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Erkenntnis- und Identitätskrise in Musils Erstlingsroman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“

  • Wilfried LippitzEmail author
Chapter
Part of the Phänomenologische Erziehungswissenschaft book series (PHE, volume 7)

Zusammenfassung

Dieser Aufsatz zu Robert Musils Erstlingsroman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ kreist um das Problem der Identität, deren Erfahrung sich in der Moderne einerseits notorisch krisen- und bruchhaft vollzieht und die andererseits als Voraussetzung und Garant eines bildenden Selbstverhältnisses angesehen wird. Musil präsentiert die Identitätskrise als Pubertätskrise seines Protagonisten im Kontext der Krisenzeit des fin de siècle. Törleß, so Lippitz, werde von Musil mit literarischen Mitteln als dezentriertes, leiblich situiertes Ich dargestellt, das sich in einem Hiatus zwischen Erleben und Erfassen bzw. zwischen Fühlen und Denken befindet. Diese Differenz wird überaus virtuos in drei Lesarten ausgedeutet: philosophisch (mit Husserl und E. Mach), ästhetisierend (im Sinne einer bildungsbürgerlichen Vorstellung von elitären Künstlern bei Musil) und kulturkritisch (als europäisches und neuzeitliches Dual von vita activa und vita contemplativa) – ohne dass sich in Musils Werk diese unterschiedlichen und zum Teil widersprechenden Perspektiven auflösen lassen.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Universität GießenGießenDeutschland

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