Konstruktivismus pp 11-13 | Cite as
Kritik und Kontroversen: Debatten in der Medien- und Kommunikationswissenschaft
Zusammenfassung
Die Rezeption derartiger Kern-Sätze des Konstruktivismus in der Medien- und Kommunikationswissenschaft hat einen vermutlich ohnehin virulenten Grundkonflikt zwischen Realisten und Relativisten im Fach noch einmal aktualisiert. Besondere Schärfe gewann die Debatte auch deshalb, weil das charakteristische Mischprogramm des Konstruktivismus, nämlich Erkenntnistheorie und Ethik zu verknüpfen, vehemente Ablehnung provoziert hat. Im Zentrum stand und steht der Vorwurf der Legitimation von Beliebigkeit, der Vorwurf der erkenntnistheoretischen Begründung eines postmodernen ‚Anything goes‘. Weil alles Erkennen in das individuelle Belieben des Einzelnen gestellt werde, weil Welterkenntnis sich weitgehend willkürlich vollziehe, so das Argument der Konstruktivismus-Kritiker, gebe es auch keine gesicherten Maßstäbe mehr, um über die Qualität von Medienangeboten zu richten; die Basis journalistischer Arbeit werde gewissermaßen erkenntnistheoretisch zerstört.