Advertisement

Getting to Know Islam? – Diversitätskategorien in der Produktion ethnographischen Wissens

  • Thomas GeierEmail author
  • Magnus Frank
  • Laura Schalück
  • Dorothea Schmidt
Chapter
  • 93 Downloads
Part of the Erlebniswelten book series (ERLEB)

Zusammenfassung

Im Anschluss an Debatten zur Vergleichbarkeit ethnographischer Daten (Bollig und Kelle 2012) und der Relevanz meta-ethnographischen Wissens (Kakos und Fritzsche 2017) unternimmt der Beitrag die Rekonstruktion eines komparativ angelegten ethnographischen Forschungsprozesses im Kontext des DFG-Projektes „Die Pädagogik der Gülen-Bewegung“ (vgl. Geier und Frank 2016a, b, u. a.). Auf Grundlage zweier Protokolle unterschiedlicher Forscherinnen zum Abend eines religiösen Gesprächskreises (sohbet) für Studentinnen wird auf den Ebenen von Datenerhebung und Interpretation die Frage gestellt: Wie verändert sich der Gegenstand sohbet angesichts unterschiedlich interaktiv agierender Forscherinnen im Feld, des von ihnen zu- und miteinander produzierten ethnographischen Wissens, seiner jeweiligen und kontrastiven Interpretation sowie der darin aufgerufenen Diversitäts- bzw. Differenzkategorien? Die präsentierten Ergebnisse zeigen, dass es einerseits unterschiedliche Formen ethnographischen Schreibens und andererseits die gesellschaftliche Positioniertheit (Hall 1994) der Forscherinnen sind, mit welchen Spielräume und Grenzen eröffnet und gezogen werden, um das Feld und seine Praktiken aus Perspektive der Ethnographinnen, des Feldes und der Interpretierenden (als muslimisch) zu charakterisieren.

Schlüsselwörter

Ethnographie Komparation Diversity Islam 

Literatur

  1. Agai, Bekim. 2004. Zwischen Netzwerk und Diskurs. Das Bildungsnetzwerk um Fethullah Gülen (geb. 1938). Die flexible Umsetzung modernen islamischen Gedankenguts. Schenefeld bei Hamburg: EB-Verlag.Google Scholar
  2. Ahmed, Yasmine M. 2009. Multi-sited ethnography: Potentials and challenges. Kairo.Google Scholar
  3. Allert, Tilman. 2010. Der Deutsche Gruß. Geschichte einer unheilvollen Geste. Stuttgart: Reclam.Google Scholar
  4. Bollig, Sabine, und Helga Kelle. 2012. Vergleichen und Kontrastieren. Zur analytischen Konstruktion von Feldern und Vergleichsobjekten in der ethnographischen Forschung. In Feld und Theorie. Herausforderungen erziehungswissenschaftlicher Ethnographie, Hrsg. Barbara Friebertshäuser, et al., 201–216. Opladen: Barbara Budrich.Google Scholar
  5. Breidenstein, Georg, et al. 2013. Ethnografie: Die Praxis der Feldforschung. Konstanz: UTB.Google Scholar
  6. Breidenstein, Georg. 2017. Interdisziplinäre Tradition und disziplinäre Konvention in der erziehungswissenschaftlichen Ethnographie. ZQF 18 (1): 9–20.CrossRefGoogle Scholar
  7. Clerke, Teena, und Nick Hopwood. 2014. Doing ethnography in teams: A case study of asymmetries in collaborative research. Wiesbaden: Springer International.CrossRefGoogle Scholar
  8. Dausien, Bettina, und Helga Kelle. 2005. Biographie und kulturelle Praxis. Methodologische Überlegungen zur Verknüpfung von Ethnographie und Biographieforschung. In Biographieforschung im Diskurs. Theoretische und methodologische Verknüpfungen, Hrsg. Bettina Völter, et al., 189–212. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  9. Diehm, Isabell, et al. 2013. Ethnomethodologie und Ungleichheit? Methodologische Herausforderungen einer ethnographischen Differenzforschung. In Unscharfe Einsätze: (Re)Produktion von Heterogenität im schulischen Feld. Studien zur Schul- und Bildungsforschung, Hrsg. Jürgen Budde, 29–51. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  10. Dohrn, Kristina. 2018. Die Gülen-Bewegung. Entstehung und Entwicklung eines muslimischen Netzwerks. In Türkei – Schlüsselakteur in der EU? Eine schwierige Partnerschaft in turbulenten Zeiten, Hrsg. Beate Neuss und Aantje Nötzold, 205–217. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  11. Ebaugh, Helen Rose. 2012. Die Gülen-Bewegung. Eine empirische Studie. Freiburg im Breisgau: Herder.Google Scholar
  12. Fuchs, Martin, und Eberhard Berg. 1993. Kultur, soziale Praxis, Text – Die Krise der ethnographischen Repräsentation. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  13. Garfinkel, Harold. 1967. Studies in ethnomethodology. Cambridge: Polity Press.Google Scholar
  14. Geier, Thomas, und Magnus Frank. 2016a. Bildung im „hizmet“. Zu Bildungspraxen und Biographien junger Studierender im Kontext der „Gülen-Bewegung“. In Migration: Auflösungen und Grenzziehungen. Perspektiven einer erziehungswissenschaftlichen Migrationsforschung, Hrsg. Thomas Geier und Katrin U. Zaborowski, 211–236. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  15. Geier, Thomas, und Magnus Frank. 2016b. Sozialisationsprozesse in studentischen sohbetler der ‚Gülen-Bewegung‘. Zur sozialen Hervorbringung eines muslimischen Bildungssubjektes. In Islam und Sozialisation. Aktuelle Studien, Hrsg. Gerald Blaschke-Nacak und Stefan E. Hößl, 101–124. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  16. Geier, Thomas, und Magnus Frank. 2018. Die Bildungsinitiativen der Gülen-Bewegung in Deutschland. Sozialwissenschaftliche Perspektiven. In Islam und Bildung. Auf dem Weg zur Selbstverständlichkeit, Hrsg. Heiner Barz und Klaus Spenlen, 53–87. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  17. Geier, Thomas, und Magnus Frank. 2019. Übersetzungspraktiken im Säkularismus – Zu Konstellationen religiöser und szientifischer Wissensordnungen in muslimischen Gesprächskreisen. In Übersetzung. Über die Möglichkeit, Pädagogik anders zu denken, Hrsg. Nicolas Engel und Stefan Köngeter. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  18. Geier, Thomas, Magnus Frank, und Denise Büttner. 2016. Die sozial-religiösen Gesprächskreise der „Gülen-Bewegung“ – Eine praxeologische Skizze zur Institutionalisierung eines islamischen Bildungsverständnisses. In Kulturen der Bildung. Kritische Perspektiven auf erziehungswissenschaftliche Verhältnisbestimmungen, Hrsg. Merle Hummrich, et al., 157–170. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  19. Geier, Thomas, et al. 2018. Pedagogy of hizmet in Germany – non-formal educational practices and biographical views of its participants. Ethnography and education, 10. Mai 2018.  https://doi.org/10.1080/17457823.2018.1471611. Zugegriffen: 2. Aug. 2019.
  20. Geertz, Clifford. 1997. Spurenlesen: Der Ethnologe und das Entgleiten der Fakten. München: Beck.Google Scholar
  21. Hall, Stuart. 1994. Rassismus und kulturelle Identität. Ausgewählte Schriften 2. Hamburg: Argument Verlag.Google Scholar
  22. Haraway, Donna. 1988. Situated knowledges: The science question in feminism and the privilege of partial perspective. Feminist Studies 14 (3): 575–599.CrossRefGoogle Scholar
  23. Hendrick, Joshua D. 2013. Gülen: The ambiguous politics of market Islam in Turkey and the world. New York: New York University Press.CrossRefGoogle Scholar
  24. Hirschauer, Stefan. 2014. Un/doing Differences. Die Kontingenz sozialer Zugehörigkeiten. Zeitschrift für Soziologie 43 (3): 170–191.Google Scholar
  25. Hitzler, Ronald. 2000. Die Erkundung des Feldes und die Deutung der Daten. Annäherungen an die (lebensweltliche) Ethnographie. In Ethnographische Methoden in der Jugendarbeit, Hrsg. Werner Lindner, 17–31. Opladen: Leske + Budrich.CrossRefGoogle Scholar
  26. Kakos, Michalis, und Bettina Fritzsche. 2017. Meta-ethnography synthesis in education: Challenges, aims and possibilities. Ethnography & Education 12 (2): 129–133.CrossRefGoogle Scholar
  27. Keskinkılıç, Saadet. 2017. Das sohbet als Form religiöser Praxis. Erziehungswissenschaftliche Analysen und ethnographische Beobachtungen. PH Karlsruhe: Unv. Masterarbeit.Google Scholar
  28. Matthes, Joachim. 1992. The operation called „Vergleichen“. In Zwischen den Kulturen – Die Sozialwissenschaften vor dem Problem des Kulturvergleichs, Hrsg. Joachim Matthes, 75–102. Göttingen: Schwartz.Google Scholar
  29. Mecheril, Paul, et al., Hrsg. 2010. Bachelor/Master Migrationspädagogik. Weinheim: Beltz.Google Scholar
  30. Mecheril, Paul, und Oscar Thomas-Olalde. 2011. Die Religion der Anderen. Anmerkungen zu Subjektivierungspraxen der Gegenwart. In Jugend, Migration und Religion. Interdisziplinäre Perspektiven, Hrsg. Brigit Allenbach, et al., 35–68. Zürich: Pano.Google Scholar
  31. Niewöhner, Jörg, und Thomas Scheffler. 2008. Introduction. Comparative Sociology 7:273–285.CrossRefGoogle Scholar
  32. Ortner, Sherry B. 1995. Resistance and the problem of ethnographic refusal. Comparative Studies in Society and History 37 (1): 173–193.CrossRefGoogle Scholar
  33. Röben, Bärbel. 2013. Medienethik und die „Anderen“. Multiperspektivität als neue Schlüsselkompetenz. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  34. Rosenthal, Gabriele. 1995. Erlebte und erzählte Lebensgeschichte. Gestalt und Struktur biographischer Selbstbeschreibungen. Frankfurt a. M.: Campus.Google Scholar
  35. Schatzki, Theodore R. 1996. Social practices: A Wittgensteinian approach to human activity and the social. Cambridge: Cambridge University Press.CrossRefGoogle Scholar
  36. Schütze, Fritz. 1983. Biographieforschung und narratives Interview. Neue Praxis 13 (3): 283–293.Google Scholar
  37. Siefert, Volker. 27.12.2013. Gülen-Bewegung. Gehirnwäsche im Auftrag des Imam. ZEIT-Online. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-12/guelen-bewegung-deutschland. Zugegriffen: 2. Aug. 2019.
  38. Strauss, Anselm L., und Barney G. Glaser. 2008. Grounded Theory: Strategien qualitativer Sozialforschung. Bern: Huber.Google Scholar
  39. Strübing, Jörg, et al. 2018. Gütekriterien qualitativer Sozialforschung. Ein Diskussionsanstoß. Zeitschrift für Soziologie 47 (2): 83–100.CrossRefGoogle Scholar
  40. West, Candace, und Sarah Fenstermarker. 1995. Doing difference. Gender & Society 9 (1): 8–37.CrossRefGoogle Scholar
  41. Yavuz, Hakan M. 2013. Towards an Islamic Enlightment. The Gülen Movement. Oxford: Oxford University Press.Google Scholar
  42. Yavuz, Hakan M. 2018. The Three stages of the Gülen Movement. From Pietistic Weeping Movement to Power-Obsessed Structure. In Turkey’s July 15th Coup and the Gülen Movement, Hrsg. Hakan M. Yavuz und Bayram Balci, 20–45. Utah: University Press.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2020

Authors and Affiliations

  • Thomas Geier
    • 1
    Email author
  • Magnus Frank
    • 1
  • Laura Schalück
    • 2
  • Dorothea Schmidt
    • 2
  1. 1.DortmundDeutschland
  2. 2.LeipzigDeutschland

Personalised recommendations