Wege der Naturforschung 1822–1972 pp 171-185 | Cite as
Hygiene, ein Thema in der Frühzeit der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (1822–1867)
Zusammenfassung
Was wir heutzutage unter „Hygiene“ verstehen, nannte man im 19. Jahrhundert vielfach „Gesundheitspflege“. Unter Gesundheitspflege aber verstand Max Rubner, von 1885 bis 1891 erster Lehrstuhlinhaber für Hygiene an der Universität Marburg, dann Nachfolger Robere Kochs in Berlin und 1909 Vorsitzender der „Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte“, „die bewußte Vermeidung aller der Gesundheit drohenden Gefahren und die Betätigung gesundheitsmehrender Handlungen“ [1]. Man grenzte diesen Begriff — das ist kennzeichnend — häufig auf „öffentliche Gesundheitspflege“ ein, während man unter „Hygieine“ oder „Hygiastik“, antiker Tradition folgend, im 18. und auch noch im 19. Jahrhundert mehr das verstand, was wir heute Individualhygiene nennen. Prototypen und zugleich Marksteine dieser beiden Varianten sind an der Schwelle zum 19. Jahrhundert auf der einen Seite Johann Peter Franks „System einer vollständigen medicinischen Polizey“, 1779 bis 1819 zum ersten Male in sechs Bänden erschienen, auf der anderen die „Makrobiotik“ Christoph Wilhelm Hufelands, unter dem Titel „Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“ 1797 zum ersten Male aufgelegt. Frank vertritt mit seiner „medicinischen Polizey“ eine Staatshygiene aufgeklärt-absolutistischer Prägung, Hufeland, der große Eklektiker, ist einer der auch vom nichtärztlichen Publikum vielgelesenen Popularhygieniker und hygienischer Volksaufklärer. Beide Schriften mögen in ihrer unterschiedlichen Tendenz auf die vielfältigen und differenzierten Bemühungen um Hygiene am Ausgang des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts hinweisen [2].
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Literatur
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