Advertisement

Armut als relationales Konstrukt: Die (Re-)Produktion sozialer Ungleichheiten durch Stigmatisierung und Kontrollversuche in sozialen Netzwerken

  • André Knabe
  • Hagen Fischer
  • Andreas Klärner
Chapter
Part of the Sozialstrukturanalyse book series (SSA)

Zusammenfassung

Der Aufsatz geht der Frage nach, inwiefern Stigmatisierung nach Erving Goffman als ein Mechanismus der Entstehung und Reproduktion sozialer Ungleichheiten beschrieben werden kann. Die Literatur zum Umgang mit Arbeitslosigkeit und Armut zeigt einerseits, dass Stigmatisierungsprozesse zum Verlust von Respektabilität und gesellschaftlicher Anerkennung führen können. Andererseits gibt es Anzeichen für die Möglichkeit der Kompensation dieser Verluste in sozialen Netzwerken. In unserer Analyse finden wir sowohl Hinweise auf eine disziplinierend wirkende Stigmatisierung als auch auf individuelle Handlungsspielräume im Umgang mit Armut und Arbeitslosigkeit. Umgangsweisen mit Stigmatisierung können in Abhängigkeit der sozialen Einbindung und den daraus resultierenden Handlungsmöglichkeiten in Netzwerkdomänen dazu führen, dass Statusungleichheiten (teilweise) kompensiert werden. Unser Ansatz zeigt, dass insbesondere der Rückgriff auf die Theorie von Identitäten und Kontrolle von Harrison White und dem darin enthaltenen Fokus auf soziale Netzwerke, den wir empirisch umgesetzt haben, für die Forschung fruchtbar ist.

Schlüsselwörter

Armut Soziale Ungleichheit Stigmatisierung Soziale Netzwerke Qualitative Interviews Erving Goffman Harrison C. White 

Literatur

  1. Abels, H. (2010). Wir alle spielen Theater. In A. Heinz (Hrsg.), Identität (S. 323–338). Wiesbaden: VS Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  2. Azarian, G. R. (2005). The general sociology of Harrison C. White. Chaos and order in networks. Houndsmills: Palgrave Macmillan.CrossRefGoogle Scholar
  3. Böhnke, P. (2015). Wahrnehmung sozialer Ausgrenzung. In Bundeszentrale für Politische Bildung (Hrsg.), Oben – Mitte – Unten. Zur Vermessung der Gesellschaft (S. 244–255). Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung.Google Scholar
  4. Engelhardt, M. von. (2010). Erving Goffman: Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität. In B. Jörissen & J. Zirfas (Hrsg.), Schlüsselwerke der Identitätsforschung (S. 123–140). Wiesbaden: VS Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  5. Fuhse, J. (2008). Menschen in Netzwerken. In K.-S. Rehberg (Hrsg.), Die Natur der Gesellschaft (S. 2933–2943). Frankfurt a. M.: Campus.Google Scholar
  6. Gamper, M., Schönhuth, M., & Kronewett, M. (2012). Bringing Qualitative and Quantitative Data Together. Collecting Network Data with the Help of the Software Tool VennMaker. In M. Safar & K. A. Mahdi (Hrsg.), Social networking and community behavior modeling. Qualitative and quantitative measures (S. 193–213). Hershey: IGI Global.CrossRefGoogle Scholar
  7. Goffman, E. (1969). Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München: Piper.Google Scholar
  8. Goffman, E. (1975). Stigma. Über die Techniken der Bewältigung beschädigter Identität. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  9. Hirseland, A., & Lobato, P. R. (2014). “Die wollen ja ein bestimmtes Bild vermitteln“: Zur Neupositionierung von Hilfeempfängern im aktivierenden Sozialstaat. SWS-Rundschau, 54(2), 181–200.Google Scholar
  10. Klärner, A., & Knabe, A. (2016). Soziale Netzwerke als Ressource für den Umgang mit den Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit. WSI-Mitteilungen, 69(5), 353–364.Google Scholar
  11. Klärner, A., Knabe, A., Land, R., Berger, P. A., unter Mitarbeit von Carnein, M., Fischer, H., et al. (2015). Gesichter der „Armut“ in der Stadt und im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns – Ergebnisse eines qualitativen Forschungsprojekts. In Arbeiterwohlfahrt Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.), Aspekte der „Armut“ in Mecklenburg-Vorpommern. Forschungsbericht im Auftrag der Arbeiterwohlfahrt Mecklenburg-Vorpommern (S. 25–90). Schwerin: AWO.Google Scholar
  12. Knabe, A., Brandt, S., Fischer, H., Böhnke, P., Klärner, A. (2017). Das Problem der Anerkennung an den Rändern der Erwerbsgesellschaft. Anerkennungsdefizite im Kontext von Prekarität und Erwerbslosigkeit aus Perspektive der Netzwerkforschung. In A. Bereswill, M.; Burmeister, C. & Equit, C. (Hrsg.), Bewältigung von Nicht-Anerkennung. Modi von Ausgrenzung, Anerkennung und Zugehörigkeit. Weinheim/Basel: Beltz Juventa (im Erscheinen).Google Scholar
  13. Kreher, S., & Matthäus, K. (2012). „Armut“ nach gesetzlicher Lesart – ländliches Prekariat – Unterschicht? Zur Wahrnehmung von „Armut“ und zur sozialen Konstruktion der/des Armen in der ostdeutschen Gesellschaft. In S. Kreher (Hrsg.), Von der „Leutenot“ zur „Not der Leute“ (S. 185–220). Wien: Böhlau.Google Scholar
  14. Kutzner, S. (2016). Habitus und Armutsbewältigung. Subjekttheoretische Überlegungen auf Basis dreier Fallstudien. In K. Sammet, F. Bauer, & F. Erhard (Hrsg.), Lebenslagen am Rande der Erwerbsgesellschaft (S. 110–129). Weinheim: Beltz Juventa.Google Scholar
  15. Lantermann, S. (2012). Tradierung trotz Umbruch. Familie in der Überlebensgesellschaft. In A. Willisch (Hrsg.), Wittenberge ist überall. Überleben in schrumpfenden Regionen (S. 113–150). Berlin: Ch. Links.Google Scholar
  16. Manning, P. (1992). Erving Goffman and modern sociology. Cambridge: Polity.Google Scholar
  17. Marquardsen, K., & Röbenack, S. (2010). „…der Freundeskreis, der Bekanntenkreis hat sich total verändert. Rekonstruktionen von sozialen Beziehungskontexten bei Arbeitslosengeld II EmpfängerInnen. In C. Stegbauer (Hrsg.), Netzwerkanalyse und Netzwerktheorie (S. 479–489). Wiesbaden: VS Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  18. Nohl, A.-M. (2012). Interview und dokumentarische Methode. Anleitungen für die Forschungspraxis. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  19. Oschmiansky, F., Schmid, G., & Kull, S. (2003). Faule Arbeitslose? Leviathan, 31(1), 3–31.CrossRefGoogle Scholar
  20. Schmitt, M., & Fuhse, J. (2015). Zur Aktualität von Harrison White. Einführung in sein Werk. Wiesbaden: Springer VS.CrossRefGoogle Scholar
  21. Schulz, C. (2009). „Armut“ und Ausgrenzung bewältigen. Konturen subjektiver Wahrnehmung einer objektiven Herausforderung. Psychotherapie. Forum, 17(2), 51–57.Google Scholar
  22. Schütt, P. (2014). Security First. Erwerbslose im Spannungsfeld zwischen Hilfebezug und prekärem Arbeitsmarkt. Konstanz: UVK.Google Scholar
  23. Simmel, G. (1908). Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung. Leipzig: Duncker & Humblot.Google Scholar
  24. Stegbauer, C. (2010a). Positionen und positionale Systeme. In C. Stegbauer & R. Häußling (Hrsg.), Handbuch Netzwerkforschung (S. 135–144). Wiesbaden: VS Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  25. Stegbauer, C. (Hrsg.). (2010b). Netzwerkanalyse und Netzwerktheorie. Ein neues Paradigma in den Sozialwissenschaften. Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  26. Stegbauer, C., & Häußling, R. (Hrsg.). (2010). Handbuch Netzwerkforschung. Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  27. Vester, M. (2001). Milieus und soziale Gerechtigkeit. In K.-R. Korte & W. Weidenfeld (Hrsg.), Deutschland-Trend Buch (S. 136–183). Opladen: Leske & Budrich.CrossRefGoogle Scholar
  28. Weißmann, M. (2016). Auf der Suche nach Anschluss: Fragile Zugehörigkeitskonstruktionen bei Arbeitslosen. In K. Sammet, F. Bauer, & F. Erhard (Hrsg.), Lebenslagen am Rande der Erwerbsgesellschaft (S. 46–66). Weinheim: Beltz Juventa.Google Scholar
  29. White, H. C. (1995). Network switchings and bayesian forks: Reconstructing the social and behavioral science. Social Research, 62(4), 1035–1063.Google Scholar
  30. White, H. C. (2008). Identity and control. How social formations emerge. Princeton: University Press.Google Scholar
  31. Witzel, A., & Reiter, H. (2012). The problem-centred interview. Principles and practice. London: Sage.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität RostockRostockDeutschland
  2. 2.Thünen-Institut für Ländliche RäumeBraunschweigDeutschland

Personalised recommendations