Vergleich des synchronen Pfadverlaufs in Bundesrepublik und DDR

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Zusammenfassung

Ausgehend von der Strategie pragmatisch-opportunistischer Distanzierung von jedwedem Staatswesen bis 1945 entfalteten sich die Pfade der Haltung der katholischen Kirche zum deutschen Nationalstaat in der Bundesrepublik einerseits und in der DDR andererseits entgegengesetzt. Die nationalstaatliche Teilung Deutschlands traf die katholische Kirche emotional weniger als ihre evangelische Gegenkonfession: Alle katholischen Kerngebiete – etwa das Rheinland und Bayern – befanden sich in den westlichen Besatzungszonen, denen Demokratie beschieden war. Die Abspaltung des protestantischen Ost- und Mitteldeutschlands bedeutete für die katholischen Zentralen im Westen und Süden der Bundesrepublik eine relative quantitative Aufwertung. Erstmals bestand in einem deutschen Staat konfessionelle Parität. Wenngleich die Kirche die Teilung offiziell beklagte, erleichterte der unverhoffte Auszug der katholischen Konfession aus ihrer strukturellen Minderheitenposition die emotionale Annäherung an den westdeutschen Staat. Demgegenüber verblieb der ostdeutsche Katholizismus in der traditionellen Diaspora. Im Kernland der Reformation spielte sich katholisches Leben seit jeher vor allem in den Großstädten sowie in vereinzelten ländlichen Enklaven ab. Einen quantitativen Bedeutungsverlust bedeutete die DDR-Gründung für die schon zuvor marginalisierte Ost-Kirche nicht, wenngleich sie angesichts der nationalstaatlichen Teilung den mentalen und theologischen Anschluss an den westdeutschen katholischen Mainstream zu verlieren drohte.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Philosophische FakultätTechnische Universität ChemnitzChemnitzDeutschland

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