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Wahlsysteme in Theorie und Praxis

  • Carl J. Friedrich
Chapter
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE)

Zusammenfassung

Der Mann aus dem Volke, der zur Wahlurne geht, vollzieht damit die für die moderne Politik charakteristische Handlung. Könige, Revolutionen, Verfassungen und große Bürokratien gibt es seit undenklichen Zeiten; die Erscheinung des Wählers in der Masse gehört erst der neuesten Zeit an. Für Aristoteles bedeutete die Demokratie (Politeia), daß wichtige Entscheidungen von der Versammlung der gesamten Bürgerschaft auf dem Marktplatz gefällt werden. Heute versteht man darunter, daß die Gesamtheit der Bürger zur Wahl geht, um Vertreter zu bestellen, nachdem man in den Zeitungen über ihre Programme gelesen und sie selbst in Versammlungen oder über den Rundfunk hat sprechen hören. Wie wir im letzten Kapitel gesehen haben, sind Wahlen zwar nicht die einzig mögliche Methode, um Vertreter zu bestimmen; sie werden jedoch für die am meisten der Demokratie angemessene gehalten. Was bedeutet nun aber „Demokratie“ in diesem Zusammenhang ? Sollen alle die, deren Interessen zu vertreten sind, sich an der Auswahl von Vertretern beteiligen1 ? Ein zahlenmäßig nicht geringer Prozentsatz des Volkes besitzt ganz offensichtlich nicht die Eignung, einen für die Schaffung von Gesetzen geeigneten Mann auszuwählen. Diese selbstverständliche Wahrheit anerkennen heißt keineswegs, daß man für eine Regierung durch Intellektuelle eintritt.

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Hinweise und Anmerkungen

  1. 1.
    Zum Problem der Eignung siehe die Bemerkungen von Bagehot, op. cit. (2nd ed. 1873), pp. 209 ff.Google Scholar
  2. 2.
    Über das englische System vgl. J. A. Thomas, The House of Commons (1939) sowie W. I. Jennings, Parliament (1940), Ch. II. Siehe ferner den Überblick bei F. A. OGG, English Government and Politics (2nd ed. 1936), Ch. XIII und die dort aufgeführte Literatur. Die Bemerkungen von J. S. Mill findet man in op. cit. Ch. X, das Zitat von Bagehot in op. cit. p. 214.Google Scholar
  3. 3.
    Die Schrift von Thomas Hare trägt den Titel The Machinery of Representation (2nd ed. 1857). Ausführlicher ist das Thema behandelt in seinem Werk, Treatise on the Election of Representatives, Parliamentary and Municipal (1859). Der Plan von Victor De Considérant ist enthalten in seiner Schrift, De la Sincérité du Gouvernement, Lettre à MM. les Membres du Grand Conseil… de Genéve (neu herausgegeben 1892). Thomas Gilpins Schrift ist betitelt On the Representation of Minorities of Electors to Act with the Majority in Elected Assemblies (1844).Google Scholar
  4. 4.
    Walter Bagehot, The English Constitution (1st ed. 1867). Bagehots Arbeiten sind zuerst erschienen in Fortnightly Review, in den Jahren 1865–1867. Die Ausführungen auf S. 2 waren in seinem 6. Aufsatz enthalten mit dem Titel, „The House of Commons“, veröffentlicht am 15. März 1866. Die statistischen Angaben stammen aus Johannes Schauff, Neues Wahlrecht (1929), S. 249.Google Scholar
  5. 5.
    John Stuart Mill, Considerations on Representative Government (1st ed. 1861). Mills Ausführungen sind in Kap. VII enthalten, das den Titel trägt „Of true and false democracy; representation of all, and representation of the majority only“.Google Scholar
  6. 6.
    Mill, op. cit. p. 137.Google Scholar
  7. 7.
    Hinsichtlich der Wahlkreiseinteilung (apportionment) siehe E. V. Huntington, „Methods of Apportionment in Congress“ in APSR, Vol. XXV (1931), pp. 961 ff. und den Aufsatz über diesen Gegenstand von W. S. Carpenter in ESS. Zur Wahlgeometrie vgl. die Abhandlungen von Merriam-Gosnell, op. cit., und Sait, op. cit., sowie von E. C. Griffith, Rise and Development of the Gerrymander (1907) und C. O. Sauer, „Geography and the Gerrymander“ in APSR, Vol. XII, pp. 403 ff.Google Scholar
  8. 8.
    Zu den folgenden Abschnitten siehe die kritische Ansicht von Hermens, Democracy or Anarchy? (1941) und die positiven Argumente bei Hallett und Hoag.Google Scholar
  9. 9.
    Ins einzelne gehende Darstellungen des Funktionierens dieser Methode und anderer Systeme hat der Verfasser gegeben in Ccmstitutional Government and Politics (1937), pp. 271 ff.; siehe auch Constitutional Government and Democracy (1941), pp. 282ff. Ergänzt und erweitert wurden diese Untersuchungen durch die ausgezeichnete Analyse von Dr. F. A. Hermens op. cit. Hinsichtlich seiner Abhandlung über Belgien vgl. Kap. XII, über die skandinavischen Länder Kap. XIII.Google Scholar
  10. 10.
    Nach neueren Beurteilungen verschlechtert sich die irische Situation rasch, wie dies nach den Erfahrungen mit der Koalitionsregierung nicht anders zu erwarten ist. Siehe den Aufsatz von James Hogan, „Ireland should join in the Atlantic Pact,“ Sunday Independent, 6. März 1949. Der Radikalismus Mobrides und seiner Anhänger stellt ein treffendes Beispiel dar für die nachteiligen Auswirkungen einer Koalitionsregierung.Google Scholar
  11. 11.
    Das Problem wird klar dargelegt von Michel Debré, „DU Gouvernement de la Liberté“, Revue du Droit Publique et de la Science Politique en France et à l’Etranger (1949), insbesondere pp. 44ff., wo der Verfasser die Frage in Zusammenhang bringt mit „le renouvellement des Elites“. Siehe auch Gordon Wright, Reshaping of French Democracy (1948), namentlich pp. 223, 289. In Deutschland ist das Problem scharf herausgestellt und beleuchtet worden von der Deutschen Wählergesellschaft, geführt von Alfred Weber und Dolf Sternberger; als Herausgeber der Zeitschrift Die Wandlung hat Sternberger zahlreiche einschlägige Aufsätze aus eigener Feder und von anderen Verfassern veröffentlicht.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Göttingen · Heidelberg 1953

Authors and Affiliations

  • Carl J. Friedrich
    • 1
  1. 1.Harvard UniversityUSA

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