Vermitteln pp 55-66 | Cite as

Mädchenarbeit und die Herausforderungen der neueren gendertheoretischen Debatten

Chapter

Zusammenfassung

Mädchenarbeit versteht sich seit ihren Anfängen als politische Akteurin, die sich strukturell und inhaltlich einmischt, Positionen vermittelt und dabei in gesellschaftlich-politische Verhältnisse interveniert. Diesbezüglich hat sie eine bis heute geltende Aktualität, denn das Ziel, (Geschlechter-)Gerechtigkeit herbeizuführen und soziale Ungleichheit qua Geschlecht aufzudecken, kann vor allem dann nicht als erreicht gelten, wenn queere Perspektiven einbezogen werden und es in der Begleitung von Mädchen ihren eigenen Weg zu finden auch um sexuelle Orientierungen und geschlechterbezogene Identitäten geht. Der Beitrag beschäftigt sich durchgehend mit der gesellschaftlichen Relevanz dieser Arbeit, indem er zunächst nach den Herausforderungen fragt, denen sich die Mädchenarbeit angesichts neuerer gendertheoretischer Debatten stellen muss. Diese Auseinandersetzung wird dann zugespitzt auf die Frage, ob die Forderung nach geschlechtshomogenen Räumen noch aufrechterhalten werden kann. Deutlich wird, dass diese zwar ihrerseits essenzialisierend wirken können, dass sie aber – als ein wichtiger, wenn auch nicht ausschließlicher Bestandteil queerfeministischer Mädchenarbeit – gerade aus der Kritik der Heteronormativität heraus (neu) begründet werden kann.

Schlüsselwörter

Mädchenarbeit Gendertheoretische Debatte Geschlechtshomogene Räume Queerfeministische Perspektive Intersektionalität Gesellschaftliche Relevanz 

Literatur

  1. Bitzan, Maria. 2008. Geschlecht und sozialer Ausschluss. Vom Ausschließen und Einschließen. In Sozialer Ausschluss und Soziale Arbeit. Positionsbestimmungen einer kritischen Theorie und Praxis Sozialer Arbeit 2. überarb. und erw. Aufl., Hrsg. Roland Anhor, Frank Bettinger, und Johannes Stehr, 237–256. Wiesbaden: Springer VS für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  2. Bitzan, Maria. 2010. Eigensinn und Normalisierung. Ist parteiliche Mädchenarbeit mit Mädchen noch aktuell? In Geschlechterperspektiven für die Soziale Arbeit- Zum Spannungsverhältnis von Frauenbewegung und Professionalisierungsprozessen, Hrsg. Mechthild Bereswill und Gerd Stecklina, 103–121. Weinheim: Juventa.Google Scholar
  3. Bitzan, Maria, Gerrit, Kaschuba, Barbara, Stauber, und tifs e. V. 2015. „Wir behandeln alle gleich“ – Wie Praxisforschung Gender und Diversität konstruiert und dekonstruiert. In Dokumentation der Tagung Gender und Diversity in Theorie und Praxis – 20 Jahre Forschungsinstitut tifs, vom 26. bis 27. Juni 2014 im Haus auf der Alb, Bad Urach.Google Scholar
  4. Brückner, Margrit. 2005. Der erfolgreich bittere Weg vom alternativen Projekt zur sozialen Institution – Übergänge am Beispiel der Frauen- und Mädchenprojekte. Forum Supervision 25: 29–45.Google Scholar
  5. Busche, Mart, und Laura, Maikowski. 2010. Reflexive Koedukation revisited. In Feministische Mädchenarbeit weiterdenken, Hrsg. Mart Busche, Laura Maikowski, Ines Pohlkamp, und Ellen Wesemüller. 161–179. Bielefeld: transcript Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  6. Busche, Mart, Laura, Maikowski, Ines, Pohlkamp, und Ellen, Wesemüller, Hrsg. 2010a. Feministische Mädchenarbeit weiterdenken. Bielefeld: transcript Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  7. Busche, Mart, Laura, Maikowski, Ines, Pohlkamp, und Ellen, Wesemüller. 2010b. Feministische Mädchenarbeit weiterdendenken. Eine Einleitung. In Feministische Mädchenarbeit weiterdenken, Hrsg Mart Busche, Laura Maikowski, Ines Pohlkamp, und Ellen Wesemüller. 7–20. Bielefeld: transcript Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  8. Dangendorf, Sarah. 2012. Kleine Mädchen und High Heels. Über die visuelle Sexualisierung frühadoleszenter Mädchen. Bielefeld: transcript Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  9. Degele, Nina 2008. Gender/Queer Studies. Eine Einführung. Paderborn: Wilhelm Fink.Google Scholar
  10. Fritzsche, Bettina 2012. Subjektivationsprozesse in Domänen des Sagens und Zeigens. Butlers Theorie als Inspiration für qualitative Untersuchungen des Heranwachsens von Kindern und Jugendlichen. In Judith Butler: Pädagogische Lektüren, Hrsg. Norbert Ricken und Nicole Balzer. 181–205. Wiesbaden: Springer VS für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  11. Gaupp, Nora, und Claudia, Krell. 2014. Erreicht die Jugendarbeit lesbische, schwule, bisexuelle und trans* Jugendliche? Eine Analyse basierend auf Interviews mit Jugendlichen und pädagogischen Fachkräften. GiP – Gleichstellung in der Praxis 3(10): 24–28.Google Scholar
  12. Gildemeister, Regine. 2008. Soziale Konstruktion von Geschlecht: „Doing gender“. In Geschlechterdifferenzen – Geschlechterdifferenzierungen. Ein Überblick über gesellschaftliche Entwicklungen und theoretische Positionen, Hrsg. Sylvia Marlene Wilz, 167–198. Wiesbaden: Springer VS für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  13. Graff, Ulrike. 2011. Mädchenarbeit. In Wörterbuch Soziale Arbeit und Geschlecht, Hrsg. Gudrun Ehler, Heide Funk, und Gerd Stecklina, 266–269. Weinheim: Juventa.Google Scholar
  14. Graff, Ulrike. 2014. Selbstbestimmung für Mädchen: Monoedukation – (kein) Schnee von gestern? In Mädchenarbeit im Wandel. Bleibt alles anders?, Hrsg. Evelyn Kauffenstein, und Brigitte Vollmer-Schubert, 27–41. Weinheim: Beltz Juventa.Google Scholar
  15. Hartmann, Jutta. 2009. Heteronormativität. In Queer! Wie geht nicht heteronormative Mädchenarbeit?, Hrsg. Landesarbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit in NRW e.V.Google Scholar
  16. Plößer, Melanie. 2009. Dekonstruktion-Feminismus-Pädagogik. Königsstein: Ulrike Helmer Verlag.Google Scholar
  17. Pohlkamp, Ines. 2010. TransRäume. Mehr Platz für geschlechtliche Nonkonfromität! In Feministische Mädchenarbeit weiterdenken, Hrsg. Mart Busche, Laura Maikowski, Ines Pohlkamp, und Ellen Wesemüller, 37–58. Bielefeld: transcript Verlag.Google Scholar
  18. Pohlkamp, Ines, und Regina, Rauw 2010. Mit Lust und Beunruhigung. Heteronormativitätskritik einbringen. In Feministische Mädchenarbeit weiterdenken, Hrsg. Mart Busche, Laura Maikowski, Ines Pohlkamp, und Ellen Wesemüller, 21–36. Bielefeld: transcript Verlag.Google Scholar
  19. Rose, Nadine, und Hans-Christoph, Koller 2012. Interpellation – Diskurs – Performativität. Sprachtheoretische Konzepte im Werk Judith Butlers und ihre bildungstheoretischen Implikationen. In Judith Butler: Pädagogische Lektüren, Hrsg. Norbert Ricken, und Nicole Balzer, 75–94. Wiesbaden: Springer VS für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  20. Sammet, Ulrike. 2012. Mädchenpolitik. Genderpädagogik Baden-Württemberg (Stuttgart). http://www.gender-bw.de/fachpositionen/maedchenpolitik.html. Zugegriffen: 14. Jan. 2015.
  21. Schütze, Barbara. 2010. Neo-Essentialismus in der Gender-Debatte. Transsexualismus als Schattendiskurs pädagogischer Geschlechterforschung. Bielefeld: transcript Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  22. Stauber, Barbara. 1999. Starke Mädchen – kein Problem? Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis 51(99), 53–63.Google Scholar
  23. Wallner, Claudia. 2006. Feministische Mädchenarbeit: Vom Mythos der Selbstschöpfung und seinen Folgen. Münster: Verlag Klemm & Oelschläger.Google Scholar
  24. Wallner, Claudia. 2010. Feministische Mädchenarbeit zwischen politischem Kampf und Anpassung: Wo liegen die Perspektiven von Mädchenarbeit in Zeiten von „Alphamädchen“ und „armen“ Jungen? In Die Mädchen von heute sind die Frauen von morgen. Schriftenreihe zur Mädchenarbeit und Mädchenpolitik Nr.11, Hrsg. BAG Mädchenpolitik. Berlin.Google Scholar
  25. Wallner, Claudia. 2014. Es ist noch lange nicht vorbei! Gute Gründe für Mädchenarbeit in Zeiten vermeintlicher Gleichberechtigung. In Mädchenarbeit im Wandel. Bleibt alles anders?, Hrsg. Evelyn Kauffenstein und Brigitte Vollmer-Schubert, 42–53. Weinheim: Beltz Juventa.Google Scholar
  26. Yıldız, Safiye, und Barbara, Stauber. 2014. Kategoriale Kritik: Beiträge der Geschlechterforschung und der rassismuskritischen Forschung zur Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit. http//:portal-intersektionalitaet.de. Zugegriffen: 10. Dez. 2014.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für ErziehungswissenschaftUniversität TübingenTübingenDeutschland

Personalised recommendations