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Jugenddelinquenz im Hell- und Dunkelfeld

  • Maren WeissEmail author
  • Magdalena Schönfeld
Chapter

Zusammenfassung

Zur Erforschung delinquenten Verhaltens werden häufig Dunkelfelddaten (Täter- oder Opferbefragungen) herangezogen, da ein Großteil der delinquenten Taten nie polizeibekannt wird und somit auch nicht in offiziellen Statistiken wie der Polizeilichen Kriminalstatistik aufscheint. Aber auch Dunkelfelddaten sind fehleranfällig, z. B. aufgrund von Vertuschung oder Übertreiben eigener Taten. Die vorliegende Arbeit gleicht Daten aus dem Hell- und Dunkelfeld bei einer Teilstichprobe jugendlicher Befragter miteinander ab. Es zeigte sich, dass schon das Einverständnis zur Einsicht in die Registerdaten abhängig von persönlichen Merkmalen war: So gestatteten Jungen, Jugendliche mit Migrationshintergrund, Jugendliche an Haupt- und Mittelschulen und eher traditionell eingestellte Jugendliche dem Forscherteam seltener einen Einblick in ihre Strafverfolgungsdaten. Das Einverständnis zum Hellfeldabgleich war aber unabhängig von der selbstberichteten Delinquenz. Deskriptive und qualitative Analysen zeigten, dass teilweise erhebliche Diskrepanzen zwischen den selbstberichteten und polizeilich registrierten Taten zu finden waren. Zwar war ein völliges Verschweigen der (polizeibekannten) Taten eher selten der Fall, aber es fanden sich doch erhebliche Inkonsistenzen in den Angaben der Jugendlichen. Insgesamt war die Schnittmenge der Taten, die sowohl im Fragebogen wie auch in Registerdaten berichtet wurden, sehr klein.

Schlüsselwörter

Hellfeld Dunkelfeld Record checks Bundeszentralregister Anzeigebereitschaft Polizeikontakte 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Universität Erlangen-NürnbergErlangenDeutschland

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