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Geschichte im Superlativ. Zur langen Ahnenreihe des Stadtmarketings

  • Gerd AlthoffEmail author
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Zusammenfassung

Schon immer haben sich Menschen vor allem dann für Geschichte interessiert, wenn Superlative zu vermelden und die eigene Stadt oder deren Attribute die ältesten, bedeutsamsten, erfolgreichsten oder mächtigsten waren, sodass Stolz und Selbstbewusstsein erzeugt wurden. So formten Adelsgeschlechter ihre Stammbäume und Städte ihre Vergangenheit und so ist auch heute noch die Ausgangslage für die Vermarktung von Geschichte. Der Beitrag macht anhand verschiedener Beispiele darauf aufmerksam, dass geschichtliches Geschehen zu allen Zeiten verformt und spekulativ gedeutet worden ist. Und dies nicht zuletzt dann, wenn es zur Identitätsstiftung benutzt wurde. Heute muss Stadtmarketing, das Städte mithilfe von Geschichte zu profilieren sucht und dabei bestrebt ist, Authentizität zu wahren und trotzdem Interesse zu wecken, sich die Frage stellen: Wie weit darf man gehen, um geschichtliches Geschehen interessant zu machen?

Schlagworte

Erinnerungspolitik Geschichtsfiktionen Geschichtsmarketing Gründungsmythen Identitätsstiftung Mittelalter 

Literatur

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Authors and Affiliations

  1. 1.MünsterDeutschland

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