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Nationalsozialismus in Pillenform: Der Aufstieg des Stimulanzmittels Pervitin im „Dritten Reich“

Vom Einsatz des Medikaments als Element totaler Mobilmachung zum direkten Zugriff auf die Körper der Soldaten
  • Norman OhlerEmail author
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Zusammenfassung

Die Arzneimittelfirma Temmler bei Berlin produzierte ab 1936 Pervitin, das den stark aufputschenden Wirkstoff Methamphetamin enthielt. Für den Westfeldzug allein wurden 35 Millionen Dosierungen ausgegeben. Drogengebrauch im Krieg hat Tradition und diente vor allem der Enthemmung und zum Lösen von Angstzuständen. Die deutsche Wehrmacht allerdings war die erste Armee der Welt, die eine synthetische Droge zur unmittelbaren Leistungssteigerung und Reduktion der Kampfhemmung einsetzte. Während Drogen sonst sanktioniert und verpönt waren, nutze das Regime Pervitin zur pharmakologischen Disziplinierung und zur totalen Mobilmachung.

Schlüsselbegriffe

Pervitin Nationalsozialismus Methamphetamin Krieg totale Mobilmachung Leistungsdroge 

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Authors and Affiliations

  1. 1.BerlinDeutschland

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