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Allgemeine Probleme der Repräsentation

  • Carl J. Friedrich
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE)

Zusammenfassung

Als wir die Verantwortlichkeit und die Frage, wie sie sich verwirklichen läßt, erörterten, wiesen wir darauf hin, daß eine ihrer wichtigsten Formen die Verantwortlichkeit gegenüber der Wählerschaft ist. Der Hauptzweck aller Repräsentationssysteme ist es, die staatliche Verantwortlichkeit möglichst wirksam zu gewährleisten. In von der Religion beherrschten Zeiten wird die Auffassung von der herrscherlichen Statthalterschaft Gottes auf Erden den König und seine Beamten mit einem Gefühl der Verantwortlichkeit erfüllen. Wenn aber dieser Glaube schwindet, kann willkürliche Tyrannei aus einem solchen Repräsentationsgedanken erwachsen. Aber auch die Idee der Toleranz wird dann möglich; sie setzt voraus, daß die absolute Gewißheit, auf der eine religiöse Sanktion beruht, nicht mehr besteht.

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Hinweise und Anmerkungen

  1. 1.
    Die Ausführungen von J. J. Rousseau, auf die hier verwiesen ist, finden sich in Contrat Social, Buch III, Kap. XV. Eine der hier dargelegten Ansicht entgegengesetzte Auffassung vertritt Edwin Mims, Majority of the People (1941). Siehe auch meine ausführlichere Darstellung dieser These in The New Belief in the Common Man (1942), Ch. IV. Zur Frage der Souveränität siehe die Ausführungen in Kap. I und die dazu angegebene Literatur.Google Scholar
  2. 2.
    Die Ansicht von Hobbes ist dargelegt in Leviathan, Buch I, Kap. XVI. Zu Lockes Begriff der Macht siehe Kap. I, Anm. 21 sowie Kap. XV, Anm. 5.Google Scholar
  3. 3.
    Über die Stände vgl. Georg v. Below, „System und Bedeutung der landständischen Verfassung“ in Territorium und Stadt (1900), S. 163 ff.; Otto V. Gierke, Das Deutsche Genossenschaftsrecht, Bd. I, § 51 und andere. Siehe auch den staats- vergleichenden Standpunkt von Hugo Preuss, Verfassungspolitische Entwicklungen in Deutschland und Westeuropa (1927), § 14. Rudolf Gneist, Englische Verfassungsgeschichte (1882) gibt zwar in mancher Hinsicht Anlaß zur Kritik, ist in diesem Zusammenhang aber doch von Nutzen, da es die parlamentarischen Einrichtungen als Stände betrachtet, so in §§ 19–26. Zur orthodoxen Ansicht siehe William Stubbs, English Constitutional History (3rd ed. 1887), insbesondere Ch. XV. Die verwandte Frage des „Charisma“ ist eingehend behandelt bei Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft (1922), Buch III, Kap. IX und X. Aber auch viel neuere Schriften über Führung und Führertum schenken ihr Beachtung; siehe Kap. XVIII, Anm. 3.Google Scholar
  4. 4.
    Zu Burkes Ansichten siehe Works (Boston 1839), Vol. II, pp. 12ff. Vgl. auch die bemerkenswerten Kommentare von M. Einaudi, Edmundo Burke e l’Indirizzo Storico Nelle Scienze Politiche (1930), namentlich pp. 78 ff. Siehe ferner die Einleitung zu den von Ross J. S. Hoffman und Paul Levack ausgewählten Schriften, Burke’s Politics (1948).Google Scholar
  5. 5.
    Robert v. Mohls Begriffsbestimmung findet man in seinem Werk, Staatsrecht, Völkerrecht und Politik (1860), Bd. I, S. 8–9.Google Scholar
  6. 6.
    Die Literatur über Wirtschaftsräte ist in Kap. XXII, Anm. 8 angegeben. Die Frage der restriktiven Qualifikation der Wähler ist wenig populär, man darf ihr aber nicht aus dem Wege gehen. Siehe die Erörterung bei Edward M. Sait, American Parties and Elections (1927), insbesondere pp. 18 ff. und 38ff. Der Mißbrauch, der mit solchen Methoden getrieben wird, bildet jedoch ein ernstliches Hindernis für jeden Fortschritt in dieser Richtung.Google Scholar
  7. 7.
    Eine ausführlichere Darstellung gibt des Verfassers The New Belief in the Common Man (1942), Ch. V.Google Scholar
  8. 8.
    Prof. McIlwain hat mit Recht darauf hingewiesen, daß bei Bodin der Schwerpunkt in der Gesetzgebung liegt. Siehe sein Werk, The Growth of Political Thought in the West (1932), pp. 286ff. Zur Gleichsetzung von parlamentarischer Beratung und Gespräch siehe Carl Schmitt, Politische Romantik (2. Aufl. 1925) passim und Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus (1923), S. 20ff. Im übrigen vgl. die Bibliographie zu Kap. XVII. Bezüglich der agreement on fundamentals siehe Kap. IX oben.Google Scholar
  9. 9.
    Das Rousseau-Zitat findet sich in Contrat Social (Everyman’s Edition), Buch I, Kap. V, S. 33–34, das Zitat von Locke in Of Civil Government (Everyman’s Edition), p. 183 und dasjenige von Richard Hooker in Of the Laws of Ecclesiastical Polity (Everyman’s Edition), p. 232.Google Scholar
  10. 10.
    Die Finanzgewalt (power of the purse) bildet einen Hauptfaktor in der Entwicklung der parlamentarischen Einrichtungen. Daher enthält die zu Kap. XVII und XVIII angegebene Literatur einschlägiges Material.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. zu diesem Abschnitt das Schrifttum über Gewaltentrennung und Föderalismus zu Kap. X und XI.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. den kurzen Abriß „Medieval Representative Institutions“ in H. Sidg-Wick, The Development of European Polity (1903), Ch. XXI. Über Simon De Montfort siehe Stubbs, op. cit. pp. 96–98. Vgl. auch die Ausführungen über den mittelalterlichen Konstitutionalismus in Kap. VII, S. 209 f.Google Scholar
  13. 13.
    Diese Probleme sind diskutiert in „Representation and Constitutional Reform in Europe“, The Western Political Quarterly (1938), Vol. I, pp. 124ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Göttingen · Heidelberg 1953

Authors and Affiliations

  • Carl J. Friedrich
    • 1
  1. 1.Harvard UniversityUSA

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