Wir fangen Plankton

  • Ernst Hentschel
Part of the Verständliche Wissenschaft book series (VW, volume 6)

Zusammenfassung

Wir sind also nun auf der Suche nach kleinen Tieren oder Pflanzen, von denen die großen sich nähren. Wir sehen sie nicht, aber sie müssen da sein. Sturmschwalben, fliegende Fische und Blasenquallen, oder was wir sonst an der Meeresoberfläche leben sehen, sind uns ein zwingender Beweis, daß sie da sein müssen. Wir wollen versuchen, sie zu fangen. Wie machen wir das? — Ein feines Netz durch das Wasser zu ziehen, wird beim fahrenden großen Überseeschiff schlecht möglich sein; es würde zerreißen oder abreißen. Ein paar Eimer Wasser an Bord zu nehmen, wird nicht genügen. Vielleicht fänden wir darin das eine oder andere, aber im ganzen sind die Tierchen so dicht denn doch nicht gesät. Aber es werden ja täglich große Mengen Wasser an Bord gepumpt, wenn morgens das Deck „gespult“ wird. Durch die dicken Schläuche muß ja allerhand mit heraufkommen. Um nun wirklich Erfolg zu haben, werden wir folgendermaßen verfahren. Wir nehmen ein trichterförmiges Netz (Abb. 4) aus „Müllergaze”, d. h. einer sehr feinen, aus Seidenfäden gewebten Gaze, wie sie die Müller zum Sieben von Mehl benutzen. Das Netz ist unten durch einen kleinen „Eimer” abgeschlossen, dessen Boden wieder durch ein Gazeläppchen gebildet wird. Haben wir nun eine tüchtige Menge Wasser da hindurchfließen lassen, so schrauben wir den Eimer ab und spülen seinen Inhalt in ein Glasgefäß oder bringen ihn auch gleich in einem Schälchen unter ein Mikroskop. Da ist dann schon allerlei zu sehen. Allerdings — die Methode ist roh, vieles wird dabei zerstört, und die Wassermengen, die so untersucht werden können, sind immerhin nicht sehr bedeutend. Man wird wesentlich mehr fangen, wenn man Gelegenheit hat, auf dem offenen Ozean vom Boote aus ein solches feines Seidennetz längere Zeit durch das Wasser zu ziehen, oder wenn man bei gestopptem Schiff ein großes Netz, etwa von einem Meter im Durchmesser, auf 50 oder 100 m Tiefe hinabläßt und es langsam wieder heraufzieht (Abb. 5).

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1929

Authors and Affiliations

  • Ernst Hentschel
    • 1
  1. 1.HamburgDeutschland

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