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Von der Umwertung der Werte durch die Ökonomisierung der Medizin

  • Giovanni MaioEmail author
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Zusammenfassung

Mit der Einführung der DRGs schlägt die Medizin einen Weg in Richtung einer Kapitalisierung der ärztlichen Tätigkeit ein mit dem impliziten Appell zur Übernahme einer ökonomischen Vorteilslogik, die sich à la longue gegen das Soziale wenden wird. Ein ökonomisiertes System verändert den Blick auf die eigene Arbeit; es geht dann um Abgeltung, um kluge Investition, um Rentabilität und nicht mehr um die Bedingungslosigkeit der Hilfe für Hilfsbedürftige. Durch die Abhängigkeit der Kliniken von den Erlösen wird alles, was in der Medizin getan werden wird, nicht mehr primär von ihrer konkreten Bedeutung für den Patienten, sondern nur noch unter dem Gesichtspunkt der Verwertbarkeit betrachtet. Daher liegt eine der folgenreichsten Auswirkungen der DRG-Einführung in der damit einhergehenden sukzessiven Umdeutung des medizinischen Handelns hin zu einer monetarisierten Verwertung ärztlich-pflegerischen Könnens. Das aber ist eine Entfremdung vom sozialen Gehalt der Medizin.

Schlüsselwörter

Ökonomisierung Identität der Medizin Monetarisierung Medizin als soziale Praxis Pflege Erlösorientierung 

Literatur

  1. Adorno, T. W. (2003). Zur Logik der Sozialwissenschaften. In T. W. Adorno (Hrsg.), Soziologische Schriften I. Gesammelte Schriften (Bd. 8, S. 547–565). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
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  3. Maio, G. (2018). Werte für die Medizin. Warum die Heilberufe ihre eigene Identität verteidigen müssen. München: Kösel.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.FreiburgDeutschland

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