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Volkserzählungen. Narrative des Volkes, Narrative über das Volk

  • Wolfgang Bergem
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Zussamenfassung

Um Volkserzählungen als Narrativen des Volkes und Narrativen über das Volk nachzugehen, werden in dem Beitrag zunächst das breite semantische Feld von Volk in Relation zu Nation und Staat abgesteckt sowie nach den Erzählungen gefragt, die in Deutschland für die narrative Konstitution des Volkes wichtig wurden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem an den historischen Arminius angelehnten Gründungsmythos von Hermann dem Cherusker, der wirkungsvollsten Volkserzählung der Deutschen als Nation. Diese Bezüge aus der Zeit der Herausbildung der Ideen von deutschem Volk und deutscher Nation dienen als Grundlage, um in gegenwärtigen populistischen Narrativen der Erzählung von einem ‚wahren‘ Volk nachzugehen, unter anderem anhand der aktuellen Sprachpolitik der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag oder auch der Verwendung des Begriffs Umvolkung durch AfD-Politiker. Schließlich wird die in der identitären Demokratietheorie von Rousseau und Carl Schmitt entwickelte Idee der Identität zwischen Herrscher und Beherrschten als Kennzeichen einer guten politischen Ordnung im populistischen Narrativ von US-Präsident Donald Trump aufgezeigt, als Führer nicht der Repräsentant, sondern die Verkörperung des amerikanischen Volkes und so mit dem Volk eins zu sein.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Philosophische Fakultät/PolitikwissenschaftUniversität SiegenSiegenDeutschland

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