Advertisement

Einführung: Warum wir zurückblicken

  • Michael-Burkhard PiorkowskyEmail author
  • Karl Kollmann
Chapter
Part of the Kritische Verbraucherforschung book series (KV)

Zusammenfassung

Diskussionen und Publikationen der letzten Jahre lassen erkennen, dass die Verbraucherforschung in einer Krise ist. Seit Jahren werden Tagungsbände von maßgeblichen Akteursgruppen publiziert, die sich mit Entgrenzungen des Konsums und der traditionell eng gedeuteten Verbraucherrolle befassen und sogar den Abschied vom „Otto Normalverbraucher“ bzw. vom „eindimensionalen Verbraucher“ empirisch beschreiben oder analytisch gewendet fordern. Diese Debatten zeigen, dass zunehmend über Konsum neu nachgedacht wird. Aber sie sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, durch dogmenhistorische Abstinenz, ja Amnesie gekennzeichnet – so als würde Konsumtheorie ein Produkt der letzten 20 oder 30 Jahre sein. In den hier zusammengestellten Beiträgen werden sechs Autoren und eine Autorin in Erinnerung gebracht, die mehr oder weniger unorthodoxe Vordenker in ihrem Bereich waren und Antworten auf aktuell gestellte Fragen sowie Argumente für ein zeitgemäßes Verständnis von Konsum und Konsumenten bieten. Damit soll eine Begründung für die weitergehende Forderung nach einem Paradigmenwechsel im Sinn der Kritischen Verbraucherforschung gegeben werden.

Literatur

  1. Arendt, H. (2007). Vita activa oder Vom tätigen Leben. München: Piper.Google Scholar
  2. Bala, C., & Müller, K. (2013). „Tote haben keine Kämpfe“. Anmerkungen zur Debatte über den Zustand der Verbraucherforschung. Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (S. 79–85).  https://doi.org/10.1007/s00003-013-0806-2.
  3. Bala, C., & Müller, K. (Hrsg.). (2015). Abschied vom Otto Normalverbraucher. Moderne Verbraucherforschung: Leitbilder, Information, Demokratie. Essen: Klartext.Google Scholar
  4. Bala, C., & Schuldzinski, W. (Hrsg.). (2016). Prosuming und Sharing – neuer sozialer Konsum: Aspekte kollaborativer Formen von Konsumtion und Produktion. Beiträge zur Verbraucherforschung. Bd. 4. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW.Google Scholar
  5. Bala, C., & Schuldzinski, W. (Hrsg.). (2018). Jenseits des Otto Normalverbrauchers. Verbraucherpolitik in Zeiten des „unmanageable consumer“. Beiträge zur Verbraucherforschung. Bd. 8. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW.Google Scholar
  6. Blättel-Mink, B. (2010). Prosuming im online-gestützten Gebrauchtwarenhandel und Nachhaltigkeit. Das Beispiel eBay. In B. Blättel-Mink, & K.-U. Hellmann (Hrsg.), Prosumer Revisited. Zur Aktualität einer Debatte (S. 117–130). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.CrossRefGoogle Scholar
  7. Blättel-Mink, B. (2015). Prosuming als Motor von Innovationen im Feld der Nachhaltigkeit. Theoretische Konzepte und empirische Befunde. Vortragsfolien, Loccum, 3.7.2015. Web: http://docplayer.org/16285319-Prosuming-als-motor-von-innovationen-im-feld-der-nachhaltigkeit-theoretische-konzepte-und-empirische-befunde.html. Zugegriffen: 28. Dezember 2016.
  8. Blaug, M. (1975). Systematische Theoriegeschichte der Ökonomie. Bd. 3. Marshalls Ökonomie – Die Revolution des Marginalismus: Grenznutzen und Grenzproduktivitätstheorie – Grenzproduktivitätstheorie der Verteilung. München: Nymphenburger Verlagshandlung.Google Scholar
  9. Boulding, K. E. (1950). A Reconstruction of Economics. New York, London: John Wiley & Sons, Chapman & Hall.Google Scholar
  10. Egner, E. (1963). Studien über Haushalt und Verbrauch. Berlin: Duncker & Humblot.Google Scholar
  11. Fridrich, C., Hübner, R., Hufnagel, R., Jaquemoth, M., Kollmann, K., Piorkowsky, M.-B., Schneider, N. F., Tröger, N., & Wahlen, S. (2014). Bamberger Manifest für ein neues Verbraucherverständnis. Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (S. 321–326).  https://doi.org/10.1007/s00003-014-0880-1.CrossRefGoogle Scholar
  12. Fridrich, C., Hübner, R., Kollmann, K., Piorkowsky, M.-B., & Tröger, N. (Hrsg.) (2017). Abschied vom eindimensionalen Verbraucher. Wiesbaden: Springer.Google Scholar
  13. Kahneman, D., & Tversky, A. (2003). Prospect Theory. An Analysis of Decision under Risk. In D. Kahneman, & A. Tversky (Hrsg.), Choices, Values, and Frames (S. 17–43). Reprint. Cambridge: Cambridge University Press, Russell Sage Foundation.Google Scholar
  14. Kenning, P., & Lamla, J. (Hrsg.). (2018). Entgrenzungen des Konsums. Dokumentation der Jahreskonferenz des Netzwerks Verbraucherforschung. Unter Mitarbeit von Nadine Schreiner. Wiesbaden: Springer Gabler.Google Scholar
  15. Kollmann, K. (2012). Eingeschränkt statt ermächtigt. Ein ergänzender Beitrag zur Diskussion, inwieweit die aktuelle Verbraucherforschung nun wirklich lebt. Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (S. 393–395).  https://doi.org/10.1007/s00003-012-0798-4.CrossRefGoogle Scholar
  16. Kollmann, K. (2015). Verbraucherpolitik – nur Reparaturbetrieb oder Motor für gesellschaftspolitischen Fortschritt? In WISO direkt. Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik (Mai, S. 1–4). Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung.Google Scholar
  17. Kollmann, K. (2016). Eine Klarstellung zu „Sharing economy“. In H.-C. Binswanger et al. (Hrsg.), Jahrbuch Nachhaltige Ökonomie 2016/2017: Im Brennpunkt: Ressourcen-Wende (S. 179–200). Marburg: Metropolis-Verlag.Google Scholar
  18. Kollmann, K. (2017). Menschen in der Arbeits-, Konsum- und Mediengesellschaft. Zur Vermachtung und Verschränkung der Lebensfelder bzw. Teilmärkte moderner Gesellschaften. In C. Fridrich, R. Hübner, K. Kollmann, M.-B. Piorkowsky, & N. Tröger (Hrsg.), Abschied vom eindimensionalen Verbraucher (S. 23–46). Wiesbaden: Springer.Google Scholar
  19. Marcuse, H. (1965). Zur Kritik des Hedonismus. In H. Marcuse, Kultur und Gesellschaft I (S. 128–168). Frankfurt am Main: Suhrkamp.Google Scholar
  20. Marshall, A. (1920). Principles of Economics. An introductory volume. 8. Aufl., Reprint 1947. London: Macmillan & Co.Google Scholar
  21. Nessel, S. (2017). Was macht Menschen zu Konsumenten? Dimensionen und Voraussetzungen der Konsumentenrolle in Geschichte und Gegenwart. In C. Bala et al. (Hrsg.), Verbraucher in Geschichte und Gegenwart. Wandel und Konfliktfelder in der Verbraucherpolitik (S. 35–54). Beiträge zur Verbraucherforschung. Bd. 7. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW.Google Scholar
  22. Neurath, O. (1937). Inventory of the Standard of Living. Zeitschrift für Sozialforschung 6, 140–151.CrossRefGoogle Scholar
  23. Oehler, A. (2018). Entwicklungspfade der Verbraucherwissenschaften. In P. Kenning, A. Oehler, L. A. Reisch, & C. Grugel (Hrsg.), Verbraucherwissenschaften. Rahmenbedingungen, Forschungsfelder und Institutionen (S. 19–29). Wiesbaden: Springer Gabler.CrossRefGoogle Scholar
  24. Oehler, A., & Reisch, L. A. (2012). Sie lebt! Zur Verbraucherforschung im deutschsprachigen Raum: Eine empirische Analyse. Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (S. 105–115).  https://doi.org/10.1007/s00003-012-0764-1.CrossRefGoogle Scholar
  25. Piorkowsky, M.-B. (2012). Ja, sie lebt – aber…! Plädoyer für ein ganzheitliches Verbraucherverständnis. Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (S. 387–391).  https://doi.org/10.1007/s00003-012-0785-9.CrossRefGoogle Scholar
  26. Piorkowsky, M.-B. (2016). Share Economy jenseits des WWW. Bücher, Botschaften und mehr. In C. Bala, & W. Schuldzinski (Hrsg.), Prosuming und Sharing – neuer sozialer Konsum: Aspekte kollaborativer Formen von Konsumtion und Produktion (S. 133–151). Beiträge zur Verbraucherforschung. Bd. 4. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW.Google Scholar
  27. Piorkowsky, M.-B. (2017). Konsum im Fokus der Alltags- und Lebensökonomie. In C. Fridrich, R. Hübner, K. Kollmann, M.-B. Piorkowsky, & N. Tröger (Hrsg.), Abschied vom eindimensionalen Verbraucher (S. 73–112). Wiesbaden: Springer.Google Scholar
  28. Piorkowsky, M.-B. (2018). Vom Prosumenten zum Conpreneur. Unternehmerisches Handeln von Konsumenten im Haushaltskontext. In C. Bala, & W. Schuldzinski (Hrsg.), Jenseits des Otto Normalverbrauchers. Verbraucherpolitik in Zeiten des „unmanageable consumer“ (S. 141–162). Beiträge zur Verbraucherforschung. Bd. 8. Düsseldorf: Verbraucherzentrale NRW.Google Scholar
  29. Reisch, L. A., & Sunstein, C. R. (2018). Verhaltensbasierte Regulierung (Nudging). In P. Kenning, A. Oehler, L. A. Reisch, & C. Grugel (Hrsg.), Verbraucherwissenschaften. Rahmenbedingungen, Forschungsfelder und Institutionen (S. 341–365). Wiesbaden: Springer Gabler.CrossRefGoogle Scholar
  30. Streissler, E., & Streissler, M. (1966). Einleitung. In E. Streissler, & M. Streissler (Hrsg.), Konsum und Nachfrage (S. 13–147). Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch.Google Scholar
  31. Toffler, A. (1980). The Third Wave. New York: William Morrow & Co.Google Scholar
  32. Weber, B. (2018). Neuroökonomik. In P. Kenning, A. Oehler, L. A. Reisch, & C. Grugel (Hrsg.), Verbraucherwissenschaften. Rahmenbedingungen, Forschungsfelder und Institutionen (S. 329–340). Wiesbaden: Springer Gabler.Google Scholar
  33. Weisser, G. (1978). Sozialpolitik. In G. Weisser, Beiträge zur Gesellschaftspolitik. Beratende Sozialwissenschaft – Soziale Sicherung – Mitbestimmung – Verteilungs- und Vermögenspolitik – Ordnungspolitik. (S. 275–283) Göttingen: Otto Schwartz.Google Scholar
  34. Zahn, E. (1980). Konsumtheorie, Konsumforschung und die Wandlung der Konsumgesellschaft. Einige Bemerkungen bei Rückblicken und Ausblicken. In W. Rippe, & H.-P. Haarland (Hrsg.), Wirtschaftstheorie als Verhaltenstheorie. Beiträge zu einem Symposion der Forschungsstelle für empirische Sozialökonomik (Prof. Dr. G. Schmölders) e.V. am 28. Und 29. September 1978 (S. 63–85). Berlin: Duncker & Humblot.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.BonnDeutschland
  2. 2.WienÖsterreich

Personalised recommendations