Advertisement

Der Mensch, er selbst und sein Selbst im Universum der Medien. Zur Mediologie der Musterbildung von Werten am Beispiel des Selfies

  • Thomas Alfred BauerEmail author
Chapter

Zusammenfassung

Das Selbst eines Menschen ist das Konzentrat seiner Identitätsvorstellungen. Es ist ein Wert, auf den man sich selbst beruft und auf den andere sich verlassen. In Gesellschaften versuchen Individuen, sich ihrer selbst zu vergewissern, weil sich aber die Kommunikationsmuster im Kontext der Mediengesellschaft verändern, verändern sich auch die Muster der Vergewisserung. Das Selfie gilt dabei als ein Phänotypus der Vergewisserung: durch die Spiegelung über ein technisches Medium, dessen Ästhetik man im Rahmen eines standardisierten Designs bedingt zu eigenen Gunsten der Kennzeichnung und Auszeichnung seiner selbst zu nützen versucht. Das Selfie spiegelt das Selbst als einen Wert des persönlichen und sozialen Lebens, es ist das mediale frame, in dem sich das Wahrheitsmoment eines Selbst phantasieren lässt. Wenn ich mich im Spiegel betrachte, dann sehe ich nicht mich (als das wahre Objekt), sondern ich sehe (zunächst nur), wie ich mich im Spiegel betrachte. Damit rückt das Wie (die Kultur der Betrachtung) ins Zentrum, nicht das Was (das Objekt der Betrachtung).

Schlüsselwörter

Selfie Selbst Wertebildung 

Literatur

  1. Anders, G. 1980: Die Welt als Phantom und Matrize. Philosophische Betrachtungen über Rundfunk und Fernsehen. S. 97–211 in: Anders, G. (Hg.), Die Antiquiertheit des Menschen. Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution. München: Beck.Google Scholar
  2. Baitello, J. N. 2005: A Era da Iconofagia. Reflexões sobre Imagem, Comunicação, Midia e Cultura. São Paulo: Paulus.Google Scholar
  3. Bauer, T., A. 2011: Globalisierung aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht. S. 133–158 in: Dvorak, J., Mückler, H. (Hg.), Staat – Globalisierung – Migration. Wien: Facultas WUV.Google Scholar
  4. Bauer, T., A. 2014: Kommunikation wissenschaftlich denken. Perspektiven einer kontextuellen Theorie gesellschaftlicher Verständigung. Wien: Böhlau.Google Scholar
  5. Bauer, T., A. 2017a: Signaturen der Mediengesellschaft. Medialität als ästhetisches Moment im Verhältnis von Kommunikation und Gesellschaft. S. 55–91 in: Charalambis, D., Papacharalambous, C. (Hg.), Jus, Ars, Philosophia et Historia. Festschrift für Johannes Strangas zum 70. Geburtstag. Athen u. a.: Nomos.Google Scholar
  6. Bauer, T., A. 2017b: Werden und Wandel der Mediengesellschaft. S. 117–136 in: Gowin, P., Walzer, N. (Hg.), Die Evolution der Menschlichkeit. Wege zur Gesellschaft von morgen. Wien: Braumüller.Google Scholar
  7. Berger, P., L., Luckmann, T. 1972: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie. Frankfurt/Main: Fischer.Google Scholar
  8. Bohnsack, R. 2008: Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden. Opladen: Leske + Budrich.Google Scholar
  9. Bourdieu, S. 1983: Ökonomisches, kulturelles, soziales Kapital. S. 193–198 in: Kreckel, R. (Hg.), Soziale Ungleichheiten. Göttingen: Schwartz.Google Scholar
  10. Bücker, T., Zeit Online 2014: Das nackte Selbst. Selfies sind ein Akt der Emanzipation. https://www.zeit.de/2014/42/nacktfotos-selfie-emanzipation. Zugegriffen: 21.08.2018.
  11. Clausen, L., Schlüter, C. 1991: Hundert Jahre „Gemeinschaft und Gesellschaft“: Ferdinand Tönnies in der internationalen Diskussion. Opladen: Leske + Budrich.Google Scholar
  12. Edmair, S. 1968: Horizonte der Hoffnung. Eine philosophische Studie. Regensburg: Pustet.Google Scholar
  13. Faßler, M. 1999: Cyber-Moderne: Medienevolution, globale Netzwerke und die Künste der Kommunikation. Wien: Springer.Google Scholar
  14. Faßler, M. 2001: Netzwerke. Einführung in die Netzstrukturen, Netzkulturen und verteilte Gesellschaftlichkeit. München: Fink.Google Scholar
  15. Faßler, M. 2005: Erdachte Welten: Die mediale Evolution globaler Kulturen. Wien u. a.: Springer.Google Scholar
  16. Flusser, V. 1997: Medienkultur. Frankfurt/Main: Fischer.Google Scholar
  17. Flusser, V. 1998: Kommunikologie. Frankfurt/Main: Fischer.Google Scholar
  18. Foucault, M. 1974: Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Google Scholar
  19. Foucault, M. 2001: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt/Main: Fischer.Google Scholar
  20. Franck, G. 1998: Ökonomie der Aufmerksamkeit. Ein Entwurf. München: Hanser.Google Scholar
  21. Frankl, V. 2002: Logotherapie und Existenzanalyse. Texte aus sechs Jahrzehnten. Weinheim u. a.: Beltz.Google Scholar
  22. Fromm, E. 2011: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.Google Scholar
  23. Gadamer, H.-G. 1972: Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik. Tübingen: Mohr.Google Scholar
  24. Gottschlich, M. 1999: Die Welt ist, wie wir sie denken. Zur Kulturkritik der Mediengesellschaft. Wien u. a.: Springer.Google Scholar
  25. Habermas, J. 1973: Notizen zum Begriff der Rollenkompetenz. S. 195–232 in: ders. (Hg.), Kultur und Kritik. Verstreute Aufsätze. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Google Scholar
  26. Hall, S. 1999: Encoding, decoding. S. 507–517 in: During, S. (Hg.), The cultural studies reader. London: Routledge.Google Scholar
  27. Heidegger, M. 1976: Sein und Zeit. Tübingen: Niemeyer.Google Scholar
  28. Hepp, A. 2008: Netzwerke der Medien. Netzwerke des Alltags. Medienalltag in der Netzwerkgesellschaft. S. 63–89 in: Thomas, T. (Hg.), Medienkultur und soziales Handeln. Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  29. Hepp, A. 2010: Cultural Studies und Medienanalyse. Wiesbaden: VS Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  30. Hepp, A. 2011: Kommunikationsnetzwerke und kulturelle Verdichtungen: Theoretische und methodologische Überlegungen. S. 13–29 in: Fuhse, J., Stegbauer, C. (Hg.), Kultur und mediale Kommunikation in sozialen Netzwerken. Wiesbaden: VS Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  31. Hipfl, B. 2001: Medien-Identitäten: Identifikationen, Imaginationen, Phantasien. S. 47–70 in: Busch, B., Hipfl, B., Robins, K. (Hg.), Bewegte Identitäten. Medien in transkulturellen Kontexten. Klagenfurt: Drava.Google Scholar
  32. Hurrelmann, K. 2012: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Weinheim: Juventa.Google Scholar
  33. Huxley, A. 1953: Schöne neue Welt. Wunschtraum und Alptraum der Zukunft. Frankfurt/Main: Fischer.Google Scholar
  34. Jäger, S. 2004: Kritische Diskursanalyse. Eine Einführung. Münster: UNRAST.Google Scholar
  35. Kierkegaard, S. 1992: Der Begriff Angst. Ditzingen: Reclam.Google Scholar
  36. Köhl, M. 2017: Vom lifelogging zu lifestreaming – Emotionskulturen zwischen Informalisierung und Entfremdung. Eine transkulturelle Untersuchung der mediatisierten Welten Heranwachsender und junger Erwachsener in Thailand, Österreich und Taiwan. Universität Wien: Dissertation.Google Scholar
  37. Köhl, M., Götzenbrucker, G. 2013: „Distanzierte Verbundenheit“ als neue Sozialform? Vom Wandel der Intimität in konvergierenden Medienumgebungen. Medienjournal 37/4: 35–51.Google Scholar
  38. Krotz, F. 2007: Mediatisierung: Fallstudien zum Wandel von Kommunikation. Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  39. Krotz, F. 2008: Kultureller und gesellschaftlicher Wandel im Kontext des Wandels von Medien und Kommunikation. S. 43–62 in: Thomas, T. (Hg.), Medienkultur und soziales Handeln. Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  40. Luhmann, N. 1987: Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Google Scholar
  41. Petersen, L.-E., Stahlberg, D., Frey, D. 2006: Das Selbstwertgefühl. S. 40–48 in: Bierhoff, H.-W., Frey, D. (Hg.), Handbuch der Sozialpsychologie und Kommunikationspsychologie. Göttingen: Hogrefe.Google Scholar
  42. Piaget, J. 1966: Psychologie der Intelligenz. Zürich: Rascher.Google Scholar
  43. Rohr, R. 2013: Das wahre Selbst. Werden, wer wir wirklich sind. Freiburg: Herder.Google Scholar
  44. Schmid, W. 2000: Auf der Suche nach einer neune Lebenskunst. Die Frage nach dem Grund und die Neubegründung der Ethik bei Foucault. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Google Scholar
  45. Schmidt, S., J. 2003: Geschichten und Diskurse. Abschied vom Konstruktivismus. Reinbek bei Hamburg: Rohwolt.CrossRefGoogle Scholar
  46. Schmidt, S., J. 2005: Lernen, Wissen, Kompetenz, Kultur. Vorschläge zur Bestimmung von vier Unbekannten. Heidelberg: Carl Auer.Google Scholar
  47. Schütz, A., Luckmann, T. 2003: Strukturen der Lebenswelt. Konstanz: UVK.Google Scholar
  48. Strauss, A., Corbin, J. 1996: Grounded Theory. Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Weinheim: Beltz.Google Scholar
  49. Taylor, C. 2009: Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Google Scholar
  50. Van Dijck, J. 2013: The culture of connectivity. A critical history of social media. Oxford: Oxford University Press.Google Scholar
  51. Watzlawick, P. 1995: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Wahn, Täuschung, Verstehen. München: Piper.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität WienWienÖsterreich

Personalised recommendations