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Soziale Verschiedenheit als Normalfall: Habitussensibilität in der Rechtswissenschaft

  • Anja BöningEmail author
Chapter
Part of the Prekarisierung und soziale Entkopplung – transdisziplinäre Studien book series (PSETS)

Zusammenfassung

Mit Blick auf die sozialexklusive Zusammensetzung der Rechtswissenschaft kommt eine hochschulpädagogische Praxis, die auf Habitussensibilität gründet und unterschiedliche Sozialitäten der Studierenden anerkennt, als eine vielversprechende Möglichkeit daher, um Gleichheit und die Integration heterogener Sozialgruppen in das juristische Feld zu fördern. Der Beitrag knüpft an Habitussensibilität als einer Kompetenz an und fragt von hier aus, welche Bedeutung ihr im hochschulischen Geschehen der Rechtswissenschaft zukommen kann. Er arbeitet heraus, dass fachkulturelle Spezifika einer institutionellen Reflexivität eher entgegenstehen und Habitussensibilität mit Feldkonventionen, die auch durch rechtsmethodische Paradigmen bedingt sind, zu konfligieren scheinen. Angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung, die dem Ordnungsmedium Recht und seinen Institutionen zukommt, ist eine Auseinandersetzung mit der Reproduktion sozialer Ungleichheiten in der Rechtswissenschaft indes umso drängender.

Schlüsselwörter

Rechtswissenschaft Soziale Herkunft Habitus Reflexivität Rechtsdidaktik 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Rechtswissenschaftliche Fakultät der FernUniversität in HagenHagenDeutschland

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