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Zwischen Wahrheitspolitik und Wahrheitsmanifestation

Zur Genealogie des „Kommunistischen Manifests“
  • Matthias Bohlender
Chapter
Part of the Politologische Aufklärung – konstruktivistische Perspektiven book series (PAKP)

Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag will mit einer an Michel Foucault orientierten genealogischen Analyse das von Karl Marx und Friedrich Engels verfasste Kommunistische Manifest, einen der bedeutendsten politischen und zugleich politiktheoretischen Texte des 20. Jahrhunderts, neu in den Blick nehmen. Dabei wird zum einen die wahrheitspolitische Herkunft des Textes aus einem bestimmten Beunruhigungsherd offengelegt: den Kämpfen und Konflikt um den alleinigen legitimen Anspruch für das „Proletariat“ zu sprechen und den Raum des kommunistisch Sagbaren zu definieren; zum andern wird der Text selbst als eine politische und performative Wahrheitsmanifestation gelesen, gleichsam eine Weise, die Beunruhigung und Problematisierung zu beschwichtigen und durchzustreichen. Mit dem scharfen Instrument der Genealogie entpuppt sich dann das Manifest nicht so sehr als die große triumphale Geste einer „Verschmelzung“ von revolutionärer Theorie und kommunistischer Praxis (Engels), sondern vielmehr als eine politische Intervention zur Herstellung einer Wahrheitsordnung im unübersichtlichen Feld der zeitgenössischen Sozialismen und Kommunismen und eine neuartige performative Sprachpraxis bzw. Textform zur Hervorbringung eines revolutionären Subjekts, dessen faktische Gegenwart zugleich immer schon unterstellt wird.

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Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.OsnabrückDeutschland

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