Advertisement

Einarbeitungsprozesse im Einzelhandel

  • Thorsten Krings
  • Frederik Nieland
Chapter
  • 2.6k Downloads
Part of the essentials book series (ESSENT)

Zusammenfassung

Personalentwicklung hat die Tendenz, sich mit Modethemen zu beschäftigen, die nicht immer in einem direkten Bezug zu den Zielen des Unternehmens stehen. Die Kernaufgaben der Personalwirtschaft, nämlich die Optimierung der Personaleinsatzplanung und die Optimierung der Personalführung und -motivation kommen häufig zu kurz. Eine strukturierte Einarbeitung ist dafür jedoch eine Grundvoraussetzung.

Personalentwicklung hat die Tendenz, sich mit Modethemen zu beschäftigen, die nicht immer in einem direkten Bezug zu den Zielen des Unternehmens stehen. Die Kernaufgaben der Personalwirtschaft, nämlich die Optimierung der Personaleinsatzplanung und die Optimierung der Personalführung und -motivation (Wöhe 2008, S. 135) kommen häufig zu kurz. Eine strukturierte Einarbeitung ist dafür jedoch eine Grundvoraussetzung.

Die Integration eines neuen Mitarbeiters in die Unternehmen beginnt damit, dass ein vollständig eingerichteter Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Untersuchungen von Gallup haben gezeigt, dass dies eine entscheidende Auswirkung auf das Mitarbeiterengagement haben kann. Eigentlich liegt es also auf der Hand, dass Einarbeitung ein wesentlicher Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen ist. Trotzdem ist es für viele eben nicht die erlebte Realität, strukturiert und systematisch eingearbeitet zu werden. Der Gallup Engagement Index zeigt bei den Fragen „Ich weiß, was bei der Arbeit von mir erwartet wird“ und „Ich verfüge über die nötigen Arbeitsmaterialien und Arbeitsbedingungen, um meine Arbeit gut und richtig auszuführen“ geradezu verheerende Ergebnisse. Einarbeitung ist nichts, was man mal „schnell nebenher“ macht und es funktioniert auch nicht, einen Mitarbeiter einfach so ins kalte Wasser zu schmeißen. Effektive Einarbeitung benötigt Vorbereitung, Planung, Begleitung, Steuerung und Kontrolle. Wie solche Prozesse für den Einzelhandel gestaltet werden können und worauf grundsätzlich zu achten ist, soll im Folgenden dargelegt werden.

1.1 Engagement

Motivation hat die Dimensionen Können – Wollen – Dürfen. Auf die Dimension „Wollen“ können Führungskräfte und Unternehmen nur bedingt Einfluss nehmen, denn Interesse an einer Tätigkeit ist in individuellen Motiven eines Menschen begründet. Wer die Tätigkeit nicht ausüben will, der kann nicht mit externen Faktoren motiviert werden. Man spricht hier von „intrinsischer Motivation“.

Es ist aber sehr einfach, intrinsisch motivierte Mitarbeiter zu demotivieren, wenn das „Können“ und das „Dürfen“ nicht gewährleistet werden. Das „Dürfen“ ist eine Führungsfrage und vom Reifegrad des Mitarbeiters und vom Menschenbild der Führungskraft abhängig. Man muss abwägen, wo eine Aufgabe den Mitarbeiter über- oder unterfordert. Gleichzeitig muss man als Führungskraft bereit sein, dem Mitarbeiter einen Vertrauensvorschuss zu geben und Aufgaben so weitergeben, dass der Mitarbeiter stetig Neues lernen und Leistungsgrenzen abrufen kann (Krings 2018, S. 153).

Das „Können“ ist jedoch teilweise das, was der Mitarbeiter mitbringen muss, um überhaupt auf die Stelle zu passen, aber auch das, was das Unternehmen durch Einweisung und Einarbeitung vermittelt. Der Gallup Engagement Index zeigt, dass Unternehmen es in der Summe nicht schaffen, die Leistungspotenziale ihrer Mitarbeiter auszuschöpfen. Ein ganz entscheidender Aspekt sind dabei die bereits erwähnten Fragen zu Auftragsklärung und Arbeitsplatzausstattung. Gerade hier zeigen sich häufig sehr niedrige Ergebnisse: Dies hat eine unmittelbare Auswirkung darauf, welche Wertschöpfung der Mitarbeiter dem Unternehmen bringen kann. Insofern dienen strukturierte Einarbeitungsprozesse der Steigerung der Leistungsfähigkeit einer Organisation.

1.2 Evaluation

Die effektivste Methode, einen neuen Mitarbeiter zu bewerten und über seine Eignung zu entscheiden ist die systematische Probezeitevaluation, auch wenn dieses Instrument relativ wenig in strukturierter und systematischer Form genutzt wird. Eine Bewertung macht jedoch nur dann Sinn, wenn das Unternehmen sicherstellen kann, dass nur Aspekte bewertet werden, die in der Person und/oder dem Verhalten des Mitarbeiters liegen. Das bedeutet also, dass ein systematischer Einarbeitungsprozess hier eine Grundvoraussetzung ist, da sonst ggf. die Defizite in der Vermittlung der Inhalte durch das Unternehmen gemessen werden.

1.3 Wirtschaftliche Gründe

Der Einzelhandel steht in Deutschland unter einem enormen Margen- und Kostendruck. Der größte Kostenblock sind die Personalkosten. Folglich kann eine strukturierte Einarbeitung sowohl die Motivation der Mitarbeiter steigern, aber auch ihre Leistungsfähigkeit auf einer fachlichen Ebene. Hier sind z. B. die Einführung in interne Prozesse, IT-Systeme, Vorschriften, Kennzahlen oder Firmenkultur zu nennen.

Gerade für den Lebensmitteleinzelhandel gilt, dass hohe Kosten durch Abschriften -besonders im Bereich Frische – entstehen. Häufige Ursachen für diese Abschriften sind falsche Disposition und/oder Lagerung der Ware. Warenkundeschulungen im Rahmen einer Einarbeitung können diese Kosten stark senken und verursachen im Umkehrschluss kaum Kosten.

1.4 Marketing

Marketing bedeutet die konsequente Ausrichtung des Unternehmens an den Bedürfnissen der Kunden. Es geht also um wesentlich mehr als um werbliche Maßnahmen. Im Einzelhandel bedeutet dies, dass das Erleben des Einkaufens durch den Kunden Teil des Marketings ist.

Einerseits ist die deutsche Handelslandschaft stark davon geprägt, dass der Kunde Kaufentscheidungen preisgetrieben trifft. Andererseits werden die Formate zunehmend vergleichbar, so dass nun eine Phase der Differenzierung einsetzt, d. h. Handelsunternehmen wollen sich nicht nur mehr über Preisführerschaft abheben, sondern auch über Sortimentsbreite und -tiefe. Den Prozess der qualitativen Aufwertung des Sortiments mit den verbundenen Preisveränderungen bezeichnet man auch als „Trading Up“. In vielen Fällen, besonders im LEH, handelt es sich dabei um Produkte mit einem höheren Komplexitätsgrad (z. B. Weine, Fleisch), die einen höheren Beratungsaufwand bedeuten. Gleichzeitig erwartet der Kunde bei einem Trading Up, dass die Dienstleistung „Beratung“ im Kauf inkludiert ist. An einem konkreten Beispiel festgemacht, bedeutet dies, dass der Kunde bei einem hochwertigen Weinsortiment erwartet, dass das Personal ihn dabei beraten kann, welcher Wein zu welchem Essen passt. Einarbeitung hat also fundamental mit dem Marketing zu tun.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Thorsten Krings
    • 1
  • Frederik Nieland
    • 2
  1. 1.WieslochDeutschland
  2. 2.WetterDeutschland

Personalised recommendations