Zusammenfassung
Der Streit, ob einer ein für allemal montierten „Anlage“oder der Umwelt Vorrang in der Genese strafbarer Handlungen zukomme, vereinfacht das Problem in unerlaubter Weise. Die biologische Struktur des Kriminellen erschöpft sich nicht in anthropologischen, anatomischen oder physiologischen Daten, auch nicht in tierpsychologischen und ethnologischen Parallelen, wie sie Lombeoso vorgelegt hat1. Die nächste Causa fehlerhafter Akte ist die Psyche mit allen ihren Unvereinbarkeiten2, den weit entlegenen Hintergründen, die sich nur widerstrebend offenbaren, in Träumen und geheimen Tagebüchern3, in Wunschgebilden und in der Berufswahl, auch einem niemals zugetrauten Rechtsbruch. Wo sich auch immer Reaktivitäten zeigen, so unterliegen sie dem Druck der Umweltkräfte, die sie gefällig oder hart bedrückend an die Oberfläche ziehen; sie ändern sich nach Alter, Klima, Wetter, Krankheits-schüben, soweit die angeborene Weite der Bewegungsfreiheit reicht. Kein Mensch kommt aus dem Kriege ungeschoren wieder, so wenig wie aus einem Zuchthaus, einer unheilbaren Ehe, aus einer Freundschaft, die Verrat und Narben brachte. Die Umwelt selbst ist für den Wesenswandel hochempfindlich, er wieder reagiert auf ihre Reaktion in einer Wirkungsfolge ohne Ende. So spinnen sich kausale Reihen fort, bis das Gewebe kaum noch zu entwirren ist.
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