Kommunikationsstress: Politisches Entscheiden unter den Bedingungen von Überall-Medien

  • Karl-Rudolf Korte

Zusammenfassung

Die deutsche Demokratie befindet im Kommunikationsstress. Dieser Befund ist zwar nicht neu, doch unter den Bedingungen von Überall-Medien hat sich das politische Entscheiden dramatisiert. Noch wirkungsmächtiger sind die veränderten Zeitläufe, die eine enorme Ereignisdichte mit sich bringen und das Risiko zum Regelfall der Politik machen. Die aktuelle Kaskade von Krisen stellt jede Regierungsformation vor besondere Probleme. Parallel zu diesen wachsenden Risiken entwickeln sich politische Komplexität, Nichtwissen und Unsicherheit exponentiell. Politisches Entscheiden heißt aus Perspektive der Akteure insofern Entscheiden und Stress. Eine Regierung kann sich allerdings auch in Zeiten des skizzierten Gewissheitsschwundes strategische Potentiale erarbeiten und erhalten, die ein nicht allein durch Zufälle und Inkrementalismus dominiertes Politikmanagement möglich machen. Risikokompetenz wäre dabei die auszubauende Kapazität. Aus Sicht der Regierungsforschung lassen sich verschiedene Komponenten einer politischen Risikokompetenz von Akteuren entwickeln, um Auswege für den Umgang mit den Entscheidungszumutungen und den veränderten kommunikativen Rahmenbedingungen der Politik zu finden.

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