Die Zwangsvorstellungskranken
Zusammenfassung
M. H.! Im normalen Ablauf erleben wir unsere seelischen Vorgänge als einsichtig bzw. logisch verknüpft, bedingt und veranlaßt, als verständlich und sinnvoll aufeinander bezogen, als in Zusammenhängen vielfachster Art verbunden, gleichwohl aber als frei, nicht als gezwungen. Das Erlebnis des Zwanges ist dem gesunden Seelenleben gegenüber etwas Fremdes. Wenn ich feststelle, daß ich etwas denken muß, ohne es zu wollen und gegen meinen Willen, daß sich mir ein peinliches Gefühl aufdrängt, und ich mich von ihm nicht zu befreien vermag, daß eine unlustbetonte Vorstellung welcher Art auch, immer von Neuem meinen Gedankengang stört und meine Stimmung beherrscht, ohne daß mein ganz anders gerichteter Wille dagegen aufkommen kann, und erst recht, wenn das, was ich so denken muß, inhaltlich sinnlos ist und sachlich von mir abgelehnt wird, dann habe ich Erlebnisse des seelischen Zwanges. Wir sprechen hier nicht von denjenigen Arten des psychischen Zwanges, die etwa ein Deprimierter als Teilerscheinungen der Depression, als Befürchtungen, Selbstbeschuldigungen, Vorstellungen drohenden Unheils oder als Lebensüberdruß in der Einheitlichkeit seiner Verstimmung, in seinem im ganzen in diesem Sinne jetzt veränderten Ich erlebt, sondern ausschließlich von solchen, denen er mit seiner im übrigen nicht veränderten Persönlichkeit gegenübersteht.
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