Die Satzung ist nicht genug! Parteien unter dem Mikroskop der strategischen Organisationsanalyse

  • Niko Switek
Part of the Schriften der DVPW-Sektion Regierungssystem und Regieren in der Bundesrepublik Deutschland book series (SDSRDDVFPW)

Zusammenfassung

Informelles Regieren als analytische Perspektive stützt sich im Kern auf die Erkenntnis, dass sich Regieren nicht im Vollzug formaler, das heißt rechtlich fixierter, Prozesse in ebenso formalen Institutionen erschöpft (Grunden 2011).

Einleitung

Informelles Regieren als analytische Perspektive stützt sich im Kern auf die Erkenntnis, dass sich Regieren nicht im Vollzug formaler, das heißt rechtlich fixierter, Prozesse in ebenso formalen Institutionen erschöpft (Grunden 2011). Es finden sich parallele oder alternative Strukturen im Sinne informeller Regelsysteme, die politische Akteure nutzen, um Entscheidungen vorzubereiten, durchzusetzen oder deren Umsetzung zu beeinflussen. Diese Binsenweisheit der politischen Systemforschung lässt sich dabei mühelos von der Analyse des Regierungshandelns auf jene Akteure übertragen, durch die Regierungen in modernen Demokratien erst handlungsfähig werden: die Parteien. Der Blick in die formal fixierte Parteisatzung ist zwar notwendig, um zu verstehen, wie Parteien als kollektive Akteure zu verbindlichen Entscheidungen kommen, aber eben nicht hinreichend. Gerade dass die Ausgestaltung der Satzung nur bedingt Rückschlüsse auf das tatsächliche innerparteiliche Geschehen zulässt, war das Ergebnis des wohl ersten Parteienforschers: In seiner Studie der sozialdemokratischen Partei im deutschen Kaiserreich sah Robert Michels trotz der in der Parteisatzung verankerten Wahlen eine oligarchische Führungsclique am Werk, die sich bei der Steuerung der Partei wenig Sorgen um die Folgebereitschaft der Mitglieder zu machen hatte („ehernes Gesetz der Oligarchie“; Michels 1911). In der Folge stand bei der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Parteiorganisationen häufig die Frage nach dem Spannungsverhältnis von formal fixierter Ordnung und Praxis innerparteilicher Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse im Mittelpunkt.

Während der Appell nach einer umfassenden Einbeziehung und kohärenten Konzeptionalisierung der informellen Dimension in der Parteienforschung also offene Türen einrennt, verweist die damit verbundene Forderung nach einer stärkeren Thematisierung der Meso- und Mikroebene genuin politischer Organisationen (Grunden 2011: 177) auf ein Forschungsdesiderat. Zu oft richten Parteienforscher den Blick einseitig auf Strukturen von Parteien und vernachlässigen dasHandeln innerorganisatorischer Akteure. Es existiert weiterhin nur wenig systematisches Wissen darüber, wie und von wem Macht in einer Partei aufgebaut und ausgeübt wird: „Who is trying to do what – within the party and by the means of the party – and how successful are they? […] Only by looking within we can understand the internal play of party power and why a party functions as it does within the broader political arena“ (Lawson 1994: X).

Dieser Beitrag präsentiert mit der strategischen Organisationsanalyse von Michel Crozier und Erhard Friedberg (1979) sowie ihrer Weiterentwicklung von Günther Ortmann (1990, 1995) einen theoretischen Ansatz, der an die mit dem Forschungsfeld Informelles Regieren verbundenen Prämissen anschließt: Der Ansatz fokussiert die mikropolitischen Aktivitäten der Akteure, indem er sich kleinteilig und detailliert für Machtkämpfe, Interessenkonflikte und Durchsetzungsstrategien interessiert. Dennoch berücksichtigt er auch die Strukturdimension, die in einem dynamischen Verständnis konzeptionalisiert wird, welches die starre Dichotomie von Formalität und Informalität überwindet.

Da sich der Ansatz mikropolitischen Organisationstheorien zuordnen lässt, werden im Folgenden zunächst kurz die grundlegenden Besonderheiten dieses Theoriestranges dargestellt. Anschließend wird das von der strategischen Organisationsanalyse angebotene mikropolitische Instrumentarium erläutert, mit dessen Hilfe innerorganisatorische Entscheidungsprozesse zu fassen und zu analysieren sind. Schließlich wird das Instrumentarium für die Anwendung auf Parteiorganisationen zugespitzt, indem deren besonderen Charakteristika als politische (Frei-willigen-)Organisationen reflektiert werden. Die strategische Organisationsanalyse schärft den Blick für informelle Regeln, Praktiken und Strategien im Innenleben einer Parteiorganisation und unterstützt die Beantwortung der Frage, wie Parteien als fragmentierte Akteure zu verbindlichen Entscheidungen kommen.

Der Beitrag be sitzt in zweierlei Hinsicht Relevanz für das Forschungsfeld Informelles Regieren: Erstens ergeben sich neue Erkenntnisse über die Rahmenbedingungen und Rationalitäten von Regierungshandeln, da der dargestellte Analyseansatz einen innovativen Forschungszugang zu dem Innenleben von Parteien ermöglicht. Zweitens besteht darüber hinaus die Möglichkeit, den theoretischen Rahmen für die Analyse des Innenlebens anderer in den Regierungsprozess involvierter Organisationen (z. B. Staatskanzleien, Ministerien) anzupassen und zu übernehmen.

Mikropolitischer Blick

Das Präfix Mikro bezieht sich zunächst auf die Ebene der Untersuchung. Das Geschehen in Organisationen wird kleinteilig und in hoher Auflösung erfasst. Die Arbeitsgruppe Mikropolitik der Universität Bremen skizziert mit ihrem Forschungsverständnis treffend den Rahmen mikropolitischer Forschung:

„Mikropolitik ist überall, wo Politik geschieht. Sie wird jedoch erst sichtbar, wenn der wissenschaftliche Zugriff auf das politische Geschehen ‚mikroskopisch’ erfolgt. Makrostrukturen der Politik – das sind Institutionen, politische Systeme, grundlegende Politikinhalte. Mikropolitik entsteht in den Augen des Betrachters, wenn eine Maßstabsverschiebung statt findet und unterhalb der Veränderungen von Verfassungssystemen, Regierungen, Gesetzen, Politikergebnissen, internationalen Auseinandersetzungen und Vereinbarungen eine detaillierte Beschreibung der Einzelabläufe auf der Ebene von einzelnen Interaktionen und Kommunikationen, auf der Ebene von politischen Praktiken, gelingt.“ (AG Mikropolitik)

Das hohe Auflösungsvermögen des Mikroskops deckt die unauffälligen Feinstrukturen des politischen Handelns sowie ihre Bedingungen und Konsequenzen auf (Bogumil/Schmid 2001: 30). Über die Fokussierung von Handlungen, Praktiken und Strategien wird eine Akteursperspektive eingenommen. Mikropolitik bezieht sich auf die Individuen, die in organisationalen Kontexten miteinander in Beziehung treten und gemeinsam oder gegeneinander handeln; es interessieren deren Handlungen und Interaktionen in ihrer Wirkung auf den Verlauf organisationaler Prozesse. Zwar spielt sich das Handeln politischer Akteure in modernen Demokratien so gut wie ausschließlich im Kontext stark verregelter Institutionen ab, dennoch bleibt immer ein gewisser Freiraum.

Der Begriff Mikropolitik verfügt aber über eine weitere Bedeutungszuschreibung. Er wurde ursprünglich in der Organisationstheorie geprägt, um sich von instrumentell-sachrationalen Ansätzen abzugrenzen. „Mikropolitik trübt das Bild von sachorientiert und rational handelnden innerparteilichen Akteuren ein“ (Wiesendahl 2010: 54). Thomas Matys (2006: 38) stellt fünf Gemeinsamkeiten mikropolitischer Ansätze heraus: Erstens werden Konzepte, die Organisationen als frei von Werten oder Interessen beschreiben, in Frage gestellt und der Eigensinn der Subjekte betont, der nie vollends zu unterdrücken ist. Zweitens werden die Handlungen der arbeitenden Subjekte in Organisation fokussiert, etwa als Formen des Arrangements und des Widerstands. Ohne die Bedeutung der Führungskräfte für die Schaffung und Veränderung von Ordnungen zu relativieren, weitet man dabei das Blickfeld:

„Die mikropolitische Perspektive überwindet die monokratische Auffassung von Führung zugunsten einerpolyzentrischen, denn jede Position in Organisationen (auch jede Führungsposition) wird sowohl als Quelle wie als Ziel einer großen Zahl von Einflusslinien gesehen […].“ (Hervorhebung im Original; Neuberger 2002: 680 f.)

Drittens ist politisches Handeln ein wesentlicher und unausweichlicher Bestandteil organisierten sozialen Handelns in Organisationen. Die Bedeutung politischer Kategorien wie Interesse, Konflikt und Macht wird herausgestellt (Schrey-ögg 2008: 348 f.). Man fragt typischerweise danach, wie Akteure Macht einsetzen und worauf diese Macht basiert. Viertens generiert menschliches Verhalten vor allem durch informelle Praktiken Macht- und Entscheidungskonfigurationen. Die Praktiken ergänzen als informelle Regelsysteme die formale Ordnung einer Organisation und müssen vom externen Beobachter zum Verständnis organisationsinterner Entscheidungsprozesse rekonstruiert werden. Fünftens ist die Art und Weise, wie individuelle Akteure angesichts von Machtquellen ihre Normen, Ressourcen, Wahrnehmungsmuster, persönlichen Ziele, Zwecke, Bedürfnisse und Erwartungen in organisationale Entscheidungen und Handlungen transformieren, kontingent. Die Wirkung organisationaler Regelwerke zeigt sich daran, dass individuelles Handeln bestimmte Macht- und Kontrollformen aggregiert und damit herrschaftsförmige Handlungs-Struktur-Typen in Organisationen produziert und reproduziert. Im Zentrum steht die Frage nach den Handlungsspielräumen innerorganisatorischer Akteure innerhalb struktureller Grenzen.

Damit verbindet diese Ansätze das gemeinsame Erkenntnisinteresse, wie Organisationsmitglieder Entscheidungen treffen. Mit der Frage nach dem Wie, die auf die Beschreibung von Arten, Weisen, Formen und Strukturen organisatorischer Entscheidungsprozesse zielt, wird die sozialwissenschaftliche Dimension deutlich. „Wenn also Entscheidungen speziell thematisiert werden, geht es nicht um das Erreichen von erfolgreichen’, ‚effizienten’, ‚effektiven’, produktiven’ usw. Entscheidungen, sondern eher um Konstitutions- und Wirkungszusammenhänge von als ‚erfolgreich’, ‚effizient’ usw. bezeichneten bzw. beabsichtigen Entscheidungen und oftmals genau um das Gegenteil: die Techniken und Formen des Verhinderns derartiger Entscheidungen“ (Matys 2006: 25).

Trotz dieser deutlichen Schnittmengen, die eine Übernahme der Ansätze für die Analyse politischer Organisationen aus dem Blickwinkel politikwissenschaftlicher Forschung nahe legen, beklagen Jörg Bogumil und Josef Schmid (2001) eine zu gering ausgeprägte Verbindung zwischen Politikwissenschaft und Organisationsforschung. Das gilt ihrer Ansicht nach besonders für die politikwissenschaftliche Parteien- und Verbändeforschung, die zu einem „Stiefkind“ der Organisationsforschung zählt und sich bisher zu wenig mit organisationsinternen Vorgängen beschäftigt hat. Diese Lücke lässt sich zum Teil sicher auf Zugangsschwierigkeiten (Grunden 2011: 164 f.) und methodische Herausforderungen zurückführen. Für den mikropolitisch orientierten Forscher ergeben sich hinsichtlich der Ausgestaltung konkreter Forschungsvorhaben die gleichen weit reichenden Konsequenzen, wie sie allgemein für die Beschäftigung mit der informellen Dimension politischer Prozesse bestehen: „Substantive research on informal politics requires political scientists to travel outside of their ‚comfort zone’, and to adopt the working assumptions, theoretical approaches, and methodologies of fields such as sociology and anthropology“ (Radnitz 2011: 352). In der Konsequenz orientieren sich auf mikropolitischen Ansätzen basierende Studien mehr an explorativen, induktiven oder abduktiven Herangehensweisen, greifen für die Datenerhebung vorrangig auf Methoden der qualitativen Sozialforschung (z. B. verschiedene Formen von Interviews, teilnehmende Beobachtung; Willner 2011) zurück und folgen bei der Auswertung der Daten meist dem interpretativen Paradigma. „Will sie der unvermeidlichen Kontingenz des zu untersuchenden Phänomens Rechnung tragen, so muss die Organisationsforschung also den Weg eines hypothetisch-induktiven Vorgehens einschlagen, das die jeweils besonderen Spielstrukturen einer Organisation durch die Beobachtung, den systematischen Vergleich und die Interpretation der vielfältigen, in ihrem Rahmen ablaufenden Interaktions- und Tauschprozesse nach und nach rekonstruiert und immer genau erfasst“ (Friedberg 1992: 47).

Trotz dieser Offenheit bleibt bei einer mikropolitischen, kleinteiligen und akteurzentrierten Vorgehensweise die theoretische Fundierung zentral, damit sich das Ergebnis nicht auf detailliertes Nacherzählen beschränkt. Gleichzeitig strukturieren die theoretischen Vorannahmen die Suche selbst: „Die Entwicklung eines theoretischen Modells umfasst deswegen gleichzeitig die Skizzierung eines substantiellen Plans, der eine bestimmte inhaltliche Erwartungshaltung enthält, und die Produktion eines sehr selektiven Scheinwerfers, der mit einer kleinen Frequenzspanne das Untersuchungsfeld (ganz) beleuchtet“ (Blatter/Janning/Wagemann 2007: 152). Inwieweit die strategische Organisationsanalyse einen solchen Plan bzw. Scheinwerfer für die Auseinandersetzung mit dem konkreten Geschehen in einer Organisation zur Verfügung bietet, wird im Folgenden dargestellt.

Strategische Organisationsanalyse

Die Organisationssoziologen Crozier und Friedberg führen ihre in einzelnen empirischen Studien gesammelten Erkenntnisse über das Innenleben von Organisationen in ihrem Hauptwerk Macht und Organisation: die Zwänge kollektiven Handelns (1979) zusammen.1 Sie formulieren dabei keine ausgefeilte, systematische Organisationstheorie, sondern zielen darauf ab, eine neue Denk- bzw. Sichtweise auf Organisationen zu stimulieren. Im Folgenden wird entlang der zentralen Begrifflichkeiten ihres Ansatzes aufgezeigt, inwieweit sie sich von anderen

Konzepten abgrenzen und welche Konsequenzen sich für eine konkrete, empirische Organisationsanalyse ergeben.

Macht, Strategie und Spiel

Ausgangspunkt ist auch bei ihnen die Frage nach der Möglichkeit kollektiven Handelns, die sie grundlegend mit dem Verweis auf die Bedeutung von Macht beantworten: „Jede ernstzunehmende Analyse kollektiven Handelns muss also Macht in das Zentrum ihrer Überlegungen stellen, denn kollektives Handeln ist im Grund nichts anderes als tagtägliche Politik. Macht ist ihr ‚Rohstoff’“ (Crozier/Friedberg 1993: 14). Darunter ist aber keine Reduktion auf eine erzwingende Macht der Organisationsführung zu verstehen. Crozier und Friedberg verknüpfen vielmehr Macht mit Freiheit. Die Akteure in einer Organisation sind in ihren Handlungen nie vollständig determiniert und verfügen immer über einen Freiraum (egal wie klein dieser auch ausfallen mag). Macht ist nicht nur als Zwang zu fassen, sondern Ausdruck der Tatsache, dass Akteure die freie Wahl zwischen Handlungsalternativen haben. Macht bedeutet Handlungsfähigkeit. Jeder Akteur in einer Organisation kontrolliert eine Ungewissheitszone, indem sein Verhalten für andere Organisationsmitglieder nur bedingt vorherzusehen ist. Je größer die Ungewissheitszone, umso größer die Macht des Akteurs. Allerdings ist Macht kein Besitz oder Attribut, sondern an soziale Beziehungen gebunden. Sie äußert sich als Tausch- und Verhandlungsbeziehung und hängt immer davon ab, inwieweit Akteure ihre Machtpotentiale realisieren.

Mit dieser Akteurzentrierung relativieren Crozier und Friedberg die Rolle von Organisationsstrukturen, die bei ihnen nicht mehr als die sichtbarste und formalisierteste Form strukturierter Handlungsfelder sind. Die Organisation steht Individuen nicht als eigenständiger Rahmen in ihren Handlungen gegenüber, sondern ist selbst Folge von Handlungen und spezifische Lösung autonomer Akteure mit ihren Ressourcen und Fähigkeiten zur Ermöglichung kollektiven Handelns. Organisationen sind soziale Ordnungen, die durch die Handlungen der Akteure konstruiert, reproduziert oder verändert werden (Alt 2005: 305). Die Strukturen bilden zugleich Medium und Produkt des Handelns.2 Wie einer solchen, dynamisierten Ordnung nichtsdestotrotz hohe Stabilität zukommen kann, illustriert

Rainer Paris anschaulich über den Zusammenhang von Macht und Normalität in der Gesellschaft als Ganzes:

„Wir werden in soziale Verhältnisse hineingeboren und bewegen uns ständig in Gesellschaftskontexten, die mehr oder minder herrschaftsstrukturiert sind. Dies ist der Hauptgrund der Normalität der Macht: Sie besteht einfach darin, dass die Ordnung der Gesellschaft in vielerlei Hinsicht eine Herrschaftsordnung ist, ein Gefüge, das wir immer schon vorfinden und als unabänderliche Gegebenheit zunächst hinnehmen müssen. Es gibt in unserem Alltag kaum eine Situation, die nicht in irgendeiner Weise durch formelle oder informelle Hierarchien geprägt oder zumindest beeinflusst wäre. Indem Herrschaft Ordnung schafft, konstituiert sie einen Rahmen der Normalität, der uns Orientierung und Sicherheit bietet.“ (Paris 2009: 1 f.)

Aus diesem Blickwinkel verschwimmt nun die Unterscheidung von informellen und formellen Regelsystemen. Zwar gilt weiter, dass die Formalstruktur Legitimität erzeugt, weil Handelnde sich darauf berufen können. Sie schützt Akteure, weil sie Recht festschreibt und einen relativ gesicherten Bestand (vorübergehend) unstrittiger Regeln stabilisiert, wodurch sie wiederum Komplexität, Unsicherheit und manifeste Konflikte reduziert. Dennoch ist bei dieser Form der Organisationsanalyse weniger die Frage nach der formalen Fixierung von Regeln von Bedeutung, sondern die Frage nach deren Verbindlichkeit (Grunden 2011: 172 f.): Entscheidend ist, wie sich Akteure in ihrem Handeln auf welche Regelkomplexe beziehen und inwieweit Regelabweichungen sanktioniert werden.

Die Verbindung von Zwängen einer Herrschafts- bzw. Organisationsordnung und dem Freiraum der Akteure fassen Crozier und Friedberg mit dem Begriff der Strategie (Crozier/Friedberg 1979: 25 ff.). Das strategische Handeln ist allerdings nicht im Sinne eines rein rationalen Zweck-Mittel-Kalküls zu verstehen. Sie folgen zunächst den bereits von Herbert Simon herausgestellten Begrenzungen bzw. Einschränkungen der Rationalität („bounded rationality“; Simon 1981) und ergänzen zudem eine sozialpsychologische Note: Die Anwesenheit Anderer und die Vorstellungen über deren Denken und Handeln beeinflussen das Denken, Handeln und somit Entscheiden eines jeden Organisationsmitglieds. Somit sind Handlungen nur rational im Kontext von Handlungsgelegenheiten sowie unter Berücksichtigung des Verhaltens anderer Akteure. Eine Strategie kann vermeintlich rationale wie augenscheinlich irrational-erratische Verhaltensweisen umfassen (Crozier/Friedberg 1979: 34). Die Organisationsanalyse sucht hinter den das alltägliche Verhalten der Akteure bestimmenden Stimmungen und affektiven Reaktionen nach Regelmäßigkeiten, die nur in Hinsicht auf eine Strategie sinnvoll sind. Diese muss damit weder bewusst sein noch mit dem Akteurswillen übereinstimmen. Strategien sind vom Forscher rekonstruierte Muster von Akteurshandlungen unter Einbeziehung der auf sie wirkenden Zwänge. Der Strategiebegriff dient der Aufdeckung von Strukturen und nicht von Motivationen, die Verhaltensregelmäßigkeiten geben Auskunft über die Systemzwänge. Er überwindet die artifizielle Trennung von Handlungs- und Strukturebene und vereint die Perspektive auf Akteur und Organisation.3

Das stellt hohe Anforderungen an den Forscher, der bei der nachträglichen Rekonstruktion und Interpretation die beobachteten Verhaltensweisen eben nicht am Maßstab einer äußerlichen Rationalität bewertet, sondern versucht, sie zu verstehen. Dabei besteht immer die Gefahr, die Handlungen der Akteure nachträglich rational aufzuladen oder ihnen Intentionen zu unterstellen, wie es etwa der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder aus seinen Erfahrungen schildert:

„Was sich zufällig ereignet, entpuppt sich, wenn man ein bestimmtes Image hat, im Nachhinein als höhere Strategie. Darüber schweige ich dann. Das weise ich nicht zurück. Wenn man erstmal als Machtmensch angesehen wird, ist alles kühl geplant, gerinnt der Zufall zur Strategie.“ (Gerhard Schröder zit. nach Anda/Kleine 1996: 246)

Crozier und Friedberg führen ihre Vorstellungen von Macht als Autonomie der Akteure und den Strategien als Verbindung von Akteuren und Strukturen im Begriff des Spiels zusammen. Das Spiel ist für sie der indirekte soziale Integrationsmechanismus, der die divergierenden und widersprüchlichen Verhaltensweisen relativ autonomer Akteure verbindet.

„Die Aufmerksamkeit wird somit auf Integrationsmechanismen gelenkt, die gewährleisten, dass Organisationsmitglieder in Verfolgung ihrer Strategien gerade auch Beiträge leisten, die indirekt – weil nicht von unmittelbaren Nutzen für die einzelnen Teilnehmer – den Bestand der Organisation sichern.“ (Ortmann 1995: 57)

Das Spiel löst die an ihre Prämissen nicht mehr anschlussfähige Maschinenmetapher ab:

Das Spiel ist für uns mehr als ein Bild, es ist ein konkreter Mechanismus, mit dessen Hilfe die Menschen ihre Machtbeziehungen strukturieren und regulieren und sich doch dabei Freiheit lassen. Das Spiel ist das Instrument, das die Menschen entwickelt haben, um ihre Zusammenarbeit zur regeln. Es ist das wesentliche Instrument organisierten Handelns. Es vereint Freiheit und Zwang. Der Spieler bleibt frei, muss aber, wenn er gewinnen will, eine rationale Strategie verfolgen, die der Beschaffenheit des Spiels entspricht, und muss dessen Regeln beachten. Das heißt, dass er zur Durchsetzung seiner Interessen die ihm auferlegten Zwänge zumindest zeitweise akzeptieren muss. Handelt es sich, wie immer bei Organisationen, um ein Kooperationsspiel, so wird das Produkt des Spiels das von der Organisation gesuchte gemeinsame Ergebnis sein.“ (Crozier/Friedberg 1993: 68)

Die Spiele vernetzen sich zu konkreten Handlungssystemen, die Organisation bildet die Gesamtheit aneinander gegliederter Spiele. Die Funktionsweise einer Organisation ist das Resultat einer Reihe untereinander artikulierter Spiele, deren Regeln indirekt die Integration der widersprüchlichen Machtstrategien der Organisationsmitglieder bewirken.

„Derartige institutionalisierte Spiele als Lösungsmechanismen, die relativ autonome Akteure mit ihren jeweiligen Verhandlungsfähigkeiten und Ressourcen für das Dilemma ihrer notwendigen Zusammenarbeit gefunden haben, sind weder neutral, noch unangefochten, noch geschlossen. Sie spiegeln Kräfteverhältnisse wider, und ihre Strukturen und Regeln können selbst Einsätze in einer Art ‚Metaspiel’ sein, das auf eine Veränderung der Kräfteverhältnisse abzielt“ (Ortmann 1995: 57). Die Strategien können wiederum die Spielregeln längerfristig verändern. Die Akteure beeinflussen durch ihre Strategien und Interpretationen das Spiel und die Spielregeln. „Zeigen sich diese Strategien als erfolgreich, gewinnen sie – auch bei partieller Abweichung von Spielregeln – an Relevanz und ziehen eine Veränderung der Organisationsstruktur – oder allgemeiner gefasst: sozialen Wandel – nach sich.“ (Hennen/Schmidt 2004: 100)

Durch diese Annahmen ergibt sich zwingend auch ein anderes Verständnis für die Organisationsumwelt. Die Umwelt wirkt nicht im Sinne eines deterministischen externen Drucks, eine Organisationsform ist nie nur anhand von Umwelteinflüssen erklärbar. Vielmehr bilden die für eine Organisation relevanten Umweltsegmente einen Einsatz der Akteure in Spielen. Umwelteinflüsse wirken immer nur vermittelt über die Handlungen der Akteure, indem diese sie in ihre Strategien einfließen lassen.

Der mikropolitische Ansatz von Crozier und Friedberg lässt sich damit wie folgt zusammenfassen: Eine Organisation wird als Gesamtheit miteinander verzahnter Spiele als kontingente Konstrukte bzw. spezifische Lösungen der Organisationsmitglieder verstanden, die durch ihre Spielregeln eine Integration der verschiedenen und potentiell konfligierenden Machtstrategien bewirken (Ortmann 1995: 33). Insgesamt handelt es sich um eine originelle Sichtweise, die den Blick für Nischen des kreativen Akteurhandelns weitet und gleichzeitig ein überzeugendes Verständnis für den schleichenden Wandel der organisatorischen Regeln beinhaltet. Allerdings bleibt aufgrund der abstrakten Begrifflichkeiten – trotz eines eigenen Kapitels zu den forschungspraktischen Konsequenzen ihres Ansatzes (Crozier/ Friedberg 1993: 289-303) – die Ausgestaltung eines Forschungsprogramms vage.

Modalitäten und Spieltypen

Günther Ortmann schlägt daher zwei zentrale Modifikationen vor, um die strategische Organisationsanalyse für die empirische Forschung geeigneter zu gestalten (Ortmann 1990, 1992, 1995). Erstens verknüpft er die Organisationsanalyse mit der

Strukturationstheorie von Anthony Giddens (1988), um über die verschiedenen Dimensionen von Struktur- und Handlungsebene eine gewisse ‚Operationalisierung’ zu ermöglichen und zweitens führt er eine Unterscheidung von Spieltypen ein.

Ortmann verweist zunächst auf Giddens, um den Machtbegriff zu materialisieren’, der ihm bei Crozier und Friedberg zu sehr auf Wissen und Kommunikation fokussiert ist. Giddens fasst die Strukturen als Herrschaftsordnungen, die aus Sets von Regeln und Kombinationen von Ressourcen bestehen. Weiterhin unterscheidet er zwei Arten von Regeln (Giddens 1988: 69 ff.): Regeln der Konstitution von Sinn bilden die kognitive Ordnung eines sozialen Systems. Hierunter fallen alle Aspekte, die mit der Interpretation der Welt als Grundlage von Handeln zusammenhängen. „Die organisationale Realität ist interaktiv ausgehandelt durch den Gebrauch von Symbolen, die in der Kommunikation benutzt werden und die soziale Ordnung reproduzieren“ (Bogumil/Schmid 2001: 65). Diese Sichtweise verdeutlicht nicht nur die Wirkung von Fach- und Organisationsvokabular auf Wahrnehmungen und Handlungen der Akteure, sondern enthüllt gleichzeitig die auf Herrschaftsansprüchen aufsetzenden und diese unterstreichenden Funktionen bestimmter Kommunikationsformen (Matys 2006: 37). Regeln der Sanktionierung sozialen Handelns begründen die normative Ordnung einer Organisation. Diese lassen sich unterteilen in praktizierte Regeln als verallgemeinerbare Verfahren und formulierte Regeln, die nicht Regeln in jenem Sinne, sondern kodifizierte Interpretationen von Regeln sind.

„Die ‚Rechtsordnung’ der Organisation ist einerseits Koordinierungsinstrument, indem sie Korridore zulässigen Handelns festlegt, und andererseits im Konfliktfall Berufungsinstanz, indem sie Rechtfertigung liefert. Legitimation begründet und begrenzt Machtansprüche.“ (Bogumil/Schmid 2001: 65)

Ein solcher Blick hilft, die – zum Teil nicht intendierte – herrschaftliche Wirkung organisationaler Regelwerke zu entschlüsseln (Matys 2006: 37).4 Ortmann fasst die beiden Regelarten mit dem Begriff der Organisationskultur zusammen.

Ferner unterscheidet Giddens zwischen autoritativen und allokativen Machtressourcen (Giddens 1988: 315 f.). Autoritative Ressourcen beziehen sich auf die Kontrolle der Mittel der Organisation von Raum und Zeit sowie der Koordination vieler Menschen und der Verteilung ihrer Lebenschancen. Hierzu zählen etwa die funktionale Arbeitsteilung aber auch akteurspezifische Qualifikationen. Allokative Ressourcen beziehen sich auf die Kontrolle materieller Aspekte sozialer Situationen, z. B. die Verfügung über Geld. Hiermit kann etwa Verhalten belohnt oder Abweichung mit Belohnungsentzug bedroht werden.

Die Regeln und Ressourcen in ihren vier Ausprägungen stellen die Machtmittel dar, mit denen Machtstrukturen reproduziert und die zugleich von ihnen zur Verfügung gestellt werden. Konstitutiv für Machtausübung ist der Gebrauch von Mitteln, die aus einer Struktur stammen, die durch eben diese Machtausübung zugleich reproduziert und eventuell verändert wird. Machtbeziehungen erzeugen und reproduzieren somit immer wieder die zu ihrer Ausübung notwendigen Strukturen. Die Akteure beziehen sich in ihren Handlungen über verschiedene Modalitäten auf diese Mittel (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1

Instrumentarium zur mikropolitischen Analyse von Organisationen

Quelle: Eigene Verbindung von (Ortmann 1990: 27,30) und (Ortmann 1995: 60).

Im Grunde genommen hat jede Dimension das gleiche Potential, die Machtposition eines Akteurs zu festigen und ihm eine Durchsetzung seiner Strategien zu erlauben:

„Die Macht, die aus einem geschickten strategischen Umgang mit Signifikations- und Legitimationsregeln abgeleitet werden kann, muss dabei durchaus nicht geringer sein als die, die aus der Verfügung über und der Nutzung von Ressourcen resultiert.“ (Matys 2006: 37)

Inwieweit Akteure tatsächlich Macht aus einer Kombination dieser Dimensionen ableiten, ist aber letztlich kontingent und hängt vom jeweils betrachteten Entscheidungsprozess ab.

Diese Konzeptionalisierung des Strukturbegriffs erlaubt zwei unterschiedliche Sichtweisen: Während die erste auf das institutionelle Element, das heißt die Reproduktion bestehender Strukturen durch das Handeln der Akteure, abhebt, legt die zweite den Schwerpunkt mehr auf den kreativen Umgang der Akteure mit den Regeln und Ressourcen, der es ihnen erlaubt, die Strukturen oder Regeln in und durch ihr Handeln zu verändern. Beispielsweise können Akteure versuchen, durch die Etablierung neuer oder die Revitalisierung alter Wahrnehmungsmuster oder Leitbilder ihre Macht auszuweiten. Die beiden Sichtweisen fasst Ortmann anhand von zwei Spieltypen zusammen, indem er Routine- und Innovationsspiele unterscheidet (Ortmann 1990: 58 f.):

„Routinelogik zielt auf die Erhaltung der Prozessbeherrschung, also auf die Kontrolle des alltäglichen organisationalen Geschehens. Innovationslogik steht dagegen für den Versuch, Prozessbeherrschung neu zu verteilen.“ (Bogumil/Schmid 2001: 68)

Routinespiele sind gekennzeichnet durch Beständigkeit, Zuverlässigkeit und inkrementelle Veränderungen, während sich in Innovationsspiele die Spielregeln und Gewinne verändern. Bei letzteren müssen Akteure neue Strategien finden und die Verteilung von Macht und Kontrolle sowie der Wert von Ressourcen ändern sich.

Die Trennung der verschiedenen Dimensionen und beiden Spieltypen ist dabei eine rein analytische, in der Realität sind diese im Handeln der Akteure verwoben. Das Instrumentarium bietet eine Art Hilfsmittel oder Heuristik, welche die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer konkreten Organisation strukturiert und die Interpretation des Organisationsinnenlebens anleitet – es ist nicht als starres und zu füllendes Raster misszuverstehen.

Parteien als politische Organisationen

Zentrales Merkmal einer Partei ist ihre Aktivität in der elektoralen Arena. Parteimitglieder treten in Wahlen an, um politische Ziele zu erreichen und/oder politische Ämter zu besetzen. Im Ergebnis verbinden Parteien die gesellschaftliche mit der staatlichen Sphäre. In der Funktion eines Transmissionsriemen sind Parteiorganisationen ein notwendiges Element demokratisch verfasster Systeme (Korte/Fröhlich 2009: 133 ff.). Ihnen kommt damit eine Monopolstellung zu, was Personalrekrutierung und politische Entscheidungsfindung angeht. Neben den daran geknüpften instrumentellen Anreizen spielen bei der Entscheidung für eine Parteimitgliedschaft aber auch andere, politikferne Faktoren wie soziale Erwartungen, Weltanschauung oder Sympathien und Spaß eine Rolle (Whiteley/Seyd 2002).5 Hierdurch koexistieren in einer Partei die zwei unterschiedlichen Welten von Berufspolitiker- und Freiwilligenpartei:

„Das ist auf der einen Seite der mehr außenumweltbezogene und relativ stark strukturierte Bereich des politischen Geschäftsbetriebes mit seinen strategisch und operativ reaktionsfähigen, erwartungselastischen und veränderungsflexiblen Strukturen, die durch funktionale Spezialisierung, Aufgaben- und Kompetenzbegrenzung sowie professionelles, sachrationales und ritualisiertes Handeln verstetigt sind. Auf der anderen Seite lassen sich mehr selbstbezogene, zur Innenumwelt ausgerichtete labile Beziehungs- und Handlungsbereiche ausmachen, die zweckdiffuse, personen- und anwendungsorientierte Vertrautheitsstrukturen ausbilden, um instrumentell-expressiv normativen und sozio-emotionalen Handlungs- und Bestätigungsbedürfnissen ein nicht an Aufgaben und Rollen gebundenes unmittelbar-authentisches Ausleben zu ermöglichen.“ (Roth/Wiesendahl 1985: 24)

Die Koexistenz der beiden Welten bedingt unterschiedliche Spiele. Die Mitglieder verfolgen j e nach Organisationswelt nicht nur unterschiedliche Strategien, ihr Einsatz in den Spielen ist ein anderer: Mitglieder mit Parteiamt oder Abgeordnetenmandat sowie hauptamtliche Mitarbeiter sind in höherem Maße abhängig von Stabilität und Bestand der Parteiorganisation, während sich einfache Mitglieder leichter für einen Austritt entscheiden können.6

Vor dem Hintergrund dieser spezifischen Charakteristika wird im Folgenden das im vorhergehenden Kapitel vorgestellte Instrumentarium entlang der vier Modalitäten für die Analyse von Parteiorganisationen zugespitzt sowie die Bedeutung der Umweltdimension erläutert.

Deutungsschemata

Für Parteien sind Deutungsschemata von hoher Relevanz. Viele der existierenden Parteien wurzeln in den großen Ideologien des 19. Jahrhunderts, entsprechend werden sie auch als Weltanschauungsgemeinschaften oder „säkularisierte Kirchen“ (Franz Müntefering zit. nach Wiesendahl 2006: 147) bezeichnet. Es ist ein Wesensmerkmal von Parteien, dass sich in ihnen gleichgesinnte Individuen zusammenschließen, die ihre Umwelt bzw. die Gesellschaft entlang ihren politischen Vorstellungen verändern wollen. Gleichzeitig wirken die Deutungsschemata in die andere Richtung, indem sie Wahrnehmungsmuster für Mitglieder bieten und dadurch sozialisierend wirken (Wiesendahl 1996). Parteimitglieder sehen die Welt durch eine Parteibrille: Bei der diffusen, vagen und wechselnden Problemwahrnehmung über die Formulierung hin zur Definition bedienen sich Akteure einer Art kognitiven Landkarte der Welt und ihrer Möglichkeiten, mit der deren Vielfalt und Mehrdeutigkeiten reduziert werden (Ortmann 1990: 43 f.).

Umso höher die Zahl der Mitglieder in einer Partei, umso heterogener und vielschichtiger fallen die Deutungsschemata aus. Nur selten verfolgen tatsächlich alle Mitglieder zur gleichen Zeit dieselben politischen Ziele, zumal deren Auslegung umstritten sein kann. Welche ideologischen und programmatischen Konzepte sich innerhalb einer Partei durchsetzen oder mehrheitsfähig werden, hängt dabei nicht nur von der Überzeugungskraft konkurrierender ideologischer Muster ab, sondern ist Resultat innerparteilich geführter Machtkämpfe (Hüllen 1990: 18). Diese Konflikte sowie die ständig ablaufenden Interpretations- und Umdeutungsversuche sind Treibstoff für einen kontinuierlichen Wandel. Um die Konflikte einzuhegen und zu stabilisieren sowie die Heterogenität zumindest temporär auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, wird eine schriftliche Fixierung der Deutungsschemata in Programmen (Leitbildern) als Bestandteil der Formalstruktur der Partei vorgenommen.7 Dies geschieht auf unterschiedlichen Ebenen: Vom abstrakten Grundsatzprogramm mit Aussagen zu Grundwerten und langfristigen Zielen über die kurzfristigen, auf eine spezifische Situation bezogenen Wahlprogramme bis hin zu kleinteiligeren Beschlüssen formaler Parteigremien zu inhaltlichen (Streit-)Fragen. Da solche Festlegungen immer einen Entscheidungskorridor für spätere Interaktionen bilden, sind diese Prozesse entsprechend umkämpft. Sie bilden Innovationsspiele, in denen es um die Festlegung bzw. Festschreibung von Leitbildern und damit Spielregeln geht (z. B. bei einem Wahlprogramm als ein Rahmen für potentielle Koalitionsverhandlungen oder in einem Koalitionsvertrag für das spätere Regierungshandeln). Somit steigt das parteiinterne Aktivitätsniveau bei solchen Entscheidungen stark an – bei der Neugestaltung eines Grundsatzprogramms oder bei anderen grundlegenden Fragen fühlen sich potentiell alle Mitglieder angesprochen.

Zwischen den allgemeinen Deutungsschemata einer Partei und den Positionen der einzelnen Mitglieder stehen als Strukturierungsmoment die innerparteilichen Strömungen oder Faktionen. Diese strukturieren die Zieldissonanzen in einer Partei und bieten ihren Mitgliedern – ausgehend von den gemeinsamen ideologischen Grundlagen – variierte oder eigene Deutungsschemata (Köllner/ Basedau 2006: 14). Trotz der dem Namen nach spaltenden Wirkung erfüllen diese durchaus eine Funktion für die Herstellung kollektiver Handlungsfähigkeit: „Faktionen können für die Einheit der Partei förderlich sein, indem sie unterschiedliche (Gruppen-)Interessen artikulieren und kanalisieren helfen“ (Köllner/Basedau 2006: 22). Das Nebeneinander ist aber nur so lange möglich, wie die Akteure eine gewisse Gemeinsamkeit bei den Zielen erkennen: „[…] ohne einen Mindestvorrat an strukturverbindenden und -stabilisierenden gemeinsamen Orientierungen und Überzeugungen, Verbundenheit und Loyalität oder kollektive Identität [kann] der organisatorische Verbleib und Zusammenhalt der Parteimitglieder nicht gewährleistet werden“ (Roth/Wiesendahl 1985: 27).

Aufgrund der Heterogenität der Deutungsangebote ist eine gewisse Unbestimmtheit und Fragmentierung ein zwangsläufiges Strukturmerkmal von Parteien (Wiesendahl 1998: 298). Diese lose verkoppelte Fragmentstruktur ermöglicht erst die Bewältigung der höchst zieldivergenten Aufgaben und Handlungen, indem sie die Konfrontation unverträglicher Erwartungen verhindert und Konfliktpotentiale neutralisiert (Roth/Wiesendahl 1985: 26).

Ein gutes Beispiel für abweichende Deutungen auf Grundlage eines gemeinsamen ökologischen Leitbilds findet sich etwa in der Entstehungsphase der Grünen in Deutschland, wo die Auffassung über den Umgang mit einer parlamentarischen Vertretung die Parteiströmungen spaltete (Hüllen 1990: 197 ff.): Während sich die pragmatischen Vertreter in den Fraktionen auf die Spielregeln aktiver Parlamentsarbeit einlassen wollten, verstanden die radikalen Gruppierungen das Parlament nur als Bühne zur Enttarnung der verfehlten Politik der etablierten Parteien. Zwar waren heftige parteiinterne Konflikte die Folge, dennoch kam es nicht zur Spaltung.

Normen

Die formulierten Regeln einer Parteiorganisation unterscheiden sich insofern von anderen Organisationstypen, da sie Elemente einer demokratischen inneren Ordnung aufweisen. Das lässt sich einerseits theoretisch begründen, da sich die Mitglieder einer Partei als Gemeinschaft von Gleichen gemeinsam darauf verständigen, Macht an eine Führungsspitze zu delegieren: „Was es an Führungspositionen gibt, wird durch Entscheidungen von Seiten der dieser Führung Unterworfenen bestimmt, ebenso wie – in Form von Wahlen – die personelle Besetzung dieser Positionen“ (Schimank 2002: 10). Auf der anderen Seite ließe sich aus einer funktionalen Sicht anführen, dass nur mit Hilfe innerparteilicher Demokratie die für ein demokratisch verfasstes System notwendige Transmissionsriemenfunktion sichergestellt ist – weshalb entsprechende Normen in den meisten Ländern Bestandteil der Parteiengesetze sind. In einer Partei existiert in der Regel eine Art (repräsentative) Versammlung, welche die Organisationsführung wählt und kontrolliert sowie bei anderen grundlegenden Entscheidungen mitspricht. Die Führung einer Partei ist somit immer abhängig von der Zustimmung der Geführten und potentiell instabil; die kollektive Handlungsfähigkeit ist nie völlig ungefährdet: „Führung muss durch eigenes Verhalten und dessen Inszenierung dafür sorgen, dass die ‚Basis’ bei der Stange bleibt“ (Schimank 2002: 15). Mit anderen Worten: Sie muss das Spiel der Legitimationsbeschaffung betreiben.

Der Blick ist aber über die formulierten Regeln als kodifizierte Interpretationen von Regeln hinaus auf die praktizierten Regeln zu richten. So wurde bereits auf die Erkenntnis von Michels verwiesen, dass den Spielen Vorteilsmomente für die gewählte Führung inhärent sind (Michels 1911): Die Delegation von Aufgaben bringt einen unausweichlichen Vorsprung der Führungsschicht im Organisations- und Fachwissen mit sich, wodurch sich das prekäre Verhältnis von Führung und Basis stabilisiert. Gleiches gilt für die innerparteilichen Faktionen, die je nach Ausprägung das Handeln der Akteure in Entscheidungsprozessen beeinflussen: Eine kaum organisierte Strömung mit einer Führung auf ad-hoc-Basis mag Forderungen nur schwer durchsetzen oder sanktionieren können, während eine institutionalisierte Faktion mit schriftlich festgelegten Positions- und Aufgabenzuweisungen, gruppeninternen Regeln und Prozeduren routinierter Art und eigenen Publikationen aller Wahrscheinlichkeit nach einen machtvollen Faktor bei der Entscheidungsfindung bildet (Köllner/Basedau 2006: 14).

Ferner besteht bei Parteien hinsichtlich der formalen Regeln die Besonderheit, dass diese sich in der horizontalen und (abhängig vom föderalen Charakter des Staates) vertikalen Dimension in verschiedene Einheiten unterteilen. Horizontal stehen sich die Partei im engeren Sinne sowie ihre parlamentarische Vertretung gegenüber. Die Parlamentsfraktionen sind eigene und unabhängige Organisationen, die durch die Verpflichtung auf ein gemeinsames politisches Programm und personelle Verschränkungen mit der außerparlamentarischen Partei verbunden sind. Die Frage nach der kollektiven Handlungsfähigkeit einer Gesamtpartei umfasst damit zwei Welten mit unterschiedlichen Spielregeln: Die Fraktion ist in ihren Verfahren und Abläufen durch Verfassungsregeln und Geschäftsordnungen geprägt, die auf den Bereich der Gesetzgebung ausgerichtet sind. Regelabweichungen werden nicht geduldet und rechtlich sanktioniert. Das Handeln der Mitglieder in der außerparlamentarischen Partei orientiert sich an anderen Zielen und steht unter geringerer Aufsicht, unterliegt dabei aber ebenso Vorschriften:

„Nicht nur der formale Aufbau bundesdeutscher Parteien, sondern auch deren formale interne Machtverteilung ist durch verfassungsrechtliche determinierte Rechtsnormen vergleichsweise detailliert geregelt. Wahlgesetz und Parteiengesetz enthalten eine Vielzahl von Bestimmungen, die den Parteien hinsichtlich der Gestaltung der Regeln für die innerparteiliche Willensbildung und für die Aufstellung von Wahlbewerbern wenig Gestaltungsspielraum lassen.“ (Poguntke 1997: 265)

In der vertikalen Dimension spiegeln die deutschen Parteien in ihrem Aufbau die Ebenen des föderalen Staatsaufbaus (Lehmbruch 2000). Alle Parteien sind Föderationen vergleichsweise machtvoller und unabhängiger Landesparteien. Analog zu der nationalen Parteispitze gibt es Parteiführungen in den Ländern und auf kommunaler Ebene – gleiches gilt für die Partei im Parlament bzw. in der Regierung. Bei der Analyse innerparteilicher Dynamiken müssen daher die Kooperations- und Wettbewerbsmuster zwischen den Ebenen (lokal, regional, national) berücksichtigt werden, zumal sich diese Muster je nach betrachteter Ebene unterscheiden können (Katz 2002: 92).

Ein interessantes Beispiel für den Zusammenhang von Normen einer Organisation mit den Deutungsschemata findet sich wiederum bei grünen Parteien, wo Parteiorganisationen und ideologische Identität eng verknüpft sind. Zunächst fand in der Gründungsphase die Orientierung am ideologischen Leitbild der Basisdemokratie ihren Niederschlag in den Parteistrukturen, indem man organisatorische Instrumente wie imperatives Mandat, Öffentlichkeit von Veranstaltungen oder Ehrenamtlichkeit des Vorsitzes implementierte. Zwar wurden viele der Regeln unter dem Druck der politischen Praxis modifiziert oder abgeschafft, dennoch finden sich die damit verbundenen Vorstellungen weiter in Wahrnehmungsmustern und Organisationsvokabular der Parteien:

“[…] the antielitist, participatory, internal political culture results in decision-making processes that are substantially more open to individual participation and influence than in established parties.“ (Poguntke 1994: 18)

Damit wird deutlich, wie die Sets von Regeln als Organisationskultur eine Partei zusammenhalten und stabilisieren:

„Die Organisationskultur spannt gleichsam über den Fragment- und Ambiguitätscharakter der Parteiorganisation ein übergreifendes Referenzsystem, das als Klammer die desintegrativen Strukturmerkmale, wie Unbestimmtheit und Unabgestimmtheit, Regelungsschwäche. Zersplitterung und Abschottung, überlagert.“ (Roth/Wiesendahl 1985: 27 f.)

Autoritativ-administrative Machtmittel

Akteure stützen sich in ihrem innerparteilichen Handeln nicht nur auf Regeln, sie greifen dabei auf Machtressourcen zurück. Zu einem großen Teil leiten sich diese Machtmittel aus der administrativen Ordnung bzw. der Arbeitsorganisation ab. So befinden sich Parteimitglieder mit einem Mandat (party in public office) in einer machtvollen innerorganisatorischen Position, da ihr Einkommen sie unabhängig macht und sie eigene Mitarbeiter beschäftigen können (Katz 2002: 93 ff.). Sie haben Zugriff auf Fraktionsressourcen und die Möglichkeit der direkteren Beeinflussung der Gesetzgebung.

„Gestützt auf den Ausbau der öffentlich finanzierten Fraktionshilfsdienste und wissenschaftliche Dienste der Parlamente sowie infolge der dadurch möglich gewordenen Professionalisierung der Abgeordnetenrolle kommt beispielsweise den Experten in den Arbeitskreisen und -gruppen der Fraktionen des Deutschen Bundestages heute in der Realität eine herausragende Rolle in der Politikformulierung zu.“ (Saalfeld 2007: 160 f.)

Nichtsdestotrotz unterliegen sie weiterhin Zwängen zur Kooperation, die ihnen die Spielregeln der Partei als Ganzes auferlegen: Um ihr Mandat zu behalten, ihre Karriere voranzubringen sowie ihre Politikziele umzusetzen, benötigen sie Unterstützung an der Parteibasis, in den Parteigremien und in der Fraktion (Katz 2002: 94).

Administrative Ressourcen im außerparlamentarischen Bereich sind vor allem in den Parteizentralen auf Bundes- bzw. Länderebene (party in central office) als Unterbau der Parteiführungen gebündelt (Bukow 2013). Die Parteigeschäftsstellen sorgen allgemein für den Bestand der Organisation, kontrollieren die Abgeordneten im Sinn der Basis und werden vor allem bei der Organisation des Wahlkampfs aktiv. Interessant ist hierbei die zu beobachtende Strategie, dass im Vorfeld von Wahlen ad-hoc informelle Gremien zum Wahlkampfmanagement gebildet werden. Mit ihnen soll die Fragmentierung reduziert und eine Verzahnung der beiden Welten geleistet werden. Aufgrund ihrer Zusammensetzung sind sie loyaler zum Spitzenkandidaten sowie einfacher zu steuern und zu koordinieren als der etablierte Parteiapparat (Krebs 1996).

Auch die Autoritätsstruktur knüpft eng an die organisatorischen Regeln an, da diese durch die Definition von formalen Führungsämtern Autorität generiert. Gleichermaßen gilt das für informelle Positionen, wie für die herausgehobenen Vertreter einer parteiinternen Gruppierung oder Strömung. Der Anführer einer personalisierten Faktion kann sich auf die asymmetrische Macht- und Ressourcenaustauschbeziehungen zwischen ihm und seinen Gefolgsleuten stützten und dies als Ressource in Entscheidungsprozesse einbringen (Köllner/Basedau 2006: 16 f.). Darüber hinaus fußt die Autorität eines Akteurs auf seinen individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Schon Michels führte die Oligarchie-Bildung auf individualpsychologische Merkmale wie das Bewusstsein vom eigenen Wert, Geschicklichkeit, Rednergabe und Intelligenz zurück (Michels 1911: 62 ff.). Lösche hebt als Ergebnisse einer Studie zu den Parteivorsitzenden der deutschen Parteien die Persönlichkeitsmerkmale Ehrgeiz, Selbstvertrauen, persönliche Integrität und politische Erfahrung hervor (Lösche 2005: 352 ff.).

Ausdruck des Versuches, diese Ressourcen auszubauen, stellen etwa die Strategien der Ämterkumulation dar, die in den meisten Parteiorganisationen gängige Praxis sind (Herzog 1997: 311 ff.). So verknüpfen Akteure in der vertikalen Dimension Positionen auf unterschiedlichen Ebenen des politischen Systems, in Deutschland beispielsweise aufgrund der Regeln der Wahlgesetze durch die Verbindung eines Abgeordnetenmandats mit einem Parteivorstandsamt auf lokaler Ebene. Diese Kombination ist insofern häufig anzutreffen, da Parlamentarier zur Sicherung ihrer Wiederwahl Einfluss dort verschaffen, wo – in der Partei bzw. im Wahlkreis – über eine erneute Kandidatennominierung entschieden wird (Herzog 1997: 312). Auch in der horizontalen Dimension werden Positionen auf der Führungsebene verschiedener Funktionsbereiche kombiniert, wie bei der Verknüpfung von Führungspositionen im engeren politischen System, beispielsweise zwischen Regierungschef und Parteivorsitz oder Vorsitz in der Partei und der Fraktion.8 Diese Positionsverflechtungen sind nicht nur aus individueller Perspektive nützlich zur Verbesserung der eigenen Machtposition, sondern sie verbinden gleichsam den fragmentierten Akteur Partei und helfen, die komplexen Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse zu strukturieren.

Ökonomisch-technische Machtmittel

Bei den ökonomischen Machtmitteln finden sich wenige Unterschiede zu anderen Organisationstypen:

“Money is indispensable to the life and functioning of every organization. He who controls the channels through which flows the money that finances the organization controls another crucial regime.“ (Panebianco 1988: 35)

Dennoch spielen diese Ressourcen bei der Betrachtung des Parteiinnenlebens in der Parteienforschung eine untergeordnete Rolle. Fragen nach Geldmitteln werden eher allgemein im Blick auf die Einkommensseite unter Analyse von Parteienfinanzierungsregime beleuchtet. Der ökonomische Aspekt ist häufig bei der Betrachtung von Wahlkämpfen relevant, indem etwa analysiert und/oder verglichen wird, wie viel Mittel Parteien für Wahlaktivitäten ausgeben (für Deutschland: Korte 2009). Konzeptionell eingebettet sind die ökonomischen Machtmittel in die office-seeking-Motivationen der Parteimitglieder: Hier schwingen Fragen der materiellen Absicherung der Akteure in der Berufspolitiker-Welt einer Partei mit (z. B. hinsichtlich einer Wiederaufstellung oder -wahl). Schließlich knüpft diese Modalität an den illegitimen Bereich der Korruption an, bei dem externe Akteure mit finanziellen Mitteln versuchen, Entscheidungsprozesse in Parteien nach ihren Vorstellungen zu steuern.

In jedem Fall lässt eine nähere Betrachtung der innerparteilichen Geldflüsse Rückschlüsse auf Strategien und Spiele zu: So ist es bei deutschen Parteien die Regel, dass Mandatsträger Abgaben an die Partei abführen. Was für den Einzelnen den Preis bedeutet, dass er über die Partei ein Mandat errungen hat, verweist auf Ebene der Spielregeln auf den strukturellen Versuch, die durch die staatlichen Ressourcen gegebene Stärke der Fraktion gegenüber der Partei abzumildern. Die Aufteilung der Mittel in den fragmentierten Parteiorganisationen (z. B. zwischen Landesverbänden und Bundespartei) liefert zudem weitere Anhaltspunkte über die tatsächliche Machtstruktur (Feser 2010). Der zunehmende Finanzbedarf der Parteizentralen verweist so auf deren Aufwertung als Konsequenz des Professionalisierungsstrebens. Die Zentralen wachsen nicht nur hinsichtlich des Personals, sondern übernehmen vermehrt Aufgaben verbunden mit externer Kommunikation oder in Wahlkämpfen. Sie setzen etwa die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen für externe Dienstleister wie PR-Agenturen und Demoskopie-Institute ein und generieren dadurch Wissen über die Rahmenbedingungen der Partei, was wiederum ihre innerparteiliche Machtposition festigt.

Zu den technischen Machtmitteln zählen Fragen der modernen Kommunikationstechnologien, wie etwa der Aufbau innerparteilicher elektronischer Netzwerke oder Plattformen (Bieber 2001). So kann die technische Neuerung der Einbeziehung des Internets in die innerparteiliche Willensbildung und Kommunikationsflüsse Machtverhältnisse in einer Partei verschieben und Spiele verändern. Neue Kommunikationskanäle eröffnen neue Möglichkeiten der parteiinternen Abstimmung, Verhandlung und Mehrheitsbildung. In allen deutschen Parteizentralen herrscht Übereinstimmung, dass neue Kommunikationstechnologien die alltägliche Parteiarbeit massiv verändert haben und sich die Parteistrukturen verstärkt dem Internet anpassen werden müssen (Bukow 2013: 278 f.). „Auch im kleineren Maßstab verlieren Strukturen, Verfahrensweisen und strategische Linien ihre Funktion, weil neue technische Möglichkeiten, innovative Ideen und veränderte Rahmenbedingungen den Durchbruch für besser geeignete organisatorische Lösungen bringen“ (Wiesendahl 2009: 33).

Umwelt

Innerparteiliche Dynamiken lassen sich nicht losgelöst von Umwelteinflüssen verstehen. Die verschiedenen relevanten Umweltsegmente stellen eine mögliche Störungsquelle für innerorganisatorische Prozesse dar und bilden eine bedeutende Ungewissheitszone für innerparteiliche Akteure. Parteien zielen als Interessenorganisationen darauf ab, ihre Umwelt nach ihren Leitbildern zu verändern und sind aber darauf angewiesen, aus dem kontributiven Umweltbereich Ressourcen zu erhalten: Sie benötigen Wählerstimmen und finanzielle Mittel, gleiches gilt für die Personalrekrutierung. Gleichzeitig müssen Parteien die Vorgaben der regulativen Umwelt erfüllen (Roth/Wiesendahl 1985: 19 ff.).9

Allgemein stellt das Parteiensystem ein elementares Umweltsegment dar: Parteien stehen im Wettbewerb mit anderen Parteien und das Parteiinnenleben ist in der Regel nicht ohne eine Einbeziehung der Interaktionen mit den Konkurrenten im Parteiensystem zu verstehen (in besonderer Weise etwa bei Koalitionsentscheidungen). Im Vorteil sind somit innerparteiliche Akteure, die über Kontakte in andere Parteien oder ähnliche Netzwerke verfügen. Gleichzeitig kann sich die Konfiguration des Parteiensystems direkt auf die Machtverteilung in einer Partei auswirken:

“The more the party is a ’community of fate’, a community defined by a specific identity that has no equivalent in the external market, the stronger are the leaders’ positions in the vertical power games.“ (Panebianco 1988: 31)

Da in modernen Demokratien ein Großteil der Kommunikation medial vermittelt abläuft, bilden die Medien ein weiteres wichtiges Umweltsegment. Eine öffentliche Sichtbarkeit und Medienpräsenz kann die eigene Position stärken – in der Regel ist diese an ein formales Parteiamt geknüpft, durch das ein Akteur für die Partei spricht. So sind zunächst die Parteivorsitzenden die sichtbaren Repräsentanten der organisatorischen Identität nach außen: „Durch die Übertragung von Macht und politischem Kapital erscheinen die Repräsentanten identisch mit dem, was sie repräsentieren – der Parteifunktionär wird gleichgesetzt mit der Partei, deren Funktionär er ist“ (Rebenstorf 2005: 118 f.).

Ausgehend von den mikropolitischen Prämissen ist dabei allerdings zu wiederholen, dass Impulse aus den aufgeführten Umwelten und Umweltsegmenten immer nur vermittelt und nicht deterministisch wirken. Eine Partei oder die dominante Interessenkoalition in einer Partei kann sich schlicht weigern, auf Wahlniederlagen zu reagieren. „a ‚shock’ for one may be just another environmental change for another“ (Harmel/Janda 1994: 268). Eine Umweltanpassung ergibt sich nicht mechanisch, sondern findet in einem Prozess konfliktträchtigen sozialen Entscheidungshandelns innerparteilicher Akteure statt.

Fazit

Der vorliegende Aufsatz hat deutlich gemacht, dass sich im Bereich der mikropolitischen Organisationstheorien sinnvoll eine Brücke zur Politikwissenschaft bzw. Parteienforschung schlagen lässt, von der auch das Forschungsfeld Informelles Regieren profitiert. Die mikropolitischen Prämissen zielen auf eine häufig vernachlässigte Dimension des Geschehens in Organisationen und erkennen den Freiraum der innerorganisatorischen Akteure sowie ihr Potenzial für kreatives Handeln an. Gleichzeitig wird die Rolle der Strukturen (oder Regeln) nicht vernachlässigt, sondern diese überzeugend in einem prozessualen, dynamischen Verständnis konzeptionalisiert. Die von Crozier und Friedberg in ihrem Ansatz der strategischen Organisationsanalyse geprägten Begrifflichkeiten Macht, Strategie und Spiel ordnen in einem ersten Schritt die Vielschichtigkeit des Organisationsinnenlebens, die Erweiterungen von Ortmann erleichtern die Anwendung des Konzepts für konkrete Forschungsvorhaben.

Auch wenn die organisationstheoretischen Besonderheiten von Parteien als politische Organisationen überblicksartig dargestellt wurden, zielt diese Forschungsperspektive nicht auf allgemeine Aussagen oder Generalisierungen über innerparteiliche Entscheidungsprozesse. Die nicht aufzulösende Kontingenz bedingt detaillierte Fallstudien einzelner Parteiorganisationen, die nur in begrenzter Weise verglichen werden können. Zentral ist die mit diesem Ansatz verbundene Fragerichtung: Das Erkenntnissinteresse zielt auf das Wie innerparteilicher Entscheidungsprozesse – man will Zusammenhänge verstehen und kausale Mechanismen herausarbeiten. Untrennbar verbunden mit der in diesem Beitrag angebotenen Heuristik ist somit eine spezifische Perspektive der Parteienforschung, die den kleinteiligen Blick auf Akteursstrategien, Spiele und Spielregeln in einer Organisation beinhaltet. Ein solches Forschungsverständnis bringt wiederum Konsequenzen für die Vorgehensweise mit sich: Vorrangig Methoden aus dem Repertoire der qualitativen Sozialforschung kommen hier zur Anwendung (Willner 2011).

Die Parteienforschung verfügt damit über ein brauchbares Instrument, um für konkrete innerparteiliche Entscheidungsprozesse der Frage nachzugehen, wie die beteiligten Akteure zu einer verbindlichen Entscheidung gekommen sind und wie somit kollektive Handlungsfähigkeit einer fragmentierten Parteiorganisation hergestellt wird. Da Parteien die zentralen kollektiven Akteure in demokratisch verfassten Systemen sind und entscheidenden Einfluss auf Regierungsbildung und -handeln nehmen, ergibt sich wiederum eine Anschlussfähigkeit der Ergebnisse an die Analyseperspektive des Informellen Regierens.

Fußnoten

  1. 1.

    Das Buch erfuhr eine unveränderte Neuauflage unter dem gedrehten Titel Die Zwänge kollektiven Handelns. Über Macht und Organisation (1993).

  2. 2.

    Ein treffendes Bild für diesen Zusammenhang liefert Wittgenstein, der einen ähnlichen Mechanismus bei der Konstruktion von Weltbildern in der Sprache ausmacht: „Man könnte sich vorstellen, dass gewisse Sätze von der Form der Erfahrungssätze erstarrt wären und als Leitung für die nicht erstarrten, flüssigen Erfahrungssätze funktionierten; und dass sich dieses Verhältnis mit der Zeit änderte, indem flüssige Sätze erstarrten und feste flüssig würden" (Wittgenstein 1999: 140).

  3. 3.

    Eine solche Begriffsdefinition von Strategie ähnelt in vielen Punkten dem praxistheoretischen Praktiken-Konzept, an dem sich etwa Bueger/Gadinger in diesem Band orientieren.

  4. 4.

    Die Zweiteilung der Regeln entspricht in Teilen der Unterscheidung von policy und polity als Dimensionen des Politikbegriffs (Korte/Fröhlich 2009: 13 f.).

  5. 5.

    Anders als bei den von der Industriesoziologie thematisierten Betrieben sind Mitglieder nicht über einen Tauschvertrag gebunden oder von einem Einkommen abhängig – im Gegenteil: Parteimitglieder zahlen einen Beitrag für ihre Mitgliedschaft.

  6. 6.

    Austritte einfacher, zum Teil passiver Mitglieder scheinen auf den ersten Blick verschmerzbar, sie wirken aber indirekt auf die Spiele der Berufspolitiker zurück: Ein Mitgliederschwund hat Konsequenzen für Finanzierung, Wahlchancen und öffentliche Wahrnehmung. Entsprechend reagierten die parteiinternen Interessenkoalitionen in Parteien, die seit längerem einem Trend sinkender Mitgliederzahlen unterliegen, mit einer Modifikation ihrer Strategien. So lehnt man sich beispielsweise mehr an den Staat an und lagert verstärkt Aufgaben an externe Agenturen, Umfrageinstitute oder andere Dienstleister aus (Kartellbildung; Katz/Mair 1995, oder professionalisierte Wählerpartei; Panebianco 1988, Beyme 2000).

  7. 7.

    Eine Strategie, die Akteure dabei zur Integration der Zieldissonanzen verfolgen, besteht beispielsweise im Einsatz unscharfer Formulierungen, die so für unterschiedliche Gruppen in der Partei gleichermaßen akzeptabel sind (Niclauß 2002: 226).

  8. 8.

    Ebenfalls häufig vorzufinden ist eine Funktionsverknüpfung von politischem System und Wirtschaftsunternehmen, gesellschaftlichen Verbänden oder Institutionen (Doppelmitgliedschaft; Bosetzky 1992: 30).

  9. 9.

    Das ist allerdings nur eine verkürzte Sichtweise, da die Parteien selbst an der Gestaltung der gesetzlichen Regeln mitwirken.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

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  • Niko Switek

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