechen. Auch wenn die Änderungen für die Teilnehmer nachvollziehbar sind, so wäre das Netzwerk dennoch von einer einzigen Schnittstelle abhängig. Doch ist in einem solchen Fall das gesamte Netzwerk von der entsprechenden Hoheitsschnittstelle und deren Vertrauenswürdigkeit abhängig (Martini/Weinzierl, 2017).

Dieses Verfahren scheint im Rahmen privater Blockchains umsetzbar, da es dort in aller Regel einer Zugangskontrolle bedarf und somit auch eine zentrale Instanz vorhanden sein könnte. In öffentlichen Blockchains empfiehlt sich eine zentrale Stelle zur Löschung weniger, da es einen enormen Eingriff in die Datenintegrität darstellt. Allerdings muss zuvor festgelegt werden, ob ein Chameleon Hash im Blockchain-Netzwerk benutzt wird. Das bedeutet, die Nutzer wissen, wenn sie dem Blockchain-Netzwerk beitreten, dass eine Änderungsmöglichkeit im Nachhinein vorhanden ist. Möglicherweise wird auch hier eine Interessenabwägung im konkreten Anwendungsfall notwendig sein.

In Hinblick auf die erwähnte Studie zur Analyse der Daten in der Bitcoin Blockchain, würde es der Einsatz eines Chameleon Hashs ermöglichen, solche rechtswidrigen Inhalte zu entfernen (Henze et al., 2018), ebenso wie den Grundsätzen des Datenschutzes, insbesondere den Betroffenenrechten, zu entsprechen.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Cathrin Hein
    • 1
  • Wanja Wellbrock
    • 2
  • Christoph Hein
    • 3
  1. 1.HanauDeutschland
  2. 2.Hochschule HeilbronnSchwäbisch HallDeutschland
  3. 3.DüsseldorfDeutschland

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